Monthly Archives: May 2009

Von 0 auf 1000: Rock Band

Wohl kaum ein Spiel hat das vergangene Jahr meines Lebens so geprägt wie Rock Band. Wegen Rock Band hab ich mir eine XBox 360 gekauft, für kein anderes Spiel habe ich soviel Geld ausgegeben, kein Spiel brachte mich je so zum Schwitzen. Damals schwor ich mir, nicht aufzugeben, bis ich 1000 Achievement Points erreicht hätte. Dies ist die Chronik einer Obsession, die Opfer verlangte. Nicht wirklich in die Sätze passende Worte sind entweder Songtitel oder Achievements, die Zahl am Ende jedes Eintrags dokumentiert meinen Fortschritt. Rock Band. 1000 Punkte. Go.

Tag 1: Ich bin hypervorsichtig beim Auspacken, befürchte einen der so zahlreich im Internet verbreiteten Defekte. Aber funktioniert alles. Meine ersten Versuche mit der Gitarre bringen mir gleich Killer Perfomance, mit unserer Gitarre/Drum-Combo namens Cortex Bomb spielen wir auch gleich noch den Van frei und damit Got Wheels. Es fühlt sich gut an. Metallica runtergeladen – mann, schwer! 30/1000

Tag 2: Ich beschäftige mich primär mit den Drums, waren sie doch der Hauptkaufgrund für mich. Erschreckende Erkenntnis: Ich habe weniger Rhythmus im Blut als erwartet. Kämpfe mich trotzdem durch die Solo World Tour, Breakthrough Act und Hot Artist. Anstrengend! 50/1000

Tag 3: Rhythm Rocker ist mein Lohn für den Abschluss der leichten Drummertour. Scheiße, jetzt auf Mittel? Das war so schon hart. Spiele Gitarre auf Hard, werde Top Artist. Ist nach jahrelangem Guitar-Gehero nicht mehr so wild. 80/1000

Tag 4: Score! String Shredder, Fret Ripper und Axe Assassin, alle auf einen Schlag. Ich dudel mich noch ein wenig durch die Bonussongs. 170/1000

Tag 5: AAAAAAHAAAAAAHHH! Aufgewacht, will aufstehen, Krampf im Pedalbein. Gejammert wie ein Mädchen. Bin ich zu alt für den Scheiß? – Nee, bin ich nicht – Flawless Fretwork per Maps – und Rang 24 am Bass- leider nur für Perfekte Welle :(. 180/1000

Tag 6: Maps langte auch für Flawless Groove. Schönes Lied, übrigens. Die ersten Brick Walls sind aufgetaucht – Here it goes again auf Expert-Vocals ließ mich nicht vorbei – ein schlauerer Mensch hätte früher bemerkt, dass es nicht so leicht ist, Lieder zu singen, die man erst ne Handvoll mal gehört hat – und Green Grass and High Tides werde ich wohl nie schaffen – die Soli am Ende des Songs gehen gefühlt länger als bei Freebird, und da fand ich zumindest das Lied noch geil (GGAHT mag ich auch, aber es ist halt kein Freebird – da sieht man mal wieder, wie wertvoll es für Songs ist, auf GTAs Radiostationen zu laufen – man hört sie so oft, bis man sogar zu Rod Stewart gerne Passanten überfährt (IM SPIEL!). Im Practice-Modus bemerkte ich rote Verfärbungen an meinen Fingern. Wäre natürlich eine Sensation, wenn ich mir die Finger an einer Gitarre ohne Saiten blutig gespielt hätte, war aber bestimmt nur irgendwas zum Naschen.

Später: Hab meine eigene Band gegründet, mit mir am Gesang und an der Gitarre. Größenwahnsinnig habe ich beides auf Expert gestellt und dann erst gemerkt, dass es nicht so einfach ist, auf die Tonhöhe und vor allem die Lyrics zu gucken, wenn man gleichzeitig wie blöde Akkorde schrubbeln muss. Idee erst mal wieder zu den Akten gelegt. Aber der Logodesigner ist cool, auch wenn ich nicht kapiert habe, wie man einen anderen Hintergrund als Schwarz auswählen kann (macht sich nicht so gut bei schwarzer Schrift).

