Monthly Archives: August 2008

Limericenaries

Meine Damen und Herren,

an dieser Stelle möchten wir Ihnen etwas ganz Besonderes präsentieren: Es ist uns gelungen, einen exklusiven Vorgeschmack des mit Spannung erwarteten Erstlingswerk “Nichts reimt sich auf Napalm” des gefeierten Poeten/Söldners Mattias Nilsson zu ergattern. Nilsson, der erst kurz vor seiner Abreise nach Venezuela die letzten Korrekturen persönlich durchführte, gilt in Fachkreisen bereits als ein neuer Aldington: Selten ist das Talent, die Schrecken des Krieges in solch schöne, beruhigende und ergreifende Worte zu kleiden, ohne zu verharmlosen oder zu stilisieren. Die rohe Energie, das Druckerschwärze gewordene Adrenalin ist auf jeder Seite zu riechen. Der Ihnen nun exklusiv präsentierte Ausschnitt befasst sich mit Nilssons Aufenthalt in Nordkorea, seinen Begegnungen mit den Einwohnern und den Gefühlen, die diesen noch so jungen Menschen in dieser Zeit beherrschten. Wir wünschen gute Unterhaltung.

 Kreuz 2:
Jin-Ho, ein Artillerist,
bombte ohn’ allzuviel List.
Ich fuhr auf den Hügel
und verpasste ihm Prügel.
Jin-Ho wird seitdem vermisst.

Kreuz 3:
Ein vierzigstel Mille
(sofern ich ihn nicht kille);
Su Yeong, der Schläger,
braucht jetzt einen Pfleger;
ich hau auch Männer mit Brille.

Kreuz 4:
Gefilmt von Kameramannen
wurde Gauner Yeom Park gefangen.
Als Taktiker pur
kam ich von sechs Uhr
und tat ihm dann eine langen.

Kreuz 5:
Ein Bauherr war Herr Tal-Hun An
nur mich hatt’er nicht auf’m Plan.
Am schönen Torbogen
kam ein Heli geflogen
und nahm Tal-Hun An dankend an.

Kreuz 6:
Finanzminister Chong-Chun
zu fangen war nicht gerade Fun.
Respawnende Schrauber
waren Nervenrauber.
Aber ich schlug mich durch – irgendwann.

Kreuz 7:
Innenminister Kang-Keun
war ein Meister im Geldveruntreu’n.
Hatte Berge von Zaster
(und sogar einen Laster!);
ich nahm alles und tat mich freu’n.

Kreuz 8:
Transportdirektor A.D.
Yeong-Suk Park ist passé.
Trotz zweier Hubschrauber,
denn die holt’ ich sauber
vom Himmel mit meinem MG.

Kreuz 9:
Sicherheitschef Cheol-Han
wurd’ gecatcht, wie nur ich sowas kann;
mit dem Jeep dann die Flucht
und er wurd eingebucht’
und ward nie mehr ein freier Mann

Kreuz 10:
An einer zerstörten Brücke
stand Yeong-Kil Kim voller Tücke.
Das Drogenkartell
zerfiel ohne ihn schnell.
Herr Kim braucht seitdem eine Krücke.

Kreuzbube:
Hung-Do wurde ohne viel Fragen
mit Wucht auf die Rübe geschlagen;
denn wenn Russen mich beten
um einen Truck mit Raketen
kann ich nun wirklich nicht nein sagen.

Kreuzdame:
Ein Schmuggler, Sun Han war sein Name,
erhielt den Codenamen Kreuzdame.
Das war ihm nicht genehm,
doch sein größ’res Problem:
Er lief mir am Pier in die Arme.

Kreuzkönig:
Menschenhändler Choi Lee
dacht’ sich: “Scheiße, besser ich flieh!”
Rannte auf ein Dach,
ich im Heli ihm nach,
sein’ Fluchtpunkt erreichte er nie.

Kreuz As:
Als Chef von Division 39
war Hwangbo im Verstecken sehr fleißig.
Der schöne Song Tower
war auch nicht von Dauer.
Wie’s mit Hwangbo weitergeht? Weiß nicht.

Karo 2:
Für Captain Chan-Seok Park
war heute kein sehr schöner Tag.
Tot seine Rekruten!
Ich würde vermuten,
dass mich Captain Park nicht mehr mag.

Karo 3:
Neben einem S A Strich 8
Hab ich Tu-Chin Cho plattgemacht.
Der Spezi für Waffen
tut nun selig schlafen
und wird ins Gefängnis gebracht.

