Pling Pling

Hip Hop. Hip-Hop. Hiphop. Für manche nur eine kreative deskriptive Bezeichnung für Beischlaf (vergl. Rock’n’Roll), für andere lediglich das Endwort des Satzes “Ich hör alles außer”, und für einen ganzen Haufen ihr Leben, Digger. Aber Hiphop ist auch ein äußerst lukratives Geschäft, an dem sich nach der Musik-, Kleidungs-, Schuh- und Filmindustrie auch die Spieleindustrie mehr und mehr beteiligen möchte. 25 to Life, Def Jam Vendetta, GTA San Andreas, Marc Ecko’s Getting Up: Contents Under Pressure, Get on da Mic, 187 – Ride or Die oder 50 Cent: Bulletproof, um nur einige zu nennen, basieren alle mehr oder weniger auf der Hiphop-Kultur, auch wenn sie sich von der Qualität und dem Genre unterscheiden. Gerade 50 Cent, der grundsympathische Bollerkopp aus Queens (HE WAS SHOT NINE TIMES!), der in MTV-Specials gerne als wichtigster Rapper bezeichnet wird, ist äußerst bestrebt, auf dem Spielemarkt Fuß zu fassen, was ja bisher noch nicht so richtig geklappt hat. Als überzeugter Freund von schmerzloser Gewalt verstehe ich natürlich, warum sein neuestes Spiel mit der Anzahl und Brutalität der Finishing Moves beworben wird, doch bin ich der Überzeugung, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, neue Kunden zu werben. Anstatt all seine Bemühungen auf die Spieler zu fokussieren, die eh schon Fans sind, sollte er durch einen einfachen Trick versuchen, neue Kundschaft zu finden. Die Lösung heißt Genrewechsel.

Ich stelle mir da ein Echtzeitstrategiespiel vor, welches in einer Parallelwelt spielt, in der die Streitigkeiten zwischen East Coast und West Coast nie abklangen und schließlich in einem blutigen Krieg mündeten. Mit dem Emporkömmling Dirty South als traditionelle dritte Streitmacht wird nun der nordamerikanische Kontinent hart umkämpft, Bundesstaat für Bundesstaat, Hood für Hood. Was bei Dune 2 gut war, kann heute nicht schlecht sein, demzufolge hat der Spieler die Möglichkeit, das nächste Schlachtfeld zu bestimmen. Mit dem Bau von Jugendzentren, Plattenfirmen und Ghettoblocks werden neue Einheiten angelockt, Tuningshops sorgen für die fahrbaren Untersätze, Waffenshops und Juweliere vervollständigen die Grundgebäude. Letztere bieten den eigenen Truppen nicht nur bessere Panzerung (durch zwanzig Goldketten schießt man halt nicht so leicht durch), sondern erhöhen auch deren Respektrang, was ihnen erlaubt, äh, ääh, naja, Hauptsache das Grundkonzept steht. In der Hauptkampagne spielt man natürlich 50 Cent mit der East Coast, und im Laufe der Missionen stellt sich heraus, dass die West Coast Tupacs Gehirn in einen Riesenroboter gepflanzt hat, und am Ende kommt es schließlich zum alles entscheidenden Kampf. Natürlich gibt es wie spätestens seit Warcraft 3 üblich auch Helden mit speziellen Fähigkeiten, als Beispiel seien Xzibit (steigert die Werte aller Fahrzeuge), P. Diddy (erhöht das Budget) und natürlich Fiddy (die ersten neun Treffer schaden ihm nicht) genannt.

Oder wie wäre es mit einem Funracer für die Kleinen, damit sie im zarten Alter von vier Jahren schon die hauptsächlichen Unterschiede zwischen 12 gauge Shotguns und 22 inch Rims begreifen können? Als lustige Cartoonfiguren liefern sich die fröhlichen Rapper spannende Rennen in Szenarien voller Ghettoromantik, wobei aber nichtsdestotrotz absolute Realitätsnähe in Sachen Autos, Waffen und Kleidungsmarken gewährleistet ist.

Große Erfolge konnten Bioware mit ihren Rollenspielen ja immer einfahren, aber wäre nicht eine Kooperation mit 50 Cent eine lohnende Angelegenheit für beide Seiten? In einem völlig neuen, unverbrauchten Szenario eine spannende, einzigartige Geschichte erzählen können andere ja gern machen. Die Geschichte eines amnesiebefallenen muskelbepackten Gangstas, der sich in einem Konflikt gigantischen Ausmaßes wiederfindet und mit seinen treuen Gefährten durch das New York der Neunziger zieht, um das Böse in Echtzeit mit Pausefunktion zu bekämpfen, nur um gen Ende herauszufinden, dass er der Schlüssel zum Ganzen ist und nur er im finalen Battle dem Obermotz das Wasser reichen kann, verkauft sich nämlich bestimmt besser. Mit einem Titel wie “Bioware’s No, honestly, you’re not playing 50 Cent in this one *wink*: G Unit Edition” sollte nicht nur ein Haufen Geld zu machen sein, nein, vielleicht könnte man die ganzen Rollenspielnerds damit endlich auch mal dazu bringen, sich was Anständiges anzuziehen.