 Noch später: Schön bei den Soli von GGAHT auf Drum Medium verkackt, kam aus dem recht simplen, aber schnellen Rhythmus und nicht mehr rein, auf Teufel komm raus. Verdammt. 190/1000

Tag 7: Ganzen Tag Rock Band gespielt, bin wieder auf Medium Vocals runtergegangen, aber aufgrund von Mittagspause, Arbeitszeiten und Nachtruhe komme ich nicht wirklich viel zum Singen, da ich die restliche Zeit größtenteils an den Drums verbringen möchte. Singstar hat mich versaut – da wir dort immer nur auf Leicht spielten, bildete ich mir tatsächlich ein, über gehobenes Laiengesangstalent zu vefügen, was primär daran liegt, dass man bei Singstar immer weitersingen darf. Nach einer verkackten Strophe hier ist man raus. Nach fünfzehn Songs oder so Groove Technician gekriegt, doch es entbehrte nicht einer gewissen Komik, wie schnell mein Nerdarm bei Achtelschlägen ermüdete, was dem Takt auch nicht gut bekam. Die ersten fünf Songs auf Hard gespielt, hat geklappt. Langsam bin ich richtig gut mit dem Pedal geworden, nur bei versetzter Bassdrum verkacke ich noch. GGAHT hab ich übrigens geschafft, indem ich die Bassdrum konsequent wegließ beim Solo. War knapp, hat aber geklappt. 220/1000

Tag 8: Urgh. Das Drumkit braucht eine Sicherheitsaufschrift: Für Menschen ohne Sportfreude nicht geeignet. Hab drei Stunden länger als sonst geschlafen und war unglaublich erschöpft, jede Faser meines Leibes sehnte sich nach dem süßen Tod. Überanstrengung durch ein Videospiel, ja, lacht nur. Ich hab ja gemerkt, dass ich nicht mehr konnte, aber Trommeln macht einfach so einen Bockspaß… Ich wollte sowieso immer Drummer in ner Punkband sein. Jetzt bin ichs irgendwie. Hach… 220/1000

Tag 13: Ich war ja etwas skeptisch, ob die Partytauglichkeit, von der in Foren immer so geschwärmt wird, tatsächlich existiert, aber heute hat sich das, nach geselligen Mengen Alkohol, doch irgendwie bewahrheitet: Selbst sonst eher nicht so spieleaffine Menschen drängelten sich ans Drumpad, brüllten ins Mikro und droschen auf die Gitarre ein. War dann natürlich gleich viel geiler als solo spielen (duh!), vor allem Timmy and the Lords of the Underworlds hat es mir ob seiner gröhltauglichen Lyrik angetan. War schön. Und wenigstens einer wollte dann auch den ganzen Kram haben. Yay! 270/1000

Tag 20: SpielerEins motiviert mich mit den einfühlsamen Worten:”Bei Rock Band muss man halt richtig singen, da reicht das nicht immer nur “Quäkquäkquäkquäkquäk” zu machen wie du sonst bei Singstar” meine momentanen Brick Walls auf dem Weg zum Expert-Singing-Achievement, Gimme Shelter und Mississippi Queen, zu überwinden. Das gelingt, und ich schlage mich recht bravourös bis zum finalen Song Long Time, den ich dreimal bei 85% verkacke, um dann entnervt aufzugeben. Hab viel gedrummt, inzwischen alle Lieder einmal pro Instrument abgeschlossen (Guitar Medium, Drum Medium, Bass Hard), und ich hab das Gefühl, dass meine Unterarme breiter geworden sind. Scheiss auf Wii Fit, das ist spaßiges (wenn auch einseitiges) Training! 290/1000

Tag 21: Sail on, on a distant highway, yeah! Score! Mit viel Glück und dem Mut der Verzweiflung die kritische Stelle mit maximalem Overdrive und Publikumszuneigung überwunden. Abspann! 90 Punkte! Whoo! Hätte ich ja nicht gedacht, dass ich Gesang vor Gitarre überwinde, aber Green Grass und High Tides’ Soli schrecken mich immer noch. Ride The Lightnings Solo krieg ich übrigens auch nicht hin.

Später: Ich summe mich perfekt durch 90% von Creep, bis mich mein Selbsthass ob diesen Betrugs, nur um ein Achievement zu kriegen, dazu zwingt, den Song vorzeitig abzubrechen. Gut, ich hatte mich auch versummt, aber das spielte nur eine Nebenrolle. Echt! Weil meine Freundin für meinen Geschmack viel zu selten drummt, habe ich eine weitere, diesmal weitaus langlebigere Band namens Ant Rails (huh huh) gestartet und den Jet freigespielt. Auf zum Soundmann!

