Monthly Archives: March 2008

Kane’s Creed: Skate Club

Manchmal ist Leben schön. Dann nämlich, wenn die hiesige Videothek umzieht und, um weniger schleppen zu müssen, Filme und, wesentlich relevanter, Spiele zu konkurrenzlosen Preisen für fünf Tage raushaut. Das freut dann den armen SpielerDrei, der sich beschränkterweise für ein Heidengeld Wii und XBox360 kauft, dann aber über Monate hinweg nicht genug Kohle aufbringt, auch mal ein schönes, aktuelles Vollpreisspiel für die neuen Spielzeuge zu kaufen. Er so, bzw. ich so dann halt da hin, erstmal das Prinzip nicht verstanden, und dann doch mit vier Spielen da rausgewandert, die er so, bzw. ich so sonst wohl eher größtenteils nicht gespielt/geliehen/gar gekauft hätte.

Selbst in den goldenen Zeiten gab es eigentlich nie die Situation, dass mir vier relativ aktuelle Spiele gleichzeitig vergönnt waren, weil bei Mehrspielkauf meistens ein Titel so begeistert, dass die anderen nach kurzem Anspielen in der Ecke liegen bleiben, bis der favorisierte Titel durch ist, und dann hat man schon wieder was neues Tolles. Aber so konnte ich mich dann doch endlich mal fühlen wie ein Raubkopierer: Spiel doof? Egal, spielste das nächste! Kommste nicht weiter? Macht nichts, Spiel 3 wartet! Schon schön, irgendwie. Hassen tue ich sie trotzdem alle. Also die Raubkopierer, nicht die Spiele. Die waren nämlich ganz gut.

Wie dem auch sei, so kam es halt, dass SpielerDrei vier Spiele spielte, und solltet ihr Euch wundern, dass er von nun an in einen relativ typischen Reviewstil verfällt, dann habt ihr ihn früher schon gelesen. Hallo. Und auch ein Hallo an dich, von den Blogs der anderen hierher Gelinkter. Viel Erfolg.

Kane & Lynch: Dead Men

Ich hab von Hitman nur die Blood Money-Demo gespielt und Freedom Fighters kenn ich nur vom Hörensagen. Aber die Demo war schön brutal und das Abseilen von Gebäuden stimulierte abgenehm meine Höhenangst. Hauptassoziation ist und bleibt vermutlich noch einige Zeit die Gerstmann-Gamespot-Kontroverse, die K&L auslöste (Falls ihr zu der Zeit im künstlichen Koma lagt: genannter Gamespot-Redakteur gab K&L eine mittelmässige Wertung, der Publisher hatte aber viel Werbefläche für ebendieses Spiel bei GS gekauft, und dann saß der Herr Gerstmann vor der Tür. So nur ganz kurz, an anderen Stellen kann jeder, der Google bedienen kann, weitaus mehr über dieses Thema lesen, so er denn möge). Wie ein echter “Spielejournalist” habe ich nach dem Schreiben des vorherigen Satzes tatsächlich mal das skandalöse Video-Review halb auf Youtube angesehen und zusätzlich noch das geschriebene Review ganz(!) gelesen, und jetzt brauch ich nach so viel Kompetenz erstmal ne Pause.

So. Das erste, was der gute Mann über K&L sagt, ist: “Kane & Lynch: Dead Men is an ugly, ugly game.” Und da stimme ich ihm vollkomen zu. Aber während das für ihn ein durchweg negativer Punkt war (der sich im Übrigen nicht nur auf die Grafik bezieht), machte es für mich einen Teil der Faszination aus. Denn wenn man sich mal die Protagonisten und Nebenfiguren unseres Lieblingshobbies so ansieht, sind das größtenteils muskulöse Adonii, spektakulär gebaute Frauenzimmer und andere charismatische Models außer Dienst. Ist ja auch irgendwie verständlich, wenn man Tag um Tag damit verbringt, künstliche Lebewesenimitationen aus Vielecken zu erschaffen, muss man schon ein Freund des Leidens sein, wenn man absichtlich Hackfressen erstellt. Umso dankbarer bin ich für jede Geheimratsecke, für jeden Bauch, für jede Hautunreinheit und für jeden schiefen Zahn, denn sowas verleiht Charakter. Perfektion ist langweilig. Deshalb liest auch keiner meine Texte. Ähem.

