Als ich noch reviewte: Alone in the Dark 4

Edward Carnby, Held der nun vier Teile umfassenden “Alone in the Dark”-Saga, muß ein weiteres Mal seinen Kopf und seine Schießkunst bemühen, um eine mysteriöse böse Macht zu bekämpfen. Nach dem klassischen Spukhaus des ersten Teils und den respektive von Geisterpiraten und -cowboys bevölkerten zweiten und dritten Teilen wartet nun die Insel eines verrückten Wissenschaftlers auf unseren Privatdetektiv.

Wobei es schon anhand der Optik schwerfällt, zu glauben, daß der Edward aus “The New Nightmare” tatsächlich der gleiche Protagonist sein soll wie die Hauptfigur der ersten drei Teile – war dieser eher ein Mann um die 40, elegant gekleidet und mit Schnauzbart, ist der “neue” Carnby ein ledermanteltragender Langhaariger, um einiges jünger und sportiver. Wenn die Entwickler schon ihren Helden der Neuzeit anpassen wollten, äütten sie ihm zumindest einen neuen Namen geben können – spielten die “alten” drei Teile doch eher am Anfang des Jahrhunderts. Aber gehen wir halt davon aus, daß es sein Enkel oder so ist, für das Spiel ist das ja nicht von Belang.

Gleich des zweiten Teils wird Carnby durch den Tod eines Freundes in das Geschehen gezogen, und wie im ersten Teil der Serie muß er nicht alleine dem Schrecken trotzen – ihm zur Seite steht die junge Anthropologin Aline Cedrac, welche aus ihren eigenen Gründen ebenfalls nach Shadow Island, so der Name der Spiellocation, reist. Aber von da ab hören die storytechnischen Gemeinsamkeiten zwischen den Teilen auf, und Darkworks präsentiert uns eine recht düstere, aber interessante Geschichte, die ihrer eigenen Logik treu bleibt und für so manchen Schauer sorgt. Erzählt wird diese, neben den erlebten Geschehnissen natürlich, durch gefundene Schriftstücke, die nach und nach die ganze mysteriöse Vergangenheit des Hauses Morton enthüllen.

Die Steuerung ist relativ simpel gehalten, wer bereits andere Action-Adventures dieser Machart gespielt hat, sollte keine Probleme haben. Neben Gehen/Rennen und Gegenstände benutzen kann man eine Automap einblenden (die allerdings Türen manchmal nicht anzeigt, wenn man sie noch nicht durchschritten hat – nervig), die Taschenlampe ein- und ausschalten, das Inventar öffnen sowie die jeweils andere Spielfigur über Funk kontaktieren, was des Öfteren automatisch passiert, aber auch manuell tatsächlich ab und zu hilfreich ist. Die Steuerung ist klar auf die analog/digitalen Controller der Playstation/Dreamcast    zugeschnitten, mit Tastatur und wahlweise Maus spielt es sich bei weitem nicht so bequem. Sinnigerweise werden PC-Joypads aber nicht unterstützt.

Das Inventar ist im Gegensatz zur Resident Evil-Reihe, der momentanen Genrereferenz, nicht begrenzt, ebenso kann man überall speichern – zwei Hauptkritikpunkte der von Konsolen stammenden Action-Adventures sind damit schon mal entkräftet. Zwar kostet jedes Speichern ein Amulett, von denen es nur begrenzt viele im Spiel gibt, allerdings findet man in der PC-Version fünfmal so viele Amulette wie auf den Konsolen – da wurde augenscheinlich das vorsichtigere (oder auch einfach verwöhntere) Wesen der PC-Spielergemeinde bedacht.

Je nach gewählter Spielfigur nimmt die Geschichte einen anderen Lauf – während Carnby mit massig Munition durch die Monster pflügt, muß Aline oftmals eher die Flucht ins Auge fassen, was dem Spaß aber kaum Abbruch tut. Insgesamt sollte man beide Wege durchspielen, um den gesamten Spielspaß zu erleben, da die Rätsel etc. auch komplett verschieden sind, ist es fast, als hätte man zwei Spiele in einem. Einziger Wehrmutstropfen dabei: Die Endsequenz ist identisch.

Die Rätsel im Spiel sind teilweise recht knifflig, doch logisch – sofern man akzeptiert, daß genretypisch überall Schlüssel versteckt sind; wie kommen die Leute nur durch ihr eigenes Haus? Auch wenn das Spiel recht linear ist, durch die vielen abgeschlossenen Räume kann man durchaus in einer Sackgasse landen, weil man einen Gegenstand übersehen hat oder einen Tip nicht kapiert. Was solch eine Situation noch verschlimmert, ist, daß in bestimmten Bereichen die Monster ständig wiederkehren, was bei begrenzter Munition äußerst nervig ist, vor allem, wenn man diese Bereiche öfters durchqueren muß.

Apropos Monster: davon rennen recht viele herum, am häufigsten muß man sich allerdings mit den üblichen Zombies und hundeähnlichem Getier befassen. Ab und zu und gegen Ende wird es dann doch noch bizarrer, für Abwechslung ist also doch gesorgt.

Das Spiel ist sehr düster gehalten, als einzige Lichtquelle muß oft die Taschenlampe herhalten, mit der man frei die Umgebung ausleuchten kann. Durch diese hübsch gemachte Licht/Schattenspielerei gewinnt “The New Nightmare” einiges an Atmosphäre. Gerade zu Beginn, vor allem mit Edward Carnby als Spielfigur, haben die Programmierer ein paar sehr nette Ideen gehabt, um das Gruselfeeling herzustellen: Kameraperspektiven, als würde man beobachtet, nur kurz sichtbare Schrecken a la “Der Exorzist”, und eine exzellente Sounduntermalung sorgen für ein wohliges Schauern, mehr Grusel als Horror, auf billige Schockeffekte wird größtenteils verzichtet. Leider verliert sich diese Stimmung im Laufe des Spiels, sei es durch die bessere Bewaffnung oder durch Gewöhnung, oder weil die Designer die meisten guten Ideen auf die erste Hälfte des Spiels verteilt haben.

Die Grafik ist ausreichend, die Auflösung von 640×480 ist allerdings unter dem, was man heute erwarten kann. Auch finde ich es ein Armutszeugnis, daß die Dreamcastversion besser aussieht als die PC-Version – ich denke doch schon, daß da mehr drin gewesen wäre.

Weiterhin bewegen die Figuren beim Sprechen ihre Münder nicht, und die Sprecher selber sind zwar professionell, aber anscheinend nicht die ganze Zeit bei der Sache. Besonders bei Aline wirkt die Angst teilweise etwas unecht.

Leider ist das Spiel auch ziemlich buggy – so scheint ein Rätsel bei einigen Rechnern nicht zu funktionieren, was das Weiterspielen verhindert. Bei meinem System waren die Texturen von Carnby fehlerhaft, so daß sein Gesicht irgendwie über seinen Oberkörper verteilt war, außerdem schmiß mich das Spiel ab und zu sang- und klanglos auf den Desktop. Ein Patch ist allerdings in Vorbereitung.
 
Insgesamt ist “Alone in the Dark – The New Nightmare” gerade durch den geschickten Einsatz der Dunkelheit ein recht gruseliger Beitrag zum Genre. Die Bugs und die im späteren Verlauf des Spiels abflauende Atmosphäre schmälern zwar den Gesamteindruck, aber dennoch ist es ein würdiger Nachfolger der ersten drei Teile. Wer gerne Angst im Dunkeln hat, sollte zugreifen.

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