Inzwischen spiele ich die Drums viel mehr aus dem Handgelenk, strengt nicht so an und erlaubt auch Luschen, Achtel aufrechtzuerhalten. Auch das Pedal klappt inzwischen immer besser, bei schnelleren, monotonen Sachen wie Ramones oder dem Gitarrensolo in GGAHT spiele ich, scheints, sogar besser, wenn ich nicht auf den Bildschirm gucke. Es geht voran. Momentane Drum-Brick Wall: Go with the Flow auf Hard. 400/1000

Tag 27:Haha! 100%-Gesangs-Achievement bei Little Sister, erster Versuch! Score! Von wegen quäkquäkquäk! Okay, der Song ist nicht so schwer. Dennoch! Hab mich außerdem ans Onlinespielen gemacht und beide Streak-Achievements geholt. Ich hasse ja prinzipiell sowas, da der allgegenwärtige Trueskill ja eigentlich eine große Anzahl an Siegen in Folge erschweren sollte, wenn man nicht ewig übt, bevor man online geht, so dass der tatsächliche Skill dem Punktewert nicht entspricht, was wiederum dem Gegner dann sauer aufstößt, wenn man ihn von der Bühne fegt. Und das Ganze war umso stressiger, weil ich bei nur vier Siegen in Folge beim wichtigen fünften so nervös bin, dass ich meine Verkackchance verdreifache. Aber irgendwie hats hier ganz gut geklappt, so meine Gegner nicht bei heftigem Rückstand ihr Onlinekabel zogen. Puh. 450/1000

Tag 29: Kacke, auf der Arbeit in eine Todesfalle getreten und seitdem nur unter Schmerzen (und damit gar nicht, weil ich ne olle Lusche bin) fähig zu Bassdrummen. Aber auf Schwer seh ich eh keine Sonne. Das sind so Momente, wo ich mir wünschte, dass mein Bein besessen wäre und seinen eigenen Willen hätte, dann wären diese versetzten Pedaltritte nicht so das Problem… 455/1000

Tag 42: Mann, es hat gefunkt! Bestimmt 10 Songs weiter auf Hard Drumming, die versetzten Dinger kriege ich hin, und dank DEM TRICK halte ich die Songs sogar durch. DER TRICK: Overdrive aufsparen, durch die häufigen Aktivierungsfenster hat man so stets die Chance zum Ausruhen. Mir gehts super! Ich könnte ewig trommeln! 645/1000

Tag 43: Meine Hand tut weh. Und mein Bein. Ich hab Muskelkater in der Brust. Waah! Musste jetzt merken, dass man ab einer Million Fans auf Expert weiterspielen muss, um noch weitere zu kriegen. Das schreckt mich ab. 645/1000

Tag 44: Bin zwei Tage krankgeschrieben. Liebe Kollegen, verzeiht mir und lest diesen Text nie. Da keine Def Leppard-Songs dabei sind, fällt Drummen erstmal flach. Sing ich halt. Auch schön. 645/1000

Tag 45: Ich will nur noch trommeln! Bin zurück auf Mittel gegangen, um in allen Highscorelisten vertreten zu sein (außer Bass), und das war fast schon zu leicht. Zwei auf Hard getrommelt, und gleich viel besser gewesen. Gaah! Geil! Dafür habe ich das Gefühl, an der Gitarre zu stagnieren, ich bin immer noch nicht in der Lage, Up/Downstrumming koordiniert mit Umgreifen zu kombinieren, so sind die schnelleren Stücke (Electric Version, Dead on Arrival, sogar das eigentlich so leichte Blitzkrieg Bop) ein großes Problem in der Fünfsternekriegung, weil ich bei reinem Downstrum zu langsam bin (gerade auf Dauer) und bei Wechselstrum immer zu viel verhaue. Und GGAHT sowie Blackened sind anhand der Soli immer noch zu weit draußen für mich. Naja, spiel ich halt Bass. 645/1000

Tag 61: Nach zwei Wochen Gips mal wieder fünf Songs gespielt, und hey, muscle memory und anscheinend veränderte Rechthandhaltung erleichtern mir das Up/Down-Strumming. Nice. Außerdem endlich Perfect Drug auf Expert gesungen gekriegt, damit alle Songs auf ebendiesem Schwierigkeitsgrad geschafft und nähere mich der Top 4000. Bei Drums und Gitarre dödel ich noch bei 27000 rum, was sich wohl auch so schnell bei letzterer nicht ändern wird. 655/1000

