Monthly Archives: January 2011

Was nascht Cthulhu?

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Salt in the Wound

Um eindrücklich auszudrücken, wie sehr mich Magic: The Gathering auch in seiner XBLA-Fassung in den Bann zieht, lasst mich nur erwähnen, dass ich, seit ich vom dritten Addon erfuhr, vielleicht fünf Songs in Rock Band 3 gespielt habe. Wie ein Juggernaut muss ich immer vorwärts, immer weiter, bis die letzte Challenge gelöst, die Kampagne sowohl solo als auch Coop (mit mir an zwei Controllern) durch- und jede Karte in jedem verdammten Deck freigespielt wurde. Macht summa summarum, nur für dieses Addon wohlgemerkt, 92 Siege, erkauft durch eine nicht unbeträchtliche, aber wohlweislich ungezählte Anzahl von Niederlagen, Ragequits und Spielneustarts aufgrund von Landmangel selbst nach dem Mulligan.

Und dann gab es natürlich wieder Achievements zu erhaschen. Mit jedem Addon haben sich die Entwickler dankenswerterweise weiter vom Standard-Spielfortschritt-und-Multiplayer-Achievement entfernt. Das diesen Text betitelnde Achievement gab mir allerdings ein Rätsel auf – aber gut, so soll es ja auch sein. Ich zitiere: “An opponent’s last permanent left the battlefield”. Jeder, der sich irgendwann mal mit Magic im Allgemeinen und der XBLA-Version im Besonderen beschäftigt hat, wird jetzt ins Grübeln kommen: Zwar gibt es reihenweise Karten, die Kreaturen oder Artefakte vom Tableu… Tablau… Tisch fegen, aber an Land Destruction hapert es ganz gewaltig – was ich begrüßenswert finde, macht nämlich wenig Spaß, ohne Mana spielen zu müssen. Nach anfänglicher Skepsis entdeckte ich dann des Rätsels Lösung im Deck des Addon-Endgegners: Gigantische Kreaturen für 10 und 11 Mana mit einer mir neuen Fähigkeit: Annihilator.

Annihilator X bedeutet, dass die Kreatur, sobald sie angreift, den Verteidiger dazu zwingt, X permanents zu opfern. Die Diskussion über power creep bei M:TG können wir gerne später führen, für mich zählte zu diesem Zeitpunkt nur eins: Da das eineVieh Annihilator 4 hatte, brauchte ich nicht groß rechnen, um zu erkennen, dass drei, vier Angriffe wohl auch das letzte permanent vernichten und mir das Achievement bescheren würde. Also nahm ich mir das blaue Deck, schmiss alles Mögliche raus, was nicht dafür sorgte, dass ich zur rechten Zeit den Control-Zauber in der Hand haben würde, und machte mich ans Werk.

Ich überspringe jetzt einfach mal all die Versuche, in denen ich plattgemacht wurde, er das Vieh nie zog oder ich die verdammte Karte nicht bekam. Schlußendlich hatte ich Kontrolle über das 12/12-Ungetüm erlangt, ihn gar zweimal erfolgreich angegriffen, so dass er nurmehr 7 Länder und einen Verteidiger hatte. Awesome, dachte ich. Als Blau-Spieler fühlt man sich im späteren Spielverlauf ja relativ sicher (auch wenn es jetzt uncounterbare Schadenszauber gibt – wer macht denn sowas?), daher machte ich mir keine großen Sorgen. Ich griff also ein drittes Mal an, und der KI-Spieler auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad opferte drei Länder und seinen einzigen Blocker, nahm dadurch vollen Schaden und starb mit 4 Ländern und der Gewissheit, mir im Tod nochmal richtig einen verpuhrt zu haben.

Wäre ich nicht gerade wegen Mädchenblutdruck krankgeschrieben, hätte sicherlich ein Schwall Fluchwörter meinen Lippen durchkreuzt, aber so seufzte ich nur verdrießlich-resigniert und machte mich an den nächsten Versuch, wohlwissend, dass der genausogut wieder so enden konnte. Also, ich fang an, spiel ‘ne Insel, Gegner spielt ‘nen Berg, ich spiel noch ne Insel und boomerang ihm sein Land wieder auf die Hand, um seinen Manaaufbau etwas zu bremsen, ein Kumpel mit dem Namen Salt in the Wound geht online, er spielt wieder seinen Berg, ich spiel… äh, Moment. Um weiter aufzuzeigen, wie strunzdumm mein Gehirn ist, hier meine darauffolgenden Gedanken, in chronologischer Reihenfolge:

1. Das ist ein Bug.

2. Der weiß schon, dass ich das diesmal schaffe, und gibt mir das Achievement schon jetzt.

Und erst bei 3. habe ich den Zusammenhang begriffen, dass in der ersten Runde auch das Erste das Letzte sein kann und so. Wer weiß, wie lange ich da noch erfolglos rumgeeiert wäre, wenn ich nicht angefangen, wenn ich kein Boomerang auf der Hand gehabt hätte. Mehr Glück als Verstand. Wie immer.