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Faulty Fantasy 2

Schwärze und Kristall beherrschten den Thronsaal des Imperators der Unterwelt; ferne Sternenlichter zeugten von der Reichweite seiner Macht, und der aufs Penibelste polierte Kristall von seiner Pingeligkeit. Der Plan hatte funktioniert – durch seinen Tod war er noch viel mächtiger, der infernalischen Allmacht viel näher gekommen. In diesem Moment waren die Heerscharen seiner Diener in der ganzen Welt am Töten, Brandschatzen und Zerstören, und die Seelen ihrer Opfer erwartete die ewige Sklaverei unter des Imperators Hand. Bald schon würde jegliches Leben auf dem Planeten ausgelöscht sein, und wer hatte schon die Macht, ihn aufzuhalten?

Die Luft schien sich in einem Punkt des Thronsaals zu verdicken, gar zu entzünden, als eine weiße Kugel blendender Energie urplötzlich den Raum erhellte. Eine Sekunde später waren es wieder nur die entfernten sternenähnlichen Lichter, die den Raum erhellten, doch fiel ihr Licht nun nicht mehr ausschließlich auf die mächtigen Säulen, den Thron und den Imperator selbst; vier Menschen hatten dort Gestalt angenommen, wo noch eben das runde Leuchten zu sehen war. Ein schlanker, mit zwei Dolchen bewaffneter Jüngling; eine Frau, kaum älter als er, mit Speer und Stab, ein grobschlächtiger, etwas tumber Kerl, der zwei Äxte auf den Schultern trug, und schließlich ein düster dreinblickender Mann in schwarzer Rüstung. “Woohoo! Endgegner!” rief Gus, denn das war der Name des Axtkämpfers, “Hat ja auch gedauert!” Mutig schritten die Vier Richtung Thron, als sich plötzlich ein gewaltiger grüner Drache aus den dunklen Tiefen des Saals auf sie stürzte. “Rraarrr!” machte der Drache. “Snickersnack” machten die Waffen, und wenige Momente später war von dem Lindwurm nicht mehr übrig als sein Gil. Sich selber gratulierend ob des schnellen Sieges, schritten sie weiter zum Thron, um dem Imperator Aug in Aug gegenüberzustehen. “Deine Schreckensherrschaft ist vorbei!” rief Firion, der Anführer der Truppe und obig Erstgenannter, dem Imperator zu. “He he he”, lachte der Imperator sich ins Fäustchen, “Euch mach ich platt gleich!” Doch laut sprach er: “Ihr! Wie habt ihr es geschafft, den ganzen Weg durchs Pandemonium zu mir zu finden? Ich werde euch wahre Furcht lehren…”

Na und so weiter halt. Gus blickte Firion, Maria und Leon an, hauptsächlich, damit der Autor die Namen der Charaktere aus dem Weg hat, und flüsterte: “War das nicht der Kerl, den wir in seiner lebenden sowie Geisterform immer in spätestens drei Runden platt hatten?” Die anderen sahen sich mitleidig an: Gus redete wirr, seit er als Kind auf den Kopf gefallen war. Seitdem redete er von abstrakten Begriffen wie Runden, Hit Points und Grind; zudem ließ er jegliche Empathie für alle Wesen ausserhalb ihrer kleiner Truppe vermissen und nannte sie verächtlich Enpiesiehs. Firion antwortete: “Wahrlich, edler Mitstreiter, des Imperators fleischliche Hülle fiel in einem schweren Kampf, doch was nun vor uns sitzt, ist das personifizierte Böse. Doch vernichten wir es, ist die Welt gerettet und das Opfer unserer verstorbenen Mitstreiter gerächt!” Der Imperator begriff nun, dass ihm schon seit geraumer Zeit niemand mehr zuhörte, und ging zum Angriff über. Man hat ja als allmächtiger Herrscher einen engen Zeitplan.

Ein epischer Kampf begann. Firion stieß zehnmal jeden seiner Dolche in des Imperators Körper, und Maria tat es ihm nach. Der Imperator nutzte seine teuflischen magischen Kräfte, und alle vier Helden wurden dadurch verletzt. Dann lief Leon zu ihm, schlug ihn zwanzigmal, und Gus auch (Also… verstehst schon). Und dann alles nochmal. Und nochmal. Doch dann packte der Imperator, der, wie man ruhig mal vorher hätte erwähnen können, etwa 10 Meter groß war, Leon, seinen ehemaligen Ritter, der gleichzeitig Marias Bruder ist, aber das würde jetzt zu weit führen, wir sind ja gerade mitten in einer actiongeladenen Kampfszene, die man nicht mit Hintergrundgeschichte totlabern sollte, und riss ihn entzwei, mit Rüstung und allem. Das war zumindest, was Firion und Maria sahen und Leon spürte; für Gus jedoch hatten Gegner keine Angriffsanimation außer einem weißen Aufblitzen, und so war er auch der einzige, der nicht zu angeekelt war um zu erkennen, dass… “Alter, der Penner hat sich gerade 3000 Hapees geheilt! Das ist viel mehr, als wir ihm überhaupt Dämetsch gemacht haben bisher!” “Ja, es scheint, dass sich seine Wunden geschlossen haben, die paar, die unsere Waffen überhaupt geschlagen haben”, entgegnete Firion, der inzwischen ziemlich gut darin war, Gus zu verstehen, “Aber was sollen wir tun? Unsere Zauber zeigen genausowenig Wirkung wie unsere Waffen!” Wieder und wieder schlugen sie auf den Imperator ein, doch stets schlug er alle paar Mal zu anstatt zu zaubern, sich jedesmal dadurch wieder komplett heilend.