Tag 63: SpielerEins merkte heute an, dass er einen Artikel über mich schreiben wolle, über einen Spieler, der sich nicht, wie diverse MMORPG-User, sozial ruiniert, sondern körperlich. Wenn er wüsste, dass ich sowas ja hiermit quasi schreibe… 655/1000

Tag 69: Heute in einer etwas längeren Session, als es meine doch noch etwas angeschlagenen Hände eigentlich erlauben würden, auch den letzten Song auf meiner Liste am Bass durchgespielt, damit müsste ich bei allen 84 Songs mit jedem Instrument in den Charts stehen. Gibt keinem etwas außer mir. Platz 3700 an den Vocals! Der Gedanke an die Endless Setlist flößt mir immer noch Angst ein, Gitarre (oder wohl eher Bass, da ja doch deutlich leichter) und Gesang gleichzeitig funktioniert auf Hard, aber nicht mehr auf Expert. 655/1000

Tag 79: Hahaha, awesome! Nun habe ich nach meinem Pedalbein und meiner Saitenhand auch noch meine Gesangsstimme ruiniert. Nach Erkältung und leichter Unterstützung der Stimmbänder durch Druck auf den Hals kann ich nun nurmehr krächzen. Die stets im Raum stehende Frage ob der Langlebigkeit der Rock Band-Instrumente ist bei mir müßig: Die halten garantiert länger durch als ich. Trotzalledem hab ich mich in die Top 2000 der Vokalisten gehievt, was jedem, der mich einmal singen hörte, wie ein kleines Wunder vorkommen muss. 665/1000

Tag 82: Von Expert Drumming wieder auf Hard gewechselt und die ersten Tiers gefünfsternt. Score! 665/1000

Tag 101: Es läuft. Meine Expert-Drummming-Roadblocks sind momentan Detroit Rock City, weil ich da den Bassdrumrhythmus einfach nicht durchschaue, und Dead on Arrival, weil dieser Song schnellen Pedal/Stickaction-wechsel verlangt, den ich immer noch nicht draufhabe. Entweder schlage oder trete ich zuviel. Für Gold bei Blitzkrieg Bop fehlt mir immer noch die Energie, mein Arm wird lahm, bevor der Song endet. Hab eben wieder was über den Nachfolger gelesen und muss wirklich endlich mal anfangen, Pulloffs zu üben. Schließlich fehlt mit immer noch das Expert-Guitar-Achievement, und alles nur wegen GGAHT. Das kann so nicht bleiben. 715/1000

Tag 113: Stagnation auf hohem Niveau. Zwar kann ich meine Listenposition stetig verbessern, aber Achievements klappen einfach nicht mehr. Seit ich an die Hardgrenze der Bandkampagne gestoßen bin, ist da der Spass etwas verflogen, und an meinen Brick Walls komme ich einfach nicht vorbei. Haufenweise Gold Stars auf Gitarre, aber kaufen kann ich mir davon auch nix. Wie soll das bloß aussehen, wenn der zweite Teil kommt? 715/1000

Tag 124: Ahh yeah! Nochmal alle Songs auf Expert gesungen und zack – 8 Millionen aufm Gesangskonto! Top 824 oder so. Bringt mich nur achievementmäßig überhaupt nicht weiter. 715/1000

Tag 125: Big in Seattle, yay! Lange nicht mehr gesungen und gleichzeitig Gitarre gespielt, auch leichten Kram auf Expert, klappte. Dann jedoch der Schock: Schön mein Pedal angebrochen. GAAA! Was nun? Garantie ist sicherlich abgelaufen, Und neue coole Ersatzdinger aus den Ju-es-ey kosten dank horrender Lieferkosten 89€… auf Rock Band 2 warten macht auch keinen Sinn, da ich wohl kaum noch mal einen solchen Geldberg für Plastikinstrumente ausgeben kann, wo sollen die denn alle auch hin? Scheiße, alles. Vielleicht kann ich es ja reparieren. Aber heute bin ich erstmal deprimiert. 725/1000

