Als ich noch reviewte: Abe’s Exoddus

Genug von all den Superhelden? Ist euch Lara zu perfekt,Duke zu cool oder Kate Archer zu clever? Dann solltet Ihr Abe kennenlernen…

“Abe’s Exoddus” ist ein Vertreter des rar gewordenen Genres der Jump ‘n Runs, allerdings derart mit Rätseln und Abwechslung vollgestopft, daß ein Großteil der sogenannten Action-Adventures nur verschämt auf den Boden gucken kann. Als Abe, seines Zeichens freischaffender Mudokonheld, liegt es an Ihnen, die bösartigen Pläne der Soulforge Corporation zu durchkreuzen, welche die Gebeine längst verstorbener Mudokons zu Energiedrinks verarbeiten.

Wer das jetzt für bizarr hält, denkt richtig: Oddworld Inhabitants, das Programmierteam hinter “Exoddus” und dem Vorgänger, “Abe’s Oddissey”, hat unglaublich viele skurrile Ideen in dieses Spiel eingebaut, die aber dennoch das harmonische Gesamtbild einer Welt ergeben, die der unseren ziemlich fremd ist.

Um seine 300 Artgenossen aus der Sklaverei der Glukkons zu befreien, rennt und springt Abe durch Fabrikhallen, uralte Tempel und diverse andere Orte, immer auf der Hut vor gähnenden Abgründen, tödlichen Fallen und natürlich Unmengen von Feinden. Im Gegensatz zu seinen Kollegen in der Heldenbranche hat Abe allerdings kaum offensive Fähigkeiten – meistens ist er auf der Flucht oder schleicht und versteckt sich an seinen Widersachern vorbei.

Und davon gibt es so einige: die hundeähnlichen Slogs, die tentakelgesichtigen Sligs, die Abe auf dem Boden und aus der Luft das Leben schwermachen, Scrabs, die am ehesten Ähnlichkeiten mit den Bugs aus “Starship Troopers” haben und noch ein Haufen weiterer unliebsamer Genossen.

Doch Abe hat eine Geheimwaffe – denn wenn er sich konzentriert und einen Gesang anstimmt, kann er mit seinem Geist in die Hülle einer seiner Gegner schlüpfen und diesen kontrollieren. Der Spieler übernimmt dann dieses Wesen, bis es entweder stirbt oder Abe die Kontrolle beendet – in diesem Fall endet dies für den Besessenen mit spontaner Explosion.

Grade dieses Feature bietet eine Unmenge von Möglichkeiten, so ist es zum Beispiel möglich, die Rangordnung innerhalb des Feindes auszunutzen, indem man einen Boss übernimmt und dessen Untertanen dann als dieser befiehlt, sich gegenseitig umzubringen.

Sollte die Gedankenkontrolle, das “Chanten”, aufgrund der zu geringen Intelligenz des Opfers oder störender Antichantdrohnen, die einen sofort beim Ansetzen zum Singsang mit einem schmerzendem Blitz von den Füßen reißen, nicht gelingen, bleibt Abe immer noch die Möglichkeit, seine Gegner mit gefundenen Granaten zu vernichten oder mit geworfenem Fleisch abzulenken. An gewissen Punkten im Spiel ist Abe sogar in der Lage, seine eigenen explosiven Fürze zu steuern – zeigt mir ein anderes Spiel, in dem so etwas möglich ist!

Bei direktem Feindkontakt sieht es jedoch meist schlecht für Abe aus – schon ein Biss, ein Schuß reicht aus, und Abe tritt den Weg zu seinen Ahnen an. Durch das sehr gute Autosave und der Möglichkeit jederzeit zu speichern ist dies allerdings nicht weiter schlimm.

Grafisch ist Abe’s Exoddus, “trotz” 2D-Engine, sehr hübsch gelungen. Die Level sind oft düster, aber abwechslungsreich, und die Animationen der Figuren sind genial. Das gleiche gilt für den Sound: Die Stimmen sind – auch ein Lob an die deutsche Lokalisierung – wunderbar passend, vor allem die der Mudokons hat mich des öfteren zu einem Grinsen verleitet. Die Steuerung erfordert ein wenig Eingewöhnung, geht dann aber leicht von der Hand.

Es gibt eigentlich keinen Grund, dieses Spiel nicht zu spielen, sofern man auch nur ein wenig Interesse am Genre hat. Und auch sonst sollte man definitiv einen Blick riskieren, zumal es inzwischen für einen äußerst geringen Preis zu erwerben ist.

Und da man nicht alle Mudokons befreien muß, um das Spiel zu beenden (tatsächlich sind ca. die Hälfte in Geheimabschnitten versteckt), besteht durchaus der Anreiz des wiederholten Durchspielens. Und, als ob das nicht alles schon gut genug wäre, ist das Spiel sogar noch komplett bugfrei.

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