Monthly Archives: November 2011

Bitte gebt mir nur ein Wort

So, nach den ganzen Gratistexten hier auf Allerlei Blei wird es jetzt auch mal Zeit, dass ihr was für mich tut. Wie sicherlich dem einen oder anderen schon aufgefallen ist, versuche ich mich in unregelmäßigen Abständen leidlich an Prosa. Da ich aber leider nur ein Mensch mit äußerst limitierter Kreativität bin, bleiben mir auf Dauer nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich schreibe auch einen Achthundertseiter über eine Fantasyrasse meiner Wahl (“Die Grottenschrate”) oder ich suche mir meine Inspiration anderswo. Und da kommt ihr ins Spiel.

Der Plan sieht so aus: Ich schreibe adventskalendermäßig vom 1. bis zum 24. Dezember täglich eine Geschichte, und wenn sie nicht gar zu kacke ist pack ich sie auf Allerlei Blei. Zugegebenermaßen sehe auch ich nicht, wo jetzt euer Vorteil liegt, aber jetzt ist doch eh bald die Zeit der Selbstlosigkeit, und außerdem müsst ihr ja auch wirklich nicht viel tun.

Alles, was ich von euch erwarte, erbitte, erflehe ist, dass ihr mir per Kommentar, Twitter oder Mail exakt ein (1) Wort mitteilt, welches dann die Basis oder zumindest ein Teil einer der sehr kurzen Geschichten werden wird. Sollten wider Erwarten mehr als 24 Wörter zusammenkommen (und anhand meiner früheren Leseraufrüfe weiß ich, wie utopisch das ist), werden solange zufällig zwei kombiniert, bis wir wieder bei 24 landen.

Die Wortart ist relativ egal, gern gesehen sind Nomen, Verben gehen auch, Adjektive sind mehr so mittel und alles andere verordne ich als Verarsche, aber feel free. Die Worte müssen weder kreativ noch ausgefallen sein, das sind meine Geschichten schließlich auch nicht. Ich sag schonmal im Vorraus brav “Danke” bzw. “Mann ey, wieso schreibt mir denn kein Mensch was?” und harre der Dinge, die da kommen.

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Going in blind

Es gibt eine Sache, die ich schon viele Jahre mit mir herumtrage, zu ängstlich, sie zu veröffentlichen. Weil ich weiß, dass ihr alles Penner seid, die sofort Schindluder mit ihrem neugewonnenen Wissen treiben. Seis drum, ich schreibe es nun frei heraus: Ich bin etwas, ein ganz kleines bißchen überempfindlich, was Spoiler angeht. Nur ganz wenig. Nur so sehr, dass ich mir auch in der Öffentlichkeit die Handflächen auf die Ohren drücke und LALALALA schreie, wenn jemand über eine Serienfolge spricht, die ich noch nicht gesehen habe. Nur so sehr, dass ich jeden Thread, jeden Trailer und jedes Review über interessante Spiele meide, bis ich komplett durch bin. Nur so sehr, dass ich Twitterern zeitweise entfolge, die anscheinend nichts Besseres zu tun haben, als jedes kleinste Element ihrer Spielerfahrung in die Welt herauszuschreien (Hallo, Aulbath).

Nichtsdestotrotz ist es selten, dass ich nicht doch zumindest etwas über ein Spiel weiß: Vielleicht hab ich die Demo gespielt, nen Trailer gesehen odervon SpielerEins was erzählt bekommen, bevor ich wusste, dass ich interessiert bin. Bei Dark Souls war es diesmal aber tatsächlich so, dass ich nichts, aber auch rein gar nichts wusste, außer dass es der inoffizielle Nachfolger zu Demon’s Souls sei, ein Spiel, dem ich schon lange, aber in Ermangelung einer PS3 vergeblich hinterhersabberte. Ich hatte nie einen Screenshot gesehen, wusste nur grob das Genre und von dem gemunkelten Schwierigkeitsgrad. Ich kaufte mir die Version ohne Strategy Guide und Artbook (ja, auch ein Artbook begreif ich als Spoiler) und begann zu spielen.

Es gibt einige Spiele, die stark dadurch gewinnen, völlig vorbehaltlos gespielt zu werden. Bastion ist ein gutes Beispiel dafür, was auch der Grund war, warum ich nie darüber schrieb. Ich stehe total darauf, ein Spiel selber entdecken zu können, und mit Dark Souls habe ich diesbezüglich den Jackpot gezogen. Denn so schlecht, wie hier alles dokumentiert ist, so wenig, wie der Spieler hier an die Hand genommen wird und ihm die Richtung gezeigt wird, gab es reichlich zu erforschen.