Tag 140: Erfolgreich umgetauscht. Aber irgendwie ist, vermutlich durch die lange Nichtspielzeit, etwas die Luft raus. Erstaunt stellte ich zudem fest, dass ich bei GH2 Sachen schaffe, die ich bei Rock Band verkacke. Kleinere Timingfenster? Gitarrenproblem? Da laut Fernsehwerbung nun Rock Band 2 doch schon im November hier erscheint, wird das wahrscheinlich erstmal meine Zeit fressen, aber da der Skill ja übertragbar ist, werd ich dann ja wohl auch hier besser. Irgendwann schaff ich das alles. 735/1000

Tag 185: AHAAAHAAHAA! Habe mich nach etwas RB2-Overkill mal wieder an Teil 1 getraut, war erstaunt, wie wenig ich im Tourmode schon gespielt habe, gerade im Vergleich, aber singen und spielen gleichzeitig macht halt den Unterschied. Bisschen gespielt, dann eigentlich keine Lust mehr gehabt, aber scheißwasdrauf, Practice Mode, GGAHT-Solo gespielt. 75%. Dann mit den Solobuttons, in der Hoffnung, dass das besser geht. 75%. Hmpf. Nochmal normal. 77%, und ich hatte zumindest das Gefühl, die harte erste Passage ganz gut gemeistert zu haben. Egal, denk ich, verkackts halt nochmal, Tourmode, voller Song. Diesmal drauf konzentriert, Overdrive per Select zu starten, da meine Gitarre Hochreißen inzwischen gerne mal ignoriert. Mit vollem Overdrivebalken durch die erste harte Phase, dann kommt die zweite, und irgendwie, irgendwie komme ich durch. Oh mann. OD sammeln. Das lange Gegniedel am Schluss, und sie schenken Overdrive, zwei, drei Mal, und ich zeige mich dankbar. Ich bin durch. Ich reiße meine Arme hoch und bleibe in dieser Pose für mindestens 15 Sekunden, während die Endsequenz läuft. Green Grass And High Tides auf Expert. Lord of the Strings-Achievement. Oh ja. Das fühlt sich gut an. 795/1000

Tag 186: Und weiter geht’s durch die Brick Walls: Endlich sind auch Dead on Arrival und Detroit Rock City auf Expert Drums geschlagen. Der nächste Level erschien dann auch durchgehend leichter, bis auf Don’t fear the Reaper, was wohl mein nächster großer Fels auf dem Pfad wird. Bis zum Solo ist es pillepalle, aber Selbiges und das Ende… da sehe ich keine Sonne, momentan. Egal, aufs Positive konzentrieren. 795/1000

Tag 223: Es war Nachts, Freundin schon im Bett, ich muss nicht früh raus – ach scheiß doch drauf, probierste mal die Endless Setlist, sind doch nur 54 Songs am Stück mit Gitarre und Gesang. Hätte ich fähigkeitstechnisch auch schon viel früher machen können, wäre ich da schon auf den fast als Cheat anmutenden Einfall gekommen, einfach Bass anstatt Leadguitar zu spielen. So verliert auch GGAHT seine Schrecken. Trotzdem oft am Rande des Untergangs vorbeigeschrappt, jedoch immer wieder gerettet, weil immer brav Overdrive gespart und kein Risiko eingegangen. Wechselstrumming ist inzwischen ins Blut übergegangen, anders kann ich kaum noch, selbst bei langsamen Songs. Tjo, und dann war es geschafft, Won’t get fooled again, fertig. Ein gutes Gefühl. Und eine Vorbereitung für die Endless Setlist 2 im Nachfolger mit nochmal 30 Songs mehr…
HAHAHA, gerade beim Korrekturlesen festgestellt, dass ich diesen Einfall tatsächlich schon fünf Monate zuvor hatte. Verdammter vergesslicher Nerdkopp! 850/1000

Tag 304: Ich finde es jedesmal wieder erstaunlich, wenn ich in einem Spiel, von dem ich denke, es zu können, noch etwas dazulerne. Nehme Anhäufungen von gleichen Noten hintereinander nicht mehr als einzelne Noten wahr, sondern als Dreier, Fünfer, wasauchimmer, und die Arme reagieren entsprechend. Hab bei RockBand 2 Fortschritte im Drumbereich gemacht, aber der Reaper wird immer noch gefeared. Scheiß-Zweiunddreißigstel. 870/1000

