Warum ich dieses Jahr so wenig geschrieben habe

Es tut mir leid, liebe Leser. Ich habe Euch enttäuscht. Habe ich in den vorherigen Jahren zumindest fast die interne Vorgabe von einem Artikel im Monat eingehalten, so war 2007 doch eher ein Trauerspiel, was neue Beiträge anging. Rückblickend bot ich Euch in diesen 12 Monaten einmal Zeldafanboytum, zwei Fortsetzungen, ein Remake, zweimal Verarsche und einmal verfehltes Thema. Das ist nicht viel und stimmt mich ja auch traurig, jedoch möchte ich Euch nicht ins neue Jahr entlassen, ohne zumindest zu versuchen, meine Ehre als heiße Nerdscheiße irgendwie zu retten. Es gab nämlich ganz profunde Gründe, wieso es mir eigentlich fast unmöglich war, mehr rauszurotzen, als ich es schlussendlich tat. Fünf davon werden in den folgenden Zeilen aufgezeichnet.

1. All I really want to do, oder: Ich hab zuviel gespielt

Dieser Punkt sollte eigentlich von vornherein bekannt sein, schließlich heißt diese feine Seite ja auch spielerdrei.de und nicht etwa schreiberdrei.de. Nun ist das ja nicht erst seit diesem Jahr so, aber vermutlich konnte ich mich vorher einfach besser loseisen von den diversen Konsolen, die ich mein eigen nennen darf. Rückblickend betrachtet scheine ich von einem Zeitfresser in den nächsten gestolpert zu sein, nur selten unterbrochen von der gemeinen Spieleunlust, die mit dem kurzen Infragestellen allen Seins Hand in Hand geht, welches mich manchmal befällt. Rekonstruktion ist schwierig, aber es begann mit Twilight Princess, welches direkt zu Okami führte, dann ließ mich God Hand nicht los, bis dessen geballte Action mich unglückseligerweise in die hektikfreie, aber äußerst zeitaufwendige Aufgabe trieb, doch nochmal alle Suikodenteile in meinem Besitz (1,2,5) mit allen Leuten durchzuspielen, was frustrierenderweise nach gut 100 Stunden oder so mit nur einem Erfolg gesegnet war, trotz ansonsten immer verschmähter Walkthroughs. Tjo, dann die Onimushas, Picross DS, alldieweil ständig diverse Guitar Heroes, Fable, seit einiger Zeit auch wieder diverse kleine PC-Spiele, die insofern besonders bösartig sind, weil sie den Schritt zwischen Textverarbeitung und süßer Spieltriebbefriedigung besonders kurz halten, und so gesehen weiß ich nicht einmal, wie ich überhaupt irgendetwas schreiben konnte dieses Jahr. Denn, wie dieser Text schon andeutete:

2. A fool such as I, oder: Ich lass mich zu schnell ablenken

Hahaha, schriebs und ging erst mal in die Küche, dort ankommend völlig unwissend, was der Grund für den Ortswechsel war. Egal, jedenfalls ist dies auch ein ganz entscheidender Faktor, warum ich Euch so selten mit zarten Texten verwöhnte. Ich habe nicht genug Finger, um zu zählen, wie oft ich mich euphorisch an den Rechner schwang, mit einer cleveren Idee im Hinterkopf und dem Wunsch, diese mit Euch zu teilen, vorher noch schnell in ein Forum reinschaute, wenn der PC schon mal an war, und vier Stunden später frustriert in die Heia ging, ohne auch nur ein Wort niedergetippt zu haben. Man sollte glauben, dass ich vielleicht aus meinen Fehlern lernen würde, aber ach, das hoffe ich selber schon so lange. Die Größe des Internets und der geringe Preis von Flatrates machten mir mehr Striche durch Rechnungen als diverse Stift-Lineal-Kombinationen im Matheunterricht. Aber ich vermute, mit diesem Punkt langjährigen Lesern nichts Neues zu erzählen, ist es doch sicherlich schon oft aufgefallen, dass ein eigentlich angesteuertes Argument in einem Absatz wieder und wieder nicht erreicht wurde, weil der gute Autor stets auf dem Weg von A nach B mal eben die Gegend betrachtete, die ihn auf F brachte, und bevor er sich versah, war er bei M und wusste nicht mehr, wie er den Absatz, den ursprünglichen Gedanken oder das zu erwartende Argument noch schlüssig verbinden könnte. Ein guter Autor würde dann alles löschen und von vorne anfangen, aber ich bin insgeheim immer so froh über jedes Wort, das die hässlichen weißen Flecken auf meinem Bildschirm füllt, dass es mir eine fast körperliche Pein bereitet, bereits Niedergeschriebenes wieder zu löschen. Das ist der geheime Grund für den ganzen Nonsens, den Ihr, liebe Leser, stets durchkämpfen müsst, um zu den lesbareren und nachvollziehbareren Abschnitten zu gelangen. Das ist kein Stilmittel, das ist keine postmoderner Literaturansatz, das ist lediglich die Ermangelung eines fähigen Lektors. Es tut mir leid.