Karo 4:
Der Fachmann für Raketenwerfer
war in uns’rem Kampf klar entnervter.
Durch die Schießerei
warn’s bald nur noch wir zwei;
er schoss scharf; jedoch ich schoss schärfer.

Karo 5:
Yu, Chef von Division 18
sah alles runter den Bach geh’n
Mister Pung-Cho
ging recht schnell K.O.;
tut nun Sterne nicht nur des Nachts seh’n.

Karo 6:
Yeong-Il Cheon, ein Stratege,
kam leider mir ins Gehege.
Vielleicht ist er schlau
aber jetzt auch im Bau
und braucht obendrein auch noch Pflege.

Karo 7:
Seon-Keun Yun, ein Pilot,
war leider recht schnell schon tot.
Ich will mich nicht loben,
aber ich kam von oben
und pumpte ihn dann voll mit Schrot.

Karo 8:
Kyubyung, du Sau, ausnahmsweise
killtest mich. Was für ‘ne Scheise.
Doch das war Banohne
weil ich halt respawne
und du nicht. Jedenfalls: Gute Reise!

Karo 9:
Coupplaner Major Chu-Ho Kim,
war erstaunt, dass ich ihn vertrimm;
denn ich war getarnt
daher er nicht gewarnt;
das war für ihn schon ziemlich schlimmm.

Karo 10:
Ich fand Major Kim in den Bergen
und machte schnell kalt seine Schergen.
Ich ihm eine klebte
(was er knapp überlebte);
doch seine Helfer ging’n in Särgen.

Karo Bube:
Ji An ne Kanone kreiert,
die alsbald schon Seoul bombardiert.
Die Kanone war groß.
Warum denke ich bloß,
dass An da was kompensiert?

 Karodame:
(Angeblich) ein Mann von der Presse
besaß Infos von Interesse:
Jong schmuggelt per Schiff!
Deshalb ich ihn mir griff
und schlug ihm dann voll in die Fresse.

Karokönig:
Artilleriekommandant Won
war ein Anhänger der Perfektion.
Er im Panzer: “Du hier?”
Und ich so: “C4!”
So schubst’ ich den König vom Thron.

Karo As:
Das Karo As General Chang
war bisher mein wohl größter Fang.
Ich will ja nicht prahlen,
doch trotz all der Strahlen
war mir keinen Augenblick bang.

Herz 2:
Chi-Seong, nur ein kleiner Fisch,
war relativ schnell schon vom Tisch.
Per Panzer, mit Tücke,
schoss ich ihn in Stücke.
Der Treffer war quasi kritisch.

Herz 3:
Der recht unbekannte Herr Chang
kriegt so bald nicht mehr Ausgang.
Er war gut beschützt,
nur hat das nix genützt:
Mein Gewehrkolben legte ihn lang.

Herz 4:
Einen schon recht schlimmen Bart
hielt Berater Cho-Hu parat.
Im zerbombten Taechon
kam er mir nicht davon.
Ich bin schon ein geiler Soldat!

 Herz 5:
Ein Ingenieur mit Gier nach Geld
ist, was Cho-Yeong Cha darstellt.
Im Dörfchen Unsan
traf ich ihn – nicht nur an.
Ingenieure gibts genug auf der Welt.

Herz 6:
Für Wissenschaftler Hye-Min
war Aufgeben einfach nicht drin.
Im Kampf bis zum Letzten
musst ich ihn zerfetzen.
Auch tot bringt er mir noch Gewinn.

Herz 7:
Für den Metallurgisten
braucht ich nicht viele Listen:
Ich fuhr nur kurz hin,
gab ihm was aufs Kinn,
ab zu den Polizisten.

Herz 8:
Auf dem Rücken Physiker An
rannte ich, so schnell wie ich kann.
Für Flucht im Mobil
warn da Panzer zu viel,
so macht’ ich auf Marathonmann.

Herz 9:
Raketenkonstrukteur Kim
fand sein Ende heiß, laut und schlimm.
von Napalm verbrannt
wird man schwerlich erkannt.
Naja, die Kasse muss stimm’.

Herz 10:
Wirklich kaum eine Chance
hatten die Männer Hongs.
Sechs Mann massakriert,
Hongs Kopfgeld kassiert
(für die Steuer bestand ich auf Bons).

Herz Bube:
Im Kampf gegen viele Chinesen
hab ich Ji-Won Han aufgelesen.
trotz übler Verstrahlung
bekam ich Bezahlung.
Wird Ji-Won wohl wieder genesen?

Herz Dame:
Jong Namgung, Chef der Chemie
dacht’ sich wohl:”Der kriegt mich nie!”
Doch kein chemisches Mittel
half bei Löchern im Kittel
und Bauch. Da war er halt hie.