Tag 312: Aah, endlich! Nach ständigen Situationen des Immerwiederverkackens endlich das Solo geschafft und dann nur noch gebetet, diesen kackschnellen Beat am Ende zu halten. Und es klappte. Wie von allein. Könnte ich bestimmt nie wieder. Muss ich aber auch nicht. Im Vergleich waren die nächsten vier Songs auf dem nächsthöheren Level ein Witz, nur Run to the Hills geht natürlich gar nicht. Naja, andere Herausforderungen locken. Im Übrigen bin ich bei Rock Band 2 schon bei 975/1000, aber die Achievements sind da auch wesentlich freundlicher verteilt. Dafür fehlen mir da ganze 10 Songs auf Drum Expert, ist halt schon wesentlich schwerer. 880/1000

Tag 333: So, nach langwieriger Arbeit tatsächlich jede verkackte Location komplett durchgespielt. Da ich mangels Können damals die leichten Stages zuerst gemacht hatte, gab es nun eine Ballung an Songs, die immer und immer wieder kamen. The Hand that feeds und Train Kept A-Rollin’ kann ich gerne lange lange lange nicht mehr spielen. Jetzt fehlt nur noch ein Achievement, Drums Expert, nur noch Run to the Hills steht zwischen mir und den 1000. Krass eigentlich, ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dem gesetzten Ziel tatsächlich einmal so nahe zu kommen. Ob ich es wohl schaffe, bevor Rock Band: Beatles rauskommt? 950/1000

Tag 334: Rock Band 2 1000! Hmpf. Hätte ich mal darüber nen Artikel schreiben sollen, dann wäre der jetzt schon fertig. Und Blackened hab ich auch endlich hingekriegt. 950/1000

Tag 335: 68%. Ich habe das Gefühl, dass ich das schaffen kann. Ich werde immer noch besser an den Drums. 950/1000

Tag 345: Mal wieder verletzt, mal wieder krankgeschrieben, Gottseidank jedoch nur ob des Nichtpedalfußes. Klar, ruhigstellen und so, aber man kann ja trotzdem mal kurz so ein- oder paarmal RttH üben, oder? Und obwohl ich aufgrund eines Fire-Emblem-Rückfalls die letzten anderthalb Wochen überhaupt nicht gespielt habe, geht es gut. Ich hab den Bassdrumrhythmus mehr oder weniger drin, und der ist ja die halbe Miete, verkacke ich doch die meisten schweren Songs deswegen so schnell, weil ich nicht nur den Bass verpass, sondern kurz davor oder danach trete, was gleich zusätzlich Publikumsstimmung absaugt. Vier, fünf Mal verkackt, Scheiß drauf, nächstes Mal vielleicht. Spielste noch ‘ne Runde Foreplay/Long Time.
Aber dann hab ich doch noch mal gespielt. Und auf einmal war ich irgendwie durch. Die letzte Karriere auf Expert. Das letzte Achievement. Ich bin immer noch im Schockzustand. Was ne Reise. Langsam der Zerholzung entgehengehende Sticks, zwei gebrochene Pedale, eine Gitarre mit abgenudeltem Gitarrengriff und schlabbernder Strumbar und ein komplett ruinierter Körper. Das war es alles wert. 1000/1000

Tag 346: Und was mach ich jetzt? 0/1000

Express Yourself

Pac-Man. Mario. Max Payne. Drei Spielfiguren, die viel zu häufig für jeden Dreck als Beispiel für diese oder jene völlig abstruse und an den Haaren herbeigezogene Theorie eines Spieletextschreibers herhalten müssen. So auch diesmal, zumindest der arme Kerl ganz hinten im ersten Satz. Ich finde ja immer noch alles(!) an Max Payne 1 geil, beschränke mich aber für diesen Text auf eine Situation ganz am Anfang des Spiels, die etwa eine Sekunde dauert.

Die Ausgangssituation ist bekannt, oder? Okay, für die FluSimfreunde und Grognards da draußen: Max kommt nach Hause, Junkies töten Frau und Kind. Und dann gibt es einen kurzen Moment zwischen dem Erschießen des letzten Gegners und der nächsten Cutscene, in der Max, seine just erschossene Gattin erblickend “Please God, oh no… Michelle baby…” stammelt – wohlgemerkt während man ihn noch steuert. Denn seien wir mal ehrlich – als Spieler sind wir es gewohnt, dass in Cutscenes die phantastischsten Sachen möglich sind – da wird geknutscht, geflogen, spektakulärst gekillt und oft und gern auch einfach gelabert – größtenteils Sachen, die so nicht mehr möglich sind, sobald wir wieder die Kontrolle haben. Zwei Räume vorher, als wir das Zimmer mit der blutgetränkten Kinderwiege betreten, ist es wie üblich: Drei schnelle Schnitte, “Nononono” aus dem Off, dann sind wir wieder Max Payne, der nichts tut außer Töten (ingame, wohlgemerkt). Aber für diesen kurzen, oben erwähnten Moment spielen wir einen zutiefst verzweifelten Mann kurz vor einem hysterischen Weinkrampf, der gerade alles verloren hat. Und ich steuere ihn noch. Ich entscheide, ob er aus dem Zimmer flieht, ob er sich vor der Leiche hinhockt, wohin er blickt – und das berührt mich wesentlich mehr als professionelle Kameraführung zu trauriger Musik.