3. The times, they are a’changin, oder: Ich habe mich zu doll verändert

Nun, vielleicht nicht ich so als Mensch, aber die Lebendbedingungen sicherlich. Das ist nun nicht sonderlich interessant, weil ich auch nun noch unser kleines Spiel mit der bzw. ohne die Identität für lobenswert halte und somit auch in diesem Absatz nichts veröffentlichen werde, was in einer etwaigen Parallelwelt, in der ich eine große Echtweltpersönlichkeit bin, auf englischsprachigen Boulevardmagazinen die Worte “SpielerDrei Reveals All!” rechtfertigen würde. Aber die Arbeitszeit (Ja, Skandal: In echt kriege ich das hier nicht bezahlt) wuchs in diesem Jahr antiproportional zum Gehalt, was ja ganz gut war, da ich so wenigstens weniger Geld hatte, um Spiele zu kaufen, die ich in der geschrumpften Freizeit eh nicht hätte spielen können; eine kreative Tätigkeit mit sieben Buchstaben nahm ihr Ende, und das führte, mich völlig überraschend, nicht dazu, dass mehr kreative Flüssigkeiten, wie der Amerikaner sagt, für diese schöne Seite überblieben, sondern ganz im Gegensatz zu einer generellen Vertumbung, deren Folgen noch nicht abzusehen sind. Aber, ich will nicht klagen (was natürlich eine Lüge ist, aber ich möchte nicht weinerlich erscheinen, oder zumindest nicht weinerlicher, als ich eh schon wirke), hat sich doch auf der Habenseite ein Kater manifestiert, der mir viel Freude und mannigfaltige Verletzungen bescherte, aber natürlich auch sein Scherflein dazu beitrug, einfach mal nix zu schreiben, sondern stattdessen lieber den Abend mit kosen und gebissen werden zu verbringen. Tatsächlich hatte ich zeitweise die fixe Idee, einen Artikel über das Chicken-Spiel, welches der Kater und ich zeitweise allabendlich spielten, zu schreiben, da es insofern bemerkenswert ist, dass jedes mögliche Ende mich in der Rolle des Verlierers sieht (der Kater weicht NIE aus), aber dennoch Freude aufkam. Gibt es, hätte ich rhetorisch in dem nie auch nur auf einen getippten Satz angewachsenen Text gefragt, auch Computer- respektive Videospiele, in denen das eigene Scheitern von vornherein bestimmt ist und auch die Zeit bis zum eventuellen Ende keine Rolle spielt, der Spaß am Spiel also in der reinen Tätigkeit und nicht im Erfüllen von Siegbedingungen zu finden ist? Hab mich dann aber dagegen entschieden, weil ich mein Image des harten Gamers nicht verlieren wollte und mich bei Fragen aus dem Bereich der Ludologie immer etwas unterinformiert fühle.

4. You ain’t goin’ nowhere, oder: Ich bringe zu selten etwas zu Ende

All die oben angegebenen Gründe haben mich nicht davon abgehalten, dann und wann doch Ideen zu kriegen, die ich zu dem Zeitpunkt als pfiffig empfand, und diese dann zu Pap… Editor zu bringen. Ich schreib dann ein bisschen, mach dann nach unter 60% der angestrebten Artikellänge den Rechner aus und lege mich schlafen/spiel noch ein wenig/futter was. Und dann passiert eines der folgenden drei Dinge:
a.) Ich vergesse komplett, dass ich diesen Text je angefangen habe, zu schreiben, und finde ihn erst wieder, wenn er komplett unaktuell ist und/oder ich nicht mehr genau weiß, was ich eigentlich damit ausdrücken wollte. Lacht nicht, Aktualität ist auch mir manchmal wichtig. Echt!
b.) Ich erkenne beim erneuten Lesen, dass die Idee supermiserabel, die Argumentation schief bis nicht vorhanden oder der Gedanke nicht ausreichend für einen ganzen Artikel ist.
c.) Ich nehme mir immer vor, den Artikel fertigzuschreiben, komme aber nicht dazu, weil mir immer noch “tollere” Artikel dazwischenkommen.
d.) Ein Autor eines anderen Spieleblogs schreibt über das gleiche oder ein ähnliches Thema und ich trau mich nicht mehr, weil ich den direkten Vergleich scheue und Angst davor habe, Nachahmer oder Copycat genannt zu werden.

