Groovejet

Nach eingehender Beschäftigung mit den vorher auf dieser Seite erschienenen Artikeln ist mir aufgefallen, dass ein elementarer Teil meines Spielekonsums nicht einmal Erwähnung fand: Das Genre Musikspiele. Und nun, nachdem ich diesen Satz geschrieben habe, ist mir auch bewusst warum: Es ist mit meinen unterdurchschnittlichen Schreiberfähigkeiten schier unmöglich, den Spaß am Bongoklopfen (Donkey Konga (und nein, es sind trotz des Namens keine Congas. Congas sehen anders aus), Quasikaraoke singen (Singstar) oder virtuellem Dirigieren (Mad Maestro) begreiflich zu machen. Aber erstens bin ich da in der guten Gesellschaft vieler On- und Offlinejournalisten, die sich dabei auch in der Vergangenheit einen abgebrochen haben, zweitens hat SpielerZwei kürzlich auch seine Probleme mit dem Erklären gehabt, drittens hab ich schon viel zu lange nichts geschrieben und sollte mich von solchen Oberflächlichkeiten nicht abhalten lassen und viertens kann ich hier eh machen, was ich will.

Wenn man mal ganz genau ist, sind die meisten Musikspiele relativ simple Reaktionsspielchen: Nach vorgegebenen Mustern müssen gewisse Eingaben ..äähh, eingegeben werden, und weil ich nicht weiß, wie ich das vernünftig in einen Fließtext einbinden sollte (siehe oben), mache ich mal eine leicht verständliche Liste mit Namen des Spiels, Plattform, Eingabe, Hintergrundgedöns und Musikstil. Klar ist die Liste unvollständig, weil ich halt auch nicht mal eben alles auf dem Markt kaufen kann, um hier so ’nen ollen Artikel zu schreiben, den eh jeder für umme lesen kann, und außerdem fehlen Tanzmattentitel und Rez, weil das eher ein Railshooter ist.

Singstar (Singstar Party, Singstar – The Dome): PS2; Der Text der ca. soundsoviel Lieder pro Spiel muss mit den zwei beiliegenden Mikrophonen nachgesungen bzw. bei der neuesten Ausgabe teils auch nachgerapt werden (oder gerappt?), eine Ideallinie zeigt die richtige Tonhöhe und –länge an, der eigene Gesang wird ebenfalls grafisch angezeigt und sollte natürlich mit der Ideallinie konform gehen; im Hintergrund werden entweder die Originalvideos gezeigt oder wahlweise das eigene Wohnzimmer per Eyetoy; von Oldies über R’n’B bis Schlager und Pop gibt’s eigentlich für jeden was dabei, am besten erstmal die Trackliste auf der Rückseite vor dem Kauf begutachten, da gerade die The Dome-Edition Leute, die in den letzten zwei Jahren kein MTViva gesehen haben, größtenteils ratlos dastehen lässt (siehe SpielerEins). 1-8 Spieler an maximal 2 Mikros. Alle Songs von Anfang an verfügbar. Je Spiel 30 Songs.

Space Channel 5 Part 2: PS2; sechs mögliche Manöver (hoch, runter, links, rechts, Chu!, Hey!) werden in immer längeren Reihen vorgesagt, um dann möglichst perfekt (und natürlich im Rhythmus) auf dem Gamepad nachgespielt zu werden, eine Beispielline wäre „Up, Down, Up, Down, Up, Down, Chu Chu!“. Klingt albern, ist albern, aber auch kackenschwer; ihr betrachtet stets die reizende Ulala, ihres Zeichens Reporterin für den namensgebenden Weltraumkanal, wie sie mit ihren Tanzmoves das Universum rettet. Durch die Multitude an freispielbaren Kostümen, exzellenten Animationen sowie die durch befreite mittanzende Geiseln entstehenden Massenchoreographien ist SC5-2 trotz arg veralteter Grafik der Hingucker unten den vorgestellten Spielen. Oh ja, und es gibt einen Space Michael (nicht zu verwechseln mit Eventueller-Kindesmissbraucher-Michael, auch wenn sie gleich aussehen und klingen); Mehr auf Rhythmus als auf Musik angelegte eigenproduzierte Musik, aber angenehm. Eigentlich ein reines Singleplayerspiel, man kann die Moves jedoch auf zwei Pads aufteilen, was aber vermutlich mehr verwirrt als nützt. Alles außer dem ersten Level muss freigespielt werden. 6 Songs.

Donkey Konga (Donkey Konga 2): Gamecube; vier verschiedene Moves (linke Trommel, rechte Trommel, beide Trommeln gleichzeitig und Klatschen) müssen im Rhythmus der Musik vollführt werden: Von rechts kommen Fässer mit den entsprechenden Symbolen angerollt, sobald sie das Zielfeld durchrollen, sollte die entsprechende Aktion getätigt werden, was viel komplizierter klingt als es im Endeffekt ist. Abhängig vom Song und Schwierigkeitsgrad sehr einsteigerfreundlich oder kaum zu schaffen ohne vier Handflächen, und laut. Grafisch sehr belanglos, aber dem Drumherum kann man eh kaum Aufmerksamkeit schenken. Die Songauswahl besteht aus Videogametiteln, Klassik, Rock, Pop, Disco und Latin, der zweite Teil ist wegen spaßigerer Musik vorzuziehen, zumal Teil 1 ein ganz enormer Spaßfaktor für Musikspiele fehlt: Die Highscoreliste. Teil 2 hat Massen davon, für jeden Modus, für jeden Song, für jede Spieleranzahl eine. 1-4 Spieler an ebensovielen Bongos, in Teil 2 ist außerdem ein witziger Zweispielermodus an einer Bongo enthalten (einer bongot, einer klatscht, aber auf speziell darauf ausgerichteten Patterns). Alle Songs auf leicht und mittel von Anfang an verfügbar, schwere Songs müssen freigekauft werden, was aber nicht so wild ist. DK2: 331/2 Songs, DK: 31 Songs. Außerdem lernt man auch was dazu, zum Beispiel weiß ich nach intensiven Trommeln nun, dass Melendiz, der vor einem Auftritt bei “The Dome” mal als der deutsche Eminem angekündigt wurde, die Melodie seines “Hits” “Fuck you all, you stupid asses” von der Havanaise, einer Suite aus “Carmen” von Bizet geklaut hat. Und da sag noch mal wer, Videospiele machen doof.