Eigentlich wollte ich auf was anderes hinaus, aber der Tod von Nebenfiguren ist, wenn mir diese Abschweifung erlaubt ist, wesentlich dramatischer, wenn man das Gefühl hat, sie durch das eigene Handeln hätte retten zu können (retten hätte zu können? hätte retten können ohne zu?). Nach wiederholtem Neuladen festzustellen, dass die eigenen Fähigkeiten,der Charakterlevel oder die verbleibende Zeit nicht ausreichen, dass man entweder das Opfer bringen oder das Spiel für immer zur Seite legen muss – das ist Dramatik, das sind wahre Gefühle. Blöd nur, dass die meisten Spiele den Verlust einer wichtigen Figur gleich mit Game Over quittieren und auch nur die wenigsten Designer es verstehen, uns eine Figur tatsächlich ans Herz wachsen zu lassen (ieh!). Aber zurück zum Hauptthema.

Ich weiß nicht, ob es am Alter liegt, an eventuell sich einstellender Vernunft oder Übersättigung, aber ich mag keine starken Standardhelden mehr spielen. So sehr sich manche Entwickler auch um Menschlichkeit und Emotionalität in Cutscenes bemühen, sind sie für den Spieler doch nicht mehr als Pausen im Schieß/Schlitz/Klopp/Springgeschäft. Da versucht die Spieleindustrie seit Jahrzehnten, dem Medium Kino immer näherzukommen (ob das nun ein vertretbares Ideal ist, sei mal dahingestellt), orientiert sich aber außerhalb der Zwischensequenzen maximal am Werk von Gus van Sant, denn wieviele Filme gibt es sonst, wo Charaktere minutenlang still vor sich hin wandern? Und trotzdem ist das gang und gäbe im Spielgeschäft. Warum unterhalten sich Ratchet & Clank nicht auch mal einfach so? Wieso sagt mein Vault Dweller keinen Ton, wenn er das erste Mal blauen Himmel sieht? Ich glaube gern, dass es unglaublichen Spaß macht, sich Oneliner auszudenken, aber ich würde wirklich gern mal was anderes von meiner Spielfigur hören. Es gibt ja auch Filme ohne Vin Diesel. Wisst ihr, was ich gern hätte? Einen weinenden Helden. Eine erbärmliche Figur, einen mit echten Problemen. Es gibt Beispiele in die Richtung, die Silent-Hill-Reihe fällt da ein, aber auch hier findet viel nur über Zwischensequenzen statt. Ist ja auch einfacher. Aber in Silent Hill 1, wenn man zu Beginn die Pistole kriegt, sich das erste Mal in Schussposition begibt und dann zweimal hinguckt, weil er die Waffe ja wohl derart merkwürdig hält – aber wie das Handbuch ausdrücklich erwähnt, der arme Mann hat noch nie eine Waffe in der Hand gehalten. Charakterisierung durch Animation, auf einen Schlag sowohl den Grusel- als auch den Sympathiepegel gehoben. Bam! Awesome.

Herrje, noch eine Abschweifung, man möge es mir vergeben, aber bezüglich des “Außerhalb der Cutscenes killt man eigentlich nur”-Actionspieldilemmas sowie dem Ausdrücken von Emotionen von Protagonisten kam mir eben noch ein Gedanke. Ich kann verstehen, wenn die bloße Erwähnung des folgenden Spiels euch schon aus Reflex zum Weiterscrollen bringt, da es sicherlich eins mit der höchsten Erwähnfrequenz in Spieleblogs ist, was ja zwangsläufig irgendwann zur Übersättigung führen muss, aber ICO ist halt unter anderem deswegen so ein Klassiker, weil die Hauptaktion da eben nicht Springen oder Kämpfen ist, sondern Händchenhalten. Mehr Gefühle geht doch gar nicht. Echt mal.