Beispiele? In einer besseren Welt könnte man hier auf SpielerDrei.de Artikel über Kriegspiele, Horrorspiele, Poker als MMORPG, Palettennutzungsmöglichkeiten in FPSs, Ys, Fire Emblems Support Conversations, Munchkin, eine Herzblattsendung mit drei Protagonisten aus Mercenaries, Jade Empire und Cold Fear, Shadow of Rome, Shadow of the Colossus, Immersion, Euch, 25 oder so Ratschläge an Spielentwickler, nie erschienene Spiele, ein Theaterstück über Goblins, ein Theaterstück über die Metaebene, ein von mir und SpielerEins auf der Rückfahrt von der ersten Games Convention ersonnenes Spiel, The Baron, Affenspiele, alternative Steuerungsmöglichkeiten, Spiele von Zoo Digital Publishing, LOTR:T3A, Dreamweb, ein weiteres Quiz sowie noch einen lesen, und das sind nur die, die ich tatsächlich angefangen habe. Gut, bei vielen davon war es der Gesamtqualität der Seite zuträglich, dass sie nie veröffentlicht wurden, aber dennoch sitze ich hier nach dieser Auflistung nun mit einem umgedrehten Smilie im Gesicht. Naja, es ist ja noch nicht vorbei. Ich bin ja noch jung. Ähem.

5. It ain’t me babe, oder: Ich hab zu viele gute Autoren gelesen

Ich hoffe, dieser Seelenstriptease ist euch genauso unangenehm wie mir, von wegen geteiltes Leid und so, aber, falls es in meinem bisherigen Opus noch nicht deutlich genug wurde: Ich habe etwas Probleme mit der Schätzung meiner Selbst, und, daraus sich ergebend, mit dem, was ich hier veröffentliche (diesen Moment würde ich gerne nutzen und Euch allen da draußen danken, dass ihr so selten Negatives in den Kommentaren geschrieben habt. Entweder das, oder die anderen Spieler haben aus Rücksicht auf mein fragiles Ego schon seit langer Zeit jedwede Kommentarfunktion auf meiner Seite gesperrt und nur selber ab und zu diverse Lobhudeleien unter falschen Namen gepostet. Dafür tät ich ebenfalls danken). Dementsprechend fällt es mir ungleich schwerer, etwas zu schreiben, wenn ich zu dem Thema bereits jemand anderen gelesen habe, den ich schätze. Und da ich unglaublich leicht zu begeistern bin und viel zu viel Zeit im Internet damit verbringe, Texte über Spiele zu lesen, ergibt das einen Teufelskreis des Todes. Es fällt mir schwer zu akzeptieren, warum jemand meinen Krams lesen sollte, wenn es doch ungleich talentiertere Menschen da draußen gibt, die auch schreiben. Ich nenne keine Namen, weil ihr mir sonst abwandert und nur noch die lest. Gibt’s nicht.

6. When I paint my masterpiece, oder: Mir fällt das Schreiben zu schwer

Jaa, ein sechster Punkt, na und? Dieser Punkt kam einst zur Sprache, als mich SpielerZwei in seiner gewohnt charmanten Art über ein zweites Sektfrühstück mit Toast und Limetten fragte, wieso ich mich nicht einfach mal gefälligst hinsetze und einen Text raushaue, er müsse sich zwar auch dazu zwingen, aber das wären wir Euch, lieben Lesern, halt schuldig. Mit einem Brioche in der Hand wild gestikulierend antwortete ich ihm mit halbvollen Mund: “Das ist nicht so einfach für mich, unter Zwang kann ich nicht schreiben”, wobei Krümel von mir unbeachtet aus meinem Mund über den halben Tisch schossen. Das klingt jetzt vielleicht etwas weit hergeholt, weil ich ja hier keine Gedichte aus meiner gequälten Poetenseele quetsche oder weltverändernde Philosophiewerke erschaffe, aber es ist trotzdem wahr. Es mag oft nicht so aussehen, aber ich habe mir doch bei jedem der hier auf der Seite zu findenden Texte etwas mehr gedacht, als es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein hat. Klar, ich bin hier der Seitenclown, der Mumpitz und Narretei verbreitet, aber unter dem ganzen albernen Getue und schlechten Vergleichen versteckt sich (jawohl!) immer noch ein tieferer Sinn. Echt! Das mag lächerlich klingen, aber für mich ist jedwedes Schreiben ein kreativer Vorgang, und ich kann und muss mich gottseisgedankt nicht an irgendwelche Richtlinien oder Bausteinreviewformate halten, die das Schreiben simplifizieren. Wie, muss ich doch? Sonst werde ich ausgewechselt? Hilfäää! Heavy Metal will never die!