Mad Maestro!: PS2; drei Manöver reichen in dieser Dirigentensimulation aus, und zwar leise, mittel und laut, die fieserweise nicht durch drei verschiedene Knöpfe getriggert werden, sondern durch das unterschiedlich starke Drücken einer Taste. Manchmal muss noch zusätzlich eine Richtung auf dem D-Pad gedrückt werden, aber das zähl ich mal nicht, weil das selten passiert. Ein leuchtender, sich rautenförmig oder im Dreieck bewegender Punkt markiert den Fortschritt, je nachdem, ob es sich um einen Dreiviertel- oder Vierviertel-Takt handelt, an den Ecken muss dann farblich markiert die entsprechende Lautstärke erzeugt werden; Im Hintergrund sieht man das Orchester oder tanzende Figuren, das Setting verändert sich, je nachdem, ob man gut oder schlecht spielt, in recht dramatischer Art und Weise; Klassik, Klassik und Klassik. Nur Klassik; Reines Solospiel. Nur ein Song anfangs auswählbar. Insgesamt ein Haufen, nie alle freigeschaltet.

Samba de Amigo!: Dreamcast; sechs Moves, zwei Maracas (Rasseln) müssen im richtigen Moment geschüttelt werden, entweder auf Schulter-, Hüft- oder Kniehöhe, rechts oder links. Das sieht nicht nur extrem dämlich aus, sondern ist auch arg schwer für Bewegungsgrobmotoriker und Rhythmusgestörte; der Hintergrund ist ähnlich gehalten wie Mad Maestro!, wilde Party bei guter Leistung, Trauer und Einsamkeit bei miserablem Ergebnis; Songauswahl instrumentgemäß sehr latinlastig, aber auch Pop und Ska findet sich; 2 Spieler an vier Maracas, aber viel Spaß, die aufzutreiben, aufgrund geringer Stückzahlen gibt’s die Dinger nur noch zu Höchstpreisen; einige Lieder von Anfang an freigeschaltet, andere nicht. Gut, keine sonderlich profunde Aussage, aber ich bin immer im dritten Level an „La Bamba“ gescheitert.

Frequency (Amplitude): PS2; drei Manöver, idealerweise auf drei der vier Schultertasten des Pads gelegt, unspektakulärerweise korrelierend zu links, rechts, Mitte. Mit dem D-Pad kann man in jedem Song die Spur wechseln (diverse Instrumente, FX oder Gesang), um dann die entsprechende Pattern nachzuspielen und so dem Grundtrack nach und nach die entsprechenden Spuren hinzuzufügen. Klingt doof? Das liegt an meiner mangelnden Kompetenz. Je 25 Tracks. Allerdings beim Ersten wesentlich schwerer erspielbar.

Parappa the Rapper 2 (PS2), Um Jammer Lammy (PS); je 7 Originalsongs, bei letzterem sehr abwechslungsreich von J-Pop über Metal bis Funk, bei ersterem halt Hip-Hop, aber immer krank. Im Prinzip haben beide Spiele das gleiche System, nur dass man bei Um Jammer Lammy anstatt zu rappen Gitarre spielt, was irgendwie aber vielfach schwerer ist. Bei beiden Spielen ist die Story und Grafik angenehm beknackt. Im Rhythmus müssen 6 der 8 Tasten des Playstationpads gedrückt werden, was zumindest den Vorteil hat, dass man nach vielen Fehlversuchen genau weiß, wo das Quadrat und wo der Kreis ist. Das Multiplayerspiel ist in beiden Spielen nicht soo der Bringer, und außerdem viel zu schwer für Erstspieler. Außerdem muss jeder Song erst freigespielt werden.

Hallo, noch jemand da? Das war tatsächlich lang und langweilig. Und damit genau die Antithese von Musikspielen, die eigentlich meist kurz und kurzweilig sind. Haha. Ähem. Also noch mal kurz zusammengefasst, für lustige Partyrunden sind die Spiele mit extra Controllern die definitiv beste Wahl. Was für ein Scheißschlusssatz!

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One response to “Groovejet

  1. ***Audiokommentar*** Gleich im ersten Absatz zuzugeben, dass das Folgende von minderer Qualität sein wird, war vielleicht doch nicht die beste Strategie, um Leser zu gewinnen. Fünf Jahre später lässt mich der Text selbst etwas ratlos zurück – wollte ich vielleicht mit dieser Informationsflut ohne inneren Zusammenhang, vom gemeinsamen Genre mal abgesehen, den vorherigen Desinformations-Text wiedergutmachen? Gab es 2005 noch kein Wikipedia, wo sich jeder Interessierte selbst über die Spiele hätte schlau lesen können? Am meisten schockiert mich die Auflistung der Songanzahlen, das hat sowas von CBS-Tabelle.

    Sign o’ the Times: Wer ist Melendiz?

    Der erste Text, bei dem ich die “Songname, der im weitestgehenden Sinne etwas mit dem Inhalt zu tun hat”-Betitelmethode anwandte.

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