Keine Best-of-2011-Spieleliste

Eigentlich wollte ich hier und jetzt meinen selbstgeschriebenen Lieblingstext 2011 verlinken und so noch mal ins rechte Licht rücken sowie Euch, liebe selberbloggende Leser, dazu auffordern, selbiges mit Euren eigenen Texten zu tun, auf dass man hier eine kleine Auswahl der, zumindest von Autorenseite so betrachteten, besten Texte der deutschen Spielebloglandschaft 2011 hätte finden können. Das wäre natürlich schon allein an der lächerlich kleinen Anzahl von Lesern gescheitert, ging aber zu meiner Überraschung schon vorher schief. Beim Durchschauen der von mir im letzten Jahr geschriebenen, spielebezogenen Texte fiel mir nämlich zweierlei auf:

– Ich schrieb exakt über zwei aktuelle (read as: von 2011) Spiele, und
– sie sind alle nicht der Weisheit letzter Schluss.

Das soll jetzt wahrlich kein fishing for compliments werden, weil ich meinen Kram generell für gut befinde, und mit einigen Elemente auch sehr zufrieden bin: Wie der Civilization: Revolution-Text zu einem Ganzen zusammenwuchs, obwohl ich ihn über viele Monate verteilt um- neu- und schrieb; die Reaktionen, die auf den Limbotext folgten, und mir zeigten, dass, zumindest in diesem kleinen Kreis, nicht nur über den neuesten Kram geschrieben werden muss, um anzusprechen; die Struktur des Dark-Souls-Texts, einer der wenigen Fälle, wo ich mit dem Übergang von Absatz zu Absatz sehr zufrieden bin; der Schlusssatz des Texts über Dr. Robotnik’s Mean Bean Machine.

Aber für jeden geschriebenen Text gibt es zwei, die immer noch zwischen Hirn, Texteditor und mit Bleistift bekritzelten Zetteln auf ihren Moment im Rampenlicht warten, und ich glaube schlicht, dass viele von ihnen besser sind als die, die den Weg in den Blog fanden – zumindest inhaltlich, denn was die Form angeht, scheine ich zu stagnieren.

Zudem habe ich nicht das Gefühl, die Art Texte zu schreiben, die ich gerne lesen möchte, hauptsächlich, weil ich gerne schlaue Sachen lese und selber ziemlich dümmlich bin. Aber neben dem reinen Intellekt fehlt es an noch mehr: Ich will korrekte, fehlerfreie Texte schreiben, aber bin zu faul, fürs Factchecking mehr als Wikipedia und Google zu benutzen. Ich würde gern mehr Hands-on-Erfahrung mit bestimmten Genres haben, kann mich aber nicht aufraffen, Spiele nur aus diesem Grund zu spielen. Ich hätte große Freude an einem Verriss, vermeide aber schlechte Spiele, so gut ich kann.

Und dann ist da natürlich noch die allesbeherrschende Schreibblockade, die mich so gut sie kann daran hindert, geplante Texte tatsächlich fertigzustellen. Von allen im letzten Jahr veröffentlichten Texten war nur der über CivRev geplant, die anderen entstanden in den viel zu seltenen Schüben der Schreiblust, oftmals direkt nach dem Durchspielen oder nur wenige Momente vorher eingefallen . Was dann eben dazu führt, dass sie weitestgehend aussagefrei sind, nicht mehr als die persönliche Meinung des Autors widerspiegeln und im gleichen klumpigen Jargon geschrieben sind wie dieser Text hier. Besonders ärgerlich ist dies natürlich, wenn der Text zu einem Zeitpunkt ersonnen/begonnen wird, wo das Spiel noch aktuell oder zumindest noch relevant ist, nur um dann mehrere Jahre ungenutzt im Hirn rumzuliegen. Interessiert sich wirklich noch jemand für die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Kane & Lynch: Dog Days und Army of Two: The 40th Day? Erinnert sich noch irgendjemand so exakt an die Story von Alan Wake, dass er eine Interpretation derselbigen lesen mag?

Ich habe 2011, im ersten vollen Jahr Allerlei Blei oft auf zweitklassigen Krams zurückgegriffen, uralte Reposts, Nichtspielerelevantes und wirklich zu viele und vor allem zu schlechte Wordspiele. Ich werde jetzt nicht den Fehler machen und so tun, als ob sowas in Zukunft ausgeschlossen wäre – meine Inkonsequenz ist beachtlich (das einzige, worauf man sich verlassen kann, sind die regelmäßigen, gleichzeitig selbstbeweihräuchernden und -mitleidigen Jahresabschlusstexte). Gerade daher finde ich es aber auch schön, dass ich es, wenn auch nur mit obengenannter B-Ware, geschafft habe, mit Ausnahme des Mais jeden Monat wenigstens etwas zu veröffentlichen – das war bei Polyneux und spielerdrei.de nicht so.

Ich fühle mich hier in diesem grauen Pfuhl des fehlenden Designs ganz wohl und freue mich ernsthaft über eure Kommentare. Tut mir auch echt leid, dass das mit den 24 Worten bis Weihnachten nicht so geklappt hat, wie ich es erhofft hatte – es fällt mir schwer, anderen begreiflich zu machen, wie lähmend, wie einflussreich diese Schreibblockade ist, ohne lächerlich zu klingen. Ich hab alle Worte jedenfalls noch und schmeiß sie nicht weg, bis ich aus mindestens fast jedem einen Text rausgepresst habe. Zu “Schweifhaube” fällt mir bis 2018 bestimmt was ein.

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12 responses to “Keine Best-of-2011-Spieleliste

  1. Ich erinnere mich zwar nicht mehr an alle Details der Alan Wake-Story, aber Interpretationen lese ich generell eigentlich ganz gerne. Und davon mal abgesehen freue ich mich, dass du hier deinen Platz scheinbar gefunden hast und wir nicht auf deine Texte verzichten müssen. Mal sehen was dieses Jahr alles bereithält, egal ob es sich um aktuelle oder ältere Themen handelt, sonst wäre es ja zu wenig Allerlei. :)

  2. Könnte ich bis auf das Factchecking auch ziemlich über mich sagen. Solange die Liste der ungespielten Games aber größer als die der ungeschriebenen Texte ist, ist’s erträglich :-).

    PS: Ich mag auch Texte über ältere Dinge.

  3. Nachdem ich diese Woche ALAN WAKE endlich mal zuende gespielt habe, würde ich mich über Deine Interpretation enorm freuen.

  4. Ich hab’s bisher immer so gehalten ,dass ich über das geschrieben habe, worüber ich auch wirklich schreiben wollte. Wenn ich halt unbedingt meine Gedanken zu einem fünf Jahre alten Film loswerden wollte, dann stört’s mich auch null, wenn jemandem dieser Film zu alt oder was sein könnte.
    Hab’ den erst vor paar Tagen bei Polyneux verlinkten Text über Portal 2 geradezu verschlungen. Der Text hätte auch vor ‘ner Woche veröffentlicht worden sein können, er hätte dennoch seine Berechtigung.

    Die Sache mit der Schreibblockade bzw. -unlust kann ich nachvollziehen. Bringt nichts, sich ‘nen Text aus den Rippen zu leiern, den man am Ende selbst nicht gutfindet. Lieber Quali- statt Quantität.

  5. Missingno.

    Taugen die Magic-Spiele eigentlich etwas um das Spiel zu lernen oder sind die nur für fortgeschrittene Spieler gut? Aus den vielen Review-Addon-Dingern bin ich nicht schlau geworden und auch die verlinkten Kartentexte werfen höchstens noch mehr Fragen auf.

  6. Oh, auf jeden Fall. Es gibt ein brauchbares Tutorial, und die ersten Decks sind auch sehr simpel zu spielen. Bereite dich nur vor auf viele Niederlagen anfangs, sowie auf ganz ganz ganz viel Kartentextlesen. Das Spiel ermöglicht aber auch durch den Coopmodus recht effektives Coaching, wenn du also jemanden in deiner Freundesliste hast, der das Spiel beherrscht, kann das äußerst hilfreich sein. Nimm nur nicht Manu, der kann nix.

    Die Texte waren absichtlich so einsteigerunfreundlich gehalten, weil ich mir so das Gefühl geben konnte, von irgendwas Ahnung zu haben. In Wirklichkeit hab ich ich seit über 10