Re: Zensionsexemplare

Es reichten die Besuche der ersten zwei Game Conventions, um meine blühende Zukunft als angesehender Spielekritiker im Keim zu ersticken. Dort kam ich das erste Mal in direkten Kontakt mit Menschen, die aktiv an den Spielen, die ich besprach, arbeiteten – ich hatte nie Kontakt mit Publishern etc., das lief immer über Dritte. Aber hier sprach ich halt mit ein paar PR-Menschen, ließ mir von  einem der Entwickler Parameter und Vivisector zeigen (jaa, die ganz großen Namen) und hatte generell viel Vergnügen.

Zwei Wahrheiten, zum besseren Verständnis: Ich bin emotional eine furchtbare Lusche; jeder Mensch, mit dem ich auch nur geringsten persönlichen Kontakt hatte, ist mir wichtiger als eine namen- und gesichtslose Masse. Als ich das Review von K. Hawk (DIE GANZ GROSSEN NAMEN!) schrieb, welches nur so mittel ausfiel, musste ich an den entsprechenden freundlichen PR-Menschen denken und bekam, so peinlich es auch ist, das zuzugeben, ein schlechtes Gewissen. Ich wusste, dass es ihr Job ist, nett zu sein, dass die den Text nie lesen und mein Einfluss auf die Verkäufe des Titels sich mit gutem Willen im einstelligen Bereich bewegte; nichstdestotrotz fühlte ich mich mies. Ich änderte das Review nicht, weil ich schon damals true und kredibel war, aber das Gefühl blieb. Und wurde schlimmer.

Dieses R.U.S.E.-Ding, wo Nille und ich waren? Fürchterlich. Alle viel zu nett, und ich mit viel zu wenig Ahnung von der Materie, um das Gute, was in dem Spiel steckte, würdigen zu können. Mir fehlt die Abgeklärtheit, dieser Filter im Kopf, der mir sagt, dass die den ganzen Zirkus nur veranstalten, um mich zu beeinflussen, damit ich euch beeinflusse, das entsprechende Spiel zu kaufen.

Das Gleiche gilt für zugeschickte Spiele. Ich bin schlichtweg nicht in der Lage, etwas geschenkt (jaja.. TANSTAAFL und so) zu kriegen und nicht dem Schenker Wohlwollen zu unterstellen – ich mein, ich hab das Actionbudegewinnspiel fair und Quadrat gewonnen, und trotzdem kann ich Yemeth nicht so vorbehaltlos hassen wie vorher, weil er mir halt ne Box mit Spielen geschickt hat, die ich wahrscheinlich nie anfassen werd (sorry dafür). So bin ich nun mal gepolt, und wenn dieses Geständnis jetzt dazu führt, dass mir jeder Hans und Franz Geschenke schickt, um meine Sympathie zu erlangen, muss ich lernen, damit zu leben. Ich hätte übrigens gerne ne PS3.

Jedenfalls hab ich deswegen eine Power-Rangers-Minispielsammlung durchgespielt,  zu viel Zeit mit diesem furchtbaren Spiel  verbracht (Keyboardbelegung von 40+ Tasten für ein Adventure. Da muss man auch erstmal drauf kommen) und auf einem deutlich zu lahmen Rechner Links 3 oder 4 gespielt, obwohl mein Wissen über Golf sich auf Leaderboard für den C64 und Happy Gilmore beschränkte. Das ist doch kein Leben!

Unter anderem darum schreibe ich keine Reviews mehr. Ich brauch diesen zusätzlichen emotionalen Ballast nicht; die Vorstellung von den enttäuschten Entwicklern, die über Jahre ihr Tagwerk einem Spiel opfern, an dem ich dann auf meiner wordpress-Seite vor dreißig Lesern kein gutes Haar lasse, ist schon schlimm genug. Wenn ich jetzt mal ein Spiel umsonst kriege, liegt meine einzige Verantwortung darin, es irgendwann dem freundlichen Leiher zurückzugeben, und sollte ich doch mal ein Spiel für Vollpreis erstehen, zögere ich auch nicht, knallharte und vernichtende Kritik zu äußern.

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7 responses to “Re: Zensionsexemplare

  1. balkantoni

    Schöner Text. Aber mal was Anderes: Was war deine Adresse nochmal. Ich wollte dir was schicken.

    LÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖLZ!

    Nun im Ernst: Aus verwandten Gründen versuche ich Geschmackdiskussionen bei uns zu dämpfen.

  2. Hehehe. Das mit den Spielen macht nix, bei uns lagen sie ja auch nur rum… einfach weiter verlosen. ;)

  3. mach dir nix dras, oberflächliche rezensionen von weitestgehend ahnunglosen hobby-“redakteuren” (ja, ich mein euch clowns) gibt’s eh mehr als genug. ausserdem hab ich dir ein spiel geliehen. spiel es und finde es gut. oder nicht. mir doch egal =)

  4. Warum karren wohl immer mehr Publisher die Journalisten zu “exklusiven” Events o.ä…. “TANSTAAFL “, wieder was gelernt. Aber welches furchtbare Spiel meinste?

    PS: Wird das Verlosen von Games unter Blogs wie das Flattern? :-)

  5. Ahh, da hab ich wohl den Link falsch copypasted. Sollte wieder funktionieren.

  6. Schöner Artikel. Generell finde ichs aber okay seine Meinung zu einem Spiel zu formulieren. Maßgeblich für das potentiell schlechte Gewissen ist aber sicher die Form und der Umgang mit dem Werk eines anderen. Sehen wir uns mal die Zahlenzombies an, die nur prozentual denken: Da kann nicht viel bei rumkommen, gerade weil laufend mit einer Vergleichsskala im Kopf hantiert werden muss, die schnell schrecklich technisch wird. Das hat wirklich nichts mehr mit der persönlichen Wiedergabe eines Werks, als mehr mit der nüchternen Kaufberatung zu tun. Schlimm wirds aber erst, wenn man bemerkt, dass ein Verriß ja eine ganz fantastische Masche ist, um seinen Artikel zu verkaufen. Kennt ihr die “Angry Joe“-Show? Abgesehen davon, dass dies zumindest meiner Meinung nach ein fürchterliches Format ist, ist es auch ein mieser, respektloser Umgang mit Spielen, die nur zur Belustigung anderer dient. Wäre ich ein Entwickler, ich wäre vermutlich gekränkt. Wäre ich Joe, ich würde mich vermutlich schämen. Dann lieber gar nicht.

  7. Abgesehen davon, dass ich eh kein sonderlicher Freund von Negativität aus Gründen der Negativität bin und Copycats generell nicht leiden kann (aber der Angry Video Game Nerd war halt einfach zu erfolgreich, um nicht imitiert zu werden), sind mir Videoreviews eh zuwider. Autor oder Thema müssen schon ausgezeichnet sein, damit ich einen 2000-Wort-Text vollständig lese (GENERATION ADS); das Vielfache des Zeitaufwands damit zu verbringen, unbeholfenen bis unlustigen Menschen beim Rezitieren ihrer fragwürdigen Texte zu betrachten, reizt mich nicht – ich bin einfach nicht die Zielgruppe. Bei Podcasts kann man wenigstens noch nebenher was anderes machen.

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