Leon hatte inzwischen sämtliche Extremitäten mehrmals verloren und wünschte sich bitterlich, dass seinen Mitstreitern endlich die Wiederbelebungszauber ausgehen mögen. Schließlich fiel auch Gus unter der Gewalt des Imperators, Maria folgte ihm bald ins Reich der Toten. Und auch Firion konnte den Angriffen seines Widersachers nicht mehr lange standhalten. Ihn mit seinen gigantischen Pranken zu Boden drückend höhnte der Imperator: “Dafür seid ihr wochenlang durch die Welt gereist? Was habt ihr erreicht, Menschlein? Lediglich die Gnade eines frühen Todes!” Und noch ehe Firion einen catchy Oneliner erwidern konnte, zerquetschte ihn der Imperator zu Pampe.

Dies alles passierte noch einmal. Und dann ein weiteres Mal. Der Imperator klagte bei seinem Hofpsychologen über Deja Vus, doch auch dieser kannte keine Abhilfe. Klar, beim dritten Mal war vielleicht die Ausrüstung der Helden ein wenig besser und die Todesreihenfolge unterschiedlich, aber das Endergebnis blieb unverändert.

Als die tapferen Recken zum vierten Mal den Thronsaal beteleportierten, sagte Gus: “Ähm, sollten wir nicht vielleicht eine andere Taktik probieren?” “Unsinn” rief Firion. “Wir haben alle anderen Gegner auch durch duale Dekattacken besiegt, was sollten wir also besser tun?” “Nun, wir könnten vielleicht anstatt einer nach dem anderen vielleicht mal alle gleichzeitig auf ihn einschlagen, vielleicht auch ohne Pausen.” Firion grinste abschätzig. “Na klar, mal eben alle althergebrachten Regeln ignorieren, nur weil man einen Zerstörer allen Lebens nicht besiegen kann. Wenn wir den anderen nicht mehr die Möglichkeit zum Angriff lassen, dann machen die das vielleicht mit uns genauso. Und dann? Willst du in einer Welt leben, wo dir dein Gegner nicht die Chance lässt, darüber nachzusinnen, ob jetzt Schlag oder Magie, Flucht oder gar die Benutzung eines Gegenstandes die optimale Vorgehensweise wäre?” Alle lachten. Aber auch Firion war ob der vorherigen, äußerst schmerzlichen Niederlagen etwas ins Zweifeln gekommen. Doch plötzlich hatte er einen Geistesblitz…

Der Imperator drehte Däumchen, während er beobachtete, wie die vier Gestalten am Ende seiner Halle flüsterten und Gegenstände austauschten. Froh über jede Abwechslung sah er, dass Firion nun nurmehr einen Dolch hielt, in der anderen Hand ein Schild tragend. Nachdem sie die üblichen Floskeln ausgetauscht hatten, machte er sich zum Kampf bereit, doch musste zu seinem Erstaunen festellen, dass Maria, Gus und Leon einen Meter hinter Firion standen. “Welch teuflisch Plan ist dies?” rief er, während Firion seinen Dolch in ihn piekte und die anderen ihn mit Zaubern bewarfen, die noch nicht einmal als störend empfunden, geschweige denn verletzend waren, “Ich kann die hinteren drei nicht im Nahkampf treffen, sie stehen einen Meter zu weit entfernt!” Und so war es. “Dann muss Firion eben zuerst sterben!”, schrie der Imperator. Doch bevor er noch zum Schlag ausholen konnte, zauberte Gus, der ja eh nicht so helle war und dadurch auch nur über mittelprächtige Zauberfähigkeiten verfügte, einen Blinkzauber der ersten Stufe auf Firion, welcher es erschwert (allerdings nicht doll auf Stufe 1), das Ziel zu treffen. “Aarr, diese Magie wird euch nicht helfen!”, brüllte der Imperator. “Seht, wie ich ihn schlage – Nein, daneben! Schon wieder! Harr, ich zauber euch tot – Mist, das macht ja wenig Schaden, den ihr sofort heilt! Hurr, nehmt das, ein Bannzauber, der alle Magie, die auf euch liegt, vernichtet! Ooh, der Zauber hat keine Auswirkung auf Firion? Ach, wäre ich doch schlau genug, den Zauber nicht auf alle, sondern nur auf dich zu sprechen, du fieser..AU! Hör auf mit deinem Dolch! Na warte, nimm das… MAANN! Schon wieder daneben?” Und so starb der Imperator, nach vielen vielen Dolchstichen, ohne Firion auch nur einmal getroffen zu haben. ENDE

Mal ehrlich, nach 33 Stunden Lektüre so ein beknacktes Finale? Final Fantasy 2 ist echt ein doofes Buch.

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