Herz König:
Der Direktor des Atomaren
trotzt in einem Bunker Gefahren.
Dass man das Ding sprengt-
hat es ihn gekränkt?
Wir werden es wohl nie erfahren.

Herz As:
Zur Sprengung von Reaktoren
fühlte Chul Kang sich erkoren.
Bei der Explosion
war ich weg lange schon.
Ich bin halt zum Sprinter geboren.

Pik Zwei:
Dae Kim war echt gut bewacht
für ne Zwei – hätt ich nicht gedacht.
Doch Mann und Gefährt
sind nicht sehr viel wert
wenn ‘ne Cruise Missile herunterkracht.

Pik 3:
Dass die Expo2-Jungs nicht kamen
lag an den Anti-Air-Maßnahmen.
Mir nichts übrig blieb
außer Flucht via Jeep
und erst späterer Himmelfahrt. Amen!

Pik 4:
Ein Opfer der Propaganda
war Elitesoldatin An. Klar.
Luftabwehrraketen
ließen mich nicht abtreten.
Doch sie ‘st nun bedroht wie ‘n Panda.

Pik 5:
Der Top 18 Scharfschützin der Welt
wurd’ kein Sniper Rifle gestellt.
Ich weiß nicht warum,
‘s ist schon ziemlich dumm.
Schaut sie deshalb vielleicht so vergrellt?

 Pik 6:
Min-Seon Yun, Ex-Matrosin,
empfindet grad nicht sehr viel Frohsinn.
Ihre Nas’ zu verbiegen
war mir ein Vergnügen.
Kann ich was dafür, dass ich so bin?

Pik 7:
Vize-Miss Korea Moon-Han
schau ich mir nicht wirklich gern an.
Doch lässt sich nicht streiten
über Geschmäcklichkeiten
(aber sieht sie nicht aus wie ein Mann?).

 Pik 8:
Frau Shin-Seok, Ex-Prostituierte
(über die man wohl viel spekulierte),
war bei den Chinesen
verborgen gewesen
bis ich ihr Camp infiltrierte.

Pik 9:
Trotz Unmengen Respawnsoldaten
hatte Soo-Heon Park schlechte Karten.
Ich konnte ihr Leiden
nicht wirklich vermeiden,
doch rühm’ ich mich gern solcher Taten.

Pik 10:
Hinter verschlossenen Toren
wartete Yun-Yeon Chu, unverfroren.
Doch kein Tor macht Sinn
gegen Yours Truly in
einem Gefährt mit MG und Rotoren.

Pik Bube:
Major Kon Lee plante den Coup
“Zerstörung des Russen-HQ!”
Doch ich und mein Tank
(ein russisches Geschenk)
ließen das ganz einfach nicht zu.

Pik Dame:
Yong Park, genannt Koreas Patton,
gelangs nicht, sich vor mir zu retten.
Ich entkam seiner Falle,
machte ihn alle,
und legte ihn schließlich in Ketten.

Pik König:
Bereuen wird General Yun
schon baldigst sein boshaftes Tun:
Denn trotz all der Planung
und all seiner Ahnung
ist Yun gegen Blei nicht immun.

Pik As:
Mit der Nuklearbombenzündung
gab Pik As Choi Song mir Begründung
genug. Und deswegen
schoss ich seinen Bregen
zu Matsch mithilf der Gewehrmündung.

Zum Autor:
Mattias Nilsson, 31, wurde in Arvidsjaur, Schweden, geboren. Zu seinen Hobbies zählen Segeln, Tauziehen und das Belauschen von Vogelgesang. “Ingenting rimmar på Napalm” ist seine erste Veröffentlichung.

Advertisements

Braidienungsanleitung

1. Halte Braid nicht für ein schlechtes Jump’n’Run. Das mag jetzt schon sehr subjektiv erscheinen, aber der Gag ist, dass Braid kein schlechtes J’n’R sein KANN, weil es eben überhaupt kein J’n’R IST. Es sieht halt nur so aus. Ja, die ganze Welt 2 funktioniert nach klassischen J’n’R-Regeln, aber eben nur die. Als fast allgemeingültig kann man festhalten: Wenn du das Gefühl hast, deine Geschicklichkeit oder deine Reaktionen reichen im weiteren Spielverlauf nicht aus – dann machst du was falsch. Das mag auf die ersten vier Blicke gar nicht danach aussehen, aber eigentlich gibt es immer eine elegantere Lösung, die nur ein Minimum an Handaugenkoordination verlangt. Für uns Holzköpfe ist aber gut zu wissen, dass viele der Rätsel (denn das ist Braid nämlich in echt: Ein Rätselspiel) auf verschiedene, teils auch stumpfe Art und Weise gelöst werden können. Um mich wieder auf den ersten Satz dieses Absatzes zu beziehen, möchte ich noch hinzufügen, dass ich nie Probleme mit der Steuerung oder ähnliches hatte, die Vorwürfe ob des schlechten J’n’R-Daseins beziehen sich eher auf die geringe Länge, niedrige Feindvielfalt und Mangel an Items.

2. Gib auf. Echt. Das ist keine Schande. Ist dir aufgefallen, wie leicht der Weg zum Levelausgang ist? Geh. Komm später zurück. Lass dich nicht frustrieren. Es ist egal, ob du dieses Puzzleteil jetzt kriegst oder später.

3. Kooperiere. Klar, Braid hat nur ‘nen Singleplayermodus. Aber setz jemand neben dich, und das Spiel wird automatisch zum Coopvergnügen mit letzterem eventuell in Anführungsstrichen, je nachdem wie erfolgreich ihr seid. Auch hier: Keine Schande. Hey, ich halte mich wohl für verdammt schlau, wie mir mehrere Leute, kurz bevor sie mir Prügel verabreichten, in einer rhetorischen Frage bestätigten, und selbst ich und meine vielen Kilogramm Hirn haben nur mit der nicht mit Gold aufzuwiegenden Hilfe meiner Freundin einige Stücke erreichen können. Lustigerweise kommt man sich so noch nicht mal sonderlich doof vor, was sich natürlich prompt ins Gegenteil verkehrt, wenn der Beisitzende das Spiel schon lange durchgespielt hat und man bei jedem Zögern den Penner neben sich feixen sieht.

4. Spiel nicht, wenn jemand Gehässiges im Raum ist, der das Spiel schon durch hat.

5. Du musst vierdimensional denken, Marty! Gut, in diesem Fall tatsächlich nur in drei Dimensionen, aber halt: auch temporal. Ich habe mich bisher darüber ausgeschwiegen, dass in Braid die Zeit nach Belieben zurückzuspulen ist, was zuerst vielleicht nur zum Verhindern des eigenen Dahinsiechens genutzt wird, im Laufe des Spiels aber essentiell für fast alle Puzzlesteine ist. Kombiniert mit den grün leuchtenden Objekten, die gegen die Zeitmanipulation immun sind, sowie den weltspezifischen temporalen Eigenheiten ergibt sich eine Fülle von “Das kann man unmöglich kriegen”-Situationen. Darum gehts.

6. Lass dir Zeit. Klar, vielleicht fehlt dir nur noch ein Teil in Welt 4. Vielleicht weißt du, dass das Spiel recht kurz ist, und willst es schnell durchhauen, um dann mit was Längerem anzufangen, wenn du einer der linearen Menschen bist, die nicht gerne zwei Spiele gleichzeitig spielen. Aber so läuft das nicht. Die Rätsel in Braid wirst du kaum durch Zufall lösen, oder durch den einen perfekten Sprung. Aber weißt du, wie du sie lösen kannst? Warte bis morgen. Morgen bist du schlauer. Es faszinierte mich ungemein, diesen stetigen Anstieg der eigenen Fähigkeit zu beobachten, der ansonsten eher bei Musikspielen oder Funsportgames zu beobachten ist. Nur dass zwischen “Wie soll man auf der ersten Strecke bei SSX jemals 15000 Punkte für Bronze machen?” und 15000 Punkte an der ersten Schikane derselben Strecke einige Wochen, wenn nicht Monate lagen, während bei Braid ein Tag zu reichen scheint, um das Hirn zu schulen. Und das ist solch ein befriedigendes Erlebnis, dass man es sich auf keinen Fall nehmen sollte.