Oha, wenn man nur einmal anfängt nachzudenken, hören die guten Ideen ja gar nicht mehr auf zu sprudeln. 50 Cent’s Hip Hop Battle-Text Adventure!

Bühne
Du stehst auf der Bühne in der ersten Runde des hiesigen Battles. Dein Gegner, G-Paul, spuckt einen Sechzehnzeiler über die sexuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten deiner Mutter. Vor dir siehst du die Menge, hinter dir steht ein DJ-Pult mitsamt DJ.

>i
Du trägst bei dir: Ein Mike (in der Hand), ein Jersey (am Körper), eine 38er (im Gürtel).

G-Paul beendet seine 16 mit einem Hinweis auf deine Insuffizienz im Bereich der Fähigkeit zur Vermehrung. Die Menge ist begeistert.

>Rede mit DJ
Der DJ ignoriert dich, ganz in seine Aufgabe vertieft.

G-Paul schaut dich erwartungsvoll an.

>sieh Zuschauer
Ich verstehe “Zuschauer” nicht.

Die Menge wird langsam unruhig, erste Buhrufe sind zu hören.

>Benutze Mikrophon
Was willst du mit dem Mikrophon tun?

Die Menge fängt lauthals an zu buhen, erste Gegenstände fliegen auf die Bühne.

>n
Dahin kannst du nicht gehen.

Eine aus der Menge geworfene Flasche trifft dich am Schädel und zerstört sowohl deinen Traum von einer erfolgreichen Karriere als auch deinen Hypothalamus.

ENDE

Du hast in 24 Zügen 12 von 876 möglichen Punkten erreicht. Neustart/Laden/Ende?

So oder ähnlich.

Was für Genres gibt es denn noch? 50 Cent’s Nine Bullets, ein Casual-Knobel-Geschicklichkeitsspiel, in dem man Fiddys Innereien in einem Cartoonquerschnitt seines Körpers so platziert, dass die neun Kugeln pro Level ihnen keinen Schaden zufügen.
50 Cent’s Animal Crossing, wo… ach nee. Gedichte schreiben, möglichst viel Geld machen, seine Bude schick einrichten und Kleidung designen kann man ja schon im normalen Spiel. Hmm… aber in Fiddys Version gibt es Schmuck!

Fifty Cent’s Hip Hop Tycoon, in dem Sie ein Imperium bestehend aus Plattenfirma, Schuh- und Kleidungsdesign aufbauen. Heuern Sie Ghostwriter und Marketingexperten an, um Ihren Traum vom Platz Eins der Billboard-Charts wahr werden zu lassen! Wählen Sie aus einem umfangreichen Verzeichnis internationaler Rapper, um Ihre Traumposse zu erstellen! Vergleichen Sie Tabellen und Diagramme der Plattenverkäufe und generellen Medienpräsenz Ihrer Konkurrenten, um einen lohnenden Beef zu starten! Mit Szenarien in Deutschland und den USA! Kümmern Sie sich um junge Talente und Interviewtermine! Wow!

Durch 50 Cents Beteiligung könnten die oben genannten Genres Spielern nahegebracht werden, die diese sonst vielleicht nie kennengelernt hätten. Andersrum gibt es Freunden der Genres die Möglichkeit, mit einem der erfolgreichsten jungen Hiphopper und seinem Leben vertraut zu werden (HE WAS SHOT NINE TIMES!). Fiddys Popularität könnte Schranken zerbrechen und Brücken bauen, und zwar- und das, meine lieben Freunde, ist das Schöne – in den Köpfen der Menschen. Für eine bessere Welt.

P.S. Wie hieß 50 Cent vor 2001?
Mark. Hahaha, den hab ich mir selbst ausgedacht!

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One response to “Pling Pling

  1. ***Audiokommentar*** Was hatte ich einen Spaß mit diesem Artikel. So sehr ich die ganze Chose auch durch den Kakao zog, finde ich die Idee, Genrespiele in untypische Settings zu verfrachten, immer noch spannend. Nicht umsonst liegt keine 50 cm mehr von mir entfernt Another War, ein Adventure/Rollenspiel-Hybride im zweiten Weltkrieg (irgendwann spiel ich den auch) , sowie die beiden Freedom Forces, Superheldenechtzeittaktikhämmer (und das eine sogar auch in WWII!).
    Womöglich der letzte Text, der nach einem Song benannt wurde. Und wieder nur so mittelpassend.

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