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4 responses to “Warum ich dieses Jahr so wenig geschrieben habe

  1. ***Audiokommentar*** Huuh, Befindlichkeitsfixierung. Schon für mich schwer zu lesen heute. Die englischen Subunterschriften sind alles Songtitel von Bob Dylan, die ich allesamt aus Wikipedia zog, weil ich zu dem nie einen Bezug hatte. Keine Idee mehr, wie ich auf die entsprechende Idee gekommen bin.
    Der zweite Text, zu dem ich je eine Lesermail bekam. Der Leser namens Daniel (nein, nicht der von Polyneux) machte sich Sorgen um mein Wohlbefinden. Danke dafür, Daniel. Aber mir gings und gehts gut.
    Von den genannten nichtgeschriebenen Artikeln findet sich zumindest ein Bruchstück eines davon in den Deleted Scenes zu “Tagebuch”, ansonsten habe ich die Idee, irgendeinen Text davon noch je zu veröffentlichen, verworfen. Bis auf den ungenannten (“und noch einen”), der soll tatsächlich noch kommen und blieb unbenannt, weil ich die Idee so gut fand. Wird aber am Ende bestimmt auch wieder nur ne Auflistung.
    Unter anderen Umständen hätte ich mir den Krams vielleicht auch eher in mein Tagebuch geschmiert, aber ich brauchte ja dringend einen dritten Text, siehe “Warum ich drei Texte schrieb”.
    Inzwischen halte ich “unser kleines Spiel mit der bzw. ohne die Identität”, wie ich es damals nannte, nicht mehr für so lobenswert, insofern:
    Hallo, ich heiße Hendrik, bin 31, wohne in Wien und schreibe weiterhin unter SpielerDrei, damit mich keiner mit dem Antigamesgründer verwechselt.

  2. Hallo Hendrik, 31, aus Wien,

    woher kommt dieser Sinneswandel, die geheime Identität von Spielerdrei so knallhart aufzulösen? Da warst du “früher” doch sehr zurückhaltend mit.

    Übrigens wunderbare Idee mit den Audiokommentaren. Interessiert zwar wahrscheinlich nur 13 Leute, aber die finden es geil.

    Grüße,
    Daniel aka Rhodok (der von Polyneux und nicht der mit der Mail)

    PS: Dafür, dass du es nicht so mit schickem Design hast, passt hier doch einiges gut zusammen.

  3. Ihr Vornamensblogger seid schuld daran, dass ich mir irgendwann mit Alias komisch vorkam. Außerdem: Ursprünglich waren die VierSpieleridentitäten ja gedacht, um eben die Person hinter dem Text nicht in den Vordergrund zu rücken – das Geschriebene sollte wichtiger sein als der Autor. Aber dadurch, dass gerade ich immer so ein Bohei um meine “Geheimidentität” gemacht habe, nahm SpielerDrei so eine Eigenidentität an, ich versuchte rigoros Privatidentität und Spieleidentität zu trennen – und da hab ich einfach keinen Bock mehr drauf.

    P.S. Dankeschön fürs P.S. Man tut, was man kann.

  4. Wobei ich sagen muss, dass die Vornamensbloggerei langsam zu einem Schuss ins eigene Bein wird. Man kann damit keine Identität über mehrere Seiten hinaus aufbauen. Schreibt man mit seinem Vornamen Kommentare bei anderen Blogs kommen den wenigsten Leute darauf, wer man ist und die Gefahr dass viele Leute plötzlich Stefan oder Daniel heißen, ist auch sehr groß. Andersherum checkt aber auch niemand, woher man kommt, wenn man auf anderen Seiten einen anderen Nickname benutzt.

    Bleib bei Spielerdrei und lass den Hendrik latent im Hintergrund hängen. Ist wahrscheinlich die beste Lösung. S3 ist ja schon zu einer eigenen kleinen Marke in der dt. Blogosphäre geworden.

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