7. Spoil dich nicht. Du weißt, wie das bei Adventures ist. Du kommst und kommst nicht weiter, und nachdem du frustriert dein gesamtes Inventar zum wiederholten Mal miteinander kombiniert hast, ohne der Lösung des Problems näherzukommen, guckste halt in die Komplettlösung. Weil du weiterkommen willst, weil du wissen willst, wie es weitergeht. Und dann ärgerst du dich. Wie sollte man jemals darauf kommen, einen Pudel anzuziehen? Welches Genie würde diese Aktion wählen, um ungehört an einem alleshörenden Monster vorbeizukommen? (Uuh, ich bin lange nachtragend.) Dankenswerterweise gibt es sowas nicht in Braid. Klar, die Lösung für dein persönliches Hassrätsel liegt dir vielleicht ebensofern wie mir oben beschriebenes, aber die Lösung ist erstens bei weitem nie so weit hergeholt und zweitens versperrt ein Rätsel niemals den Weg zu den anderen. Es macht kaum Sinn, sich an der Lösung von Puzzlesteinen vorbeizuschummeln, denn der Rätsel Lösung ist schließlich der Sinn des Spiels. Der Weg ist das Ziel. Außerdem ärgert man sich immer so, dass man da nicht drauf gekommen ist. Und spielen wir, um uns zu ärgern? Nee. Hast du halt nur 58 Steine. Macht nix. Irgendwann findste die letzten beiden. Braid läuft nicht weg. Und wenn du wirklich nicht mehr weiter weißt, dann gehe wenigstens zur Quelle und nutze den offiziellen Walkthrough.

8. Denk, wenn du willst. Ich bin ein großer Fan von optionalen Stories. Persönlich stehe ich zwar voll aud jegliches narratives Element, aber ich mag es, wenn ungeduldigere Naturen sich nicht erst durch mehrere Cutscenes oder minutenlange, unabbrechbare Dialoge langweilen müssen, bis sie zum eigentlichen Spiel kommen. Und Braid tut dies: Kein Interesse an der Story? Renn vorbei. Man muss nichts lesen, um das Spiel zu genießen oder zu schaffen. Aber wenn man Interesse hat, dann bietet Braid so einiges für Aug und Bregen: Die Bücher, die Reihenfolge, das Level- und Burgendesign, die Bedeutungen der Weltendeflaggen, die versteckten Extratexte, das Finale – es ist selten, dass ein Spiel tatsächlich mehrere Interpretationsmöglichkeiten und -ansätze bietet, ohne dass man in Fanboygelaber abdriftet, welches sich nur noch am äußersten Rand am Spiel nachweisen lässt, und das weiß ich sehr zu schätzen. Eben auch, dass man es nicht über den Kopf gezimmert kriegt.

9. Hör auf, wenns am schönsten ist. Dieser Punkt mag der subjektivste auf der Liste sein, aber er lässt sich belegen. Das Ding ist, es gibt noch mehr in Braid als das bisher Beschriebene. Es gibt Speedruns, die zwar überhaupt nicht ins entspannte Restspiel passen, aber möglicherweise aufgrund der (bei XBox-Live-Arcade-Spielen stets vorhanden sein müssenden) Onlineranglisten integriert wurden, und es gibt Sterne, acht übelst versteckte Extraitems, die wohl nur von den ausdauerndsten aller Spieler ohne Tips gefunden werden würden – tatsächlich wird man beim normalen Spielverlauf nie auch nur einen sehen. Möglicherweise lehne ich mich mit der folgenden Aussage etwas aus dem Fenster, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass der gute Herr Blow nicht wirklich will, dass man sein Spiel auf diese Arten spielt. Klar, es gibt ein Achievement für den (übrigens ziemlich knallhart bemessenen) Speedrun des ganzen Spiels, aber diese sind auch ein notwendiges Übel auf XBLA, dem er weithin aus dem Weg ging, in dem alle anderen Achievements durchs simple Durchspielen vergeben hat. Das Ding ist halt, dass du bei erfolgreichem Speedrun nichts kriegst außer der Darstellung deiner Bestzeit – keine Fanfare, kein Congratulations, keine Achievements (abgesehen vom Komplettrun), kein nix. Und jeder Run (der natürlich sehr oft wiederholt werden muss, da auch nur ein kleiner Fehler meist schon zu viel Zeit kostet) beginnt mit einem unabbrechbaren, unglaublich fies klingenden 321-Countdown, der – bei ansonsten so gutem Spiel- und Sounddesign – einfach Absicht sein muss. Und wer die Mühe auf sich nimmt, alle Sterne zu sammeln (was unter anderem einen kompletten Spielneustart sowie zwei Stunden Wartezeit bedeutet), den erwartet ein ziemlicher Downer. Aber genug davon – ich wollte ja weder spoilern noch interpretieren.

10. Kauf es. Das mag platt klingen, aber ansonsten ist das Genießen halt schwer. Und es ist halt kaum von der Hand zu weisen, dass Braid so ziemlich die Antithese zu den geistlosen (Space-) Marine-Actionknallern ist, über die ihr so gerne herzieht. Wenn ihr mich dann entschuldigen würdet, ich widme mich nun wieder meinem geistlosen (Space-)Marine-Actionknaller. EDF! EDF!