Ich spielte sicherlich bereits vier Stunden, als ich herausfand, dass man springen kann. Ich trug 84 Stunden lang Gegenstände mit mir rum, von denen ich keinen blassesten Schimmer hatte, was ich damit anfangen sollte, schmiss aber in den ersten Stunden unglaublich viel weg, weil ich nicht wusste, dass man später Waren verkaufen kann; lief ewig im Kreis rum, starb wieder und wieder UND WIEDER, vergeudete Abertausende von Seelen, fiel wiederholt aus Blödheit von Klippen, begriff die ganze Zeit nie so wirklich, was sich jetzt storytechnisch eigentlich abspielte und hatte mehr Spaß als dieser Absatz je erwarten ließe.

Denn Dark Souls beherbergt eine der schönstdesignten Welten, die ich je besuchen durfte, voller Schlupfwinkel, versteckter Pfade, Illusionswände, Abkürzungen, “Hä wieso bin ich wieder hier ACH SO”-Momenten, fantastisch phantastischen Gebieten voller Einfallsreichtum und Abwechslung, behaust von Monstermassen, aber ohne einen einzigen Elf oder Ork, und fast all dies ist von Beginn an frei erkundbar, einzig begrenzt von der eigenen Fähigkeit zu Überleben.

Doch Dark Souls wird diese Fähigkeit auf eine harte Probe stellen, und es ist sich auch nicht zu fein, dir ab und an einen Stock zwischen die Beine oder einen Stein an die Birne zu werfen. Du wirst deinen gesamten Spielfortschritt der letzten halben Stunde verlieren, weil du unvorsichtig warst, nicht auf deine Healthanzeige geachtet oder die falsche Taste zum denkbar falschesten Zeitpunkt gedrückt hast. Und du wirst das Spiel hassen, wenn du verflucht im Verlies an irgendeinem Bonfire mit lächerlichen 5 Estus Flasks sitzt, beim Versuch den Himmel wiederzusehen tausend Tode sterbend. Du wirst auf das Spiel schimpfen, wenn jeder Weg nach vorne an einem scheinbar unbesiegbaren Gegner endet und geistloser Grind dir die einzige Lösung erscheint. Du wirst frustriert die Konsole ausschalten, weil du keinen Bock hast, den ganzen Weg erneut zu gehen, nur um wieder an der gleichen Stelle zu verzweifeln.

Oder du liest Strategy Guides und Wikis, erfährst so die einfachsten Stellen zum Farmen, wie man sich unendlich Waffenverbesserungsshards glitchen kann und welcher Build der Geeignetste für deinen Spielstil ist.

Aber dann wirst du nie begreifen, dass es nicht Seelen sind, die den Spielfortschritt ausmachen, sondern dein eigenes Beherrschen der Spielmechaniken. Du wirst nicht diese unerhörte Befriedigung verspüren, es entgegen aller Erwartungen doch geschafft zu haben, den Endgegner zu besiegen, dem Kerker zu entkommen oder diese unglaublich gute Rüstung gefunden zu haben. Du wirst dir nie an verwundert gegen die Stirn schlagen, wie du diese Feuerstelle, so kurz vor der so schweren Stelle, übersehen konntest, und durch sie neuen Mut schöpfen.

Und das ist total nachvollziehbar. Es braucht eine bestimmte Art Spieler, wieder und wieder frohgemut gegen diese Backsteinmauer namens Dark Souls anzurennen, immer in der Hoffnung, dass diesmal die Fontanelle härter als das Mauerwerk sei. Tatsächlich fordert das Spiel dies gar nicht. Man hat bei jedem Bossgegner die Möglichkeit, sich die Hilfe anderer Spieler herbeizurufen, die meist mächtig genug sind, um ihn in wenigen Sekunden zu vernichten, während man selbst sich das Ganze aus der sicheren Entfernung anschaut. Zudem sind überall Nachrichten anderer Spieler zu finden, die zwar oft irrelevant oder trügerisch sind (so sprang SpielerEins zu meinem Vergnügen von einer Klippe, weil eine Nachricht ihm versicherte, dass dort ein Schatz auf ihn warte), aber auch wertvolle Hinweise bezüglich Taktiken, Geheimgängen und Schätzen liefern.

Was mich wegen anfangs erwähnter Spoilerangst dazu zwang, durchgehend im Offlinemodus zu spielen. THE SPOILERS ARE COMING FROM INSIDE THE GAME.