Zumindest in Spielen mit Coopmodus verbreiten sich zarte Pflänzchen der Kommunikation unter den Spielfiguren. Das Fistbumping in Army of Two, das brave Dankesagen in Team Fortress 2 oder Resident Evil 5 – klar, im Endeffekt sind wir das, die diese Aktionen auslösen, aber trotzdem erzeugen sie zumindest kurzzeitig die Illusion einer weniger isolierten, sterilen Spielwelt.

Und wenn halt gerade keiner zum Schnacken da ist, der obligatorische Funk- bzw. Astralverkehr gerade ausgefallen ist und man die ohnehin labile Natur des Protagonisten nicht auch noch durch Selbstgespräche verdeutlichen möchte – kein Problem. Animationen, wie oben bereits erwähnt, können ausdrücken, was Worten manchmal versagt bleibt. Das Merkwürdige ist ja, dass es im späteren Verlauf der 2D-Spielegeschichte wesentlich verbreiteter war, kontextspezifische Animationen zu nutzen, als heute. Natürlich fallen einem da gleich idle animations ein,  aber auch (u.a.) Sonics Kippeln an Abgründen zähle ich dazu. Mehr davon, bitte. Inzwischen haben ja auch Ego-Perspektivspiele verstanden, dass man nicht ständig nur die Waffe in der ewig gleichen Position halten muss, Mirror’s Edge (beste First-Person-Hände ever!) und Far Cry 2 gehen da gute Wege.

Wenigstens ist die Ära der vollkommen stummen Protagonisten weitgehend vorbei, Prey und GTA4 sind Beispiele, aber im Endeffekt ist man halt trotzdem immer noch dieser harte Macker mit Eiern aus Stahl, und das hab ich schon im echten Leben, wisst ihr? Dem Tod von Blutsverwandten oder der Jugendliebe wird nicht mit Gewinsel oder Leid gegenübergetreten, sondern mit männlichem NOOOOOOO-Gebrülle, das etwaige weibische Anflüge von Traurigkeit im Keim erstickt und in gute, testosterongeschwängerte Rachegedanken katalysiert. Nie Angst, nie Zweifel, nichtmal ein überraschtes “Huh?”, als ob das Triforce des Mutes zur Standardausrüstung gehörte. Und immer ein kesser Spruch auf den Lippen. Es kotzt mich an.

Solltet ihr die Spieler nicht mit negativen Gefühlsballast runterziehen wollen, liebe Herrn Entwickler, wenn komplexe Charaktere überhaupt nicht ins Konzept passen – okay. Aber dann gebt mir wenigstens Freude. Triumphierendes Gejohle nach einem Sieg über einen schweren Gegner. Ein “Phew!” nach einem Fastabsturz in eine Dornengrube. Gefeiere bei gefundenem Goldschatz, ein paar dankbare Worte, wenn man nach gefühlten Ewigkeiten in der Kanalisation wieder den Himmel erblickt – mann, inzwischen bin ich über jede Äußerung und jede Kopfdrehung dankbar, die signalisiert, dass der Typ, den ich da gerade durch die Pampa bewege, seine Umgebung überhaupt wahrnimmt. Aber da ist noch viel mehr drin als “Look at all that juice!”

Damit wir uns nicht falsch verstehen – ich habe auch keinen Bock, eine Figur zu steuern, die bei jedem Anzeichen von Gefahr wie Lego Indiana Jones auf Legoschlangen reagiert – und God of War mit nem Emo-Kratos wäre auch doof. Aber gebt mir wenigstens irgendwas, die Technik dafür ist doch da. Realistisch genug aussehen tun die Jungs und Mädels, jetzt macht bitte auch mal was fürs Herz. Und Zwischensequenzen zählen nicht.

(Oh mann, hätte ich eine koordiniertere Herangehensweise und würde pro Artikel bezahlt, hätte ich hierdraus locker derer drei machen können. Bleibt mir nur zu hoffen, dass ihr aus den Bereichen Protagonistencharakterisierung, Cutsceneproblemen und Toughguyattitüdenabneigung genug für euch zusammensammeln konntet, um die Lesedauer zu rechtfertigen. Für abweichende Meinungen und weitere Beispiele positiver und negativer Art nutzen Sie bitte die Kommentarfunktion.)