Jedenfalls mochte ich Kane und Lynch daher von Anfang an. Beide sind alt, faltig, Lynch trägt Brille und kämpft gegen Alopezie, Kane ist ein Narbengesicht und der härteste Nasenpflasterträger seit Jake Gittes. Wie sich die Beziehung zwischen den beiden im Laufe des Spiels aufbaut und verändert, größtenteils über verbales, das Spielgeschehen nicht unterbrechendes Geplänkel, gefiel mir ziemlich gut, auch wenn ich gestehen muss, dass zu einem nicht zu unterschätzenden Teil meine Sympathie zum psychotischen Gattinnenmörder Lynch in seiner Ähnlichkeit zu einem ähnlich veranlagten Familienmenschen begründet ist:

Was soll ich schreiben, ich mag 3rd-Person-Action einfach, obwohl ich K&L in seinen besseren Momenten gerne als Shootoutsimulator bezeichnen möchte. Filmfreunde unter Euch erinnern sich möglicherweise an den Straßenshootout in Heat – ich könnte jetzt schreiben, dass IO sich offensichtlich davon haben inspirieren lassen, aber vermutlich habe ich dass mal irgendwo gelesen und schmückte mich so mit fremden Lorbeeren, gäbe ich diese Idee als meine eigene an. Die Spielelemente selber sind simpel: 3 Teile Schusswaffengebrauch, 2 Teile Deckung, ein Schuss simples Squadleading und ein paar Abseilereien drübergestreut – mmh, Action! Sicherlich gibt es genug zu kritisieren, was andernorts auch zur Genüge getan wurde, und ich kriege eventuell Kredibilitätsprobleme, wenn ich ein Spiel lobe, ohne es durchgespielt zu haben, aber ich fands super. Manchmal will man halt einfach nur ballern, und ich finds immer doof, wenn die Gegner schlauer sind als ich. Deswegen spiele ich auch kein Duck Hunt mehr.

Erinnert ihr euch an Max Payne? Diese seltenen Momente, in denen die Stürmung eines Raums genau so funktionierte, wie ihr es geplant hattet? Durch die Tür, “It’s Payne!”, Bullet Time an, die zwei Nahegelegendsten mit der Doppelläufigen erledigt, hinter den Tisch, Bullet Time aus, Durchatmen, Wechsel auf die Uzis, Bullet Time wieder an, hoch, nicht stoppen bevor die Magazine leer sind und der letzte entscheidende Treffer per Großaufnahme den Tod zelebriert? So was gibts bei K&L alles nicht. Hier ist der Mord kein Ballett, hier sind die Schusswaffen mehr grobes Werkzeug als Instrument; Hauptsache, vorne kommt Blei raus und weiter hinten fallen ‘se um.

Im Zeichen der Zeit trägt Kane stets nur zwei Feuerwaffen mit sich, ergänzt von einem bedornten Schlagring für die seltenen lautlosen Tode sowie Fragmentations- und Rauchgranaten, die -Überraschung!- tatsächlich sinnvoll einsetzbar sind. Mir scheint es, als hätten IO Interactive, frustriert von dem ständigen Tarnen, Täuschen und Verpissen-Szenario, ihr Anti-Hitman geschaffen, denn auch wenn in den frühen Missionen zumindest der Versuch eines unauffälligen Eindringens erfolgt, wird ab der dritten Mission mit solch derber Grobschlächtigkeit begonnen, dass es für den Schleichkostverächter eine Freude ist; andere Fluchtpläne außer “Wir schießen uns durch!” scheinen auch ausverkauft gewesen zu sein.

Das ist zugegebenermaßen brutal und meinetwegen menschenverachtend, aber das Spiel versucht in meinen Augen nicht, diese Verhaltensweisen als cool oder edgy darzustellen. Die Protagonisten sind zwei ganz kaputte Gestalten, keine Oneliner spuckenden Superbuddies. Die Motivationen, die mir bekanntermaßen am Herzen liegen, blieben soweit ich gespielt habe stets nachvollziehbar, und mit der “You should have let me talk to them!!”-Szene haben sie es sogar geschafft, mich emotional zu berühren. Was immer gut ist.

Ich möchte darauf hinweisen, dass dies alles nicht als Kaufempfehlung verstanden werden soll. Denn denkt mal nach: Ich habe quasi nix für das Spiel gezahlt und es nicht durchgespielt; sollte man einer so entstandenen Meinung trauen?

Anyway, ich merke gerade, dass eure Aufmerksamkeitsspanne nachlässt, die in der dritten Reihe von hinten sind schon eingeschlafen, und hier gibt es schließlich noch zwei weitere Handvoll, die um eure Aufmerksamkeit buhlen. Daher vertage ich den Rest mal auf Teil 2, in dem [Spoiler]SpielerDrei Assassin’s Creed gut findet![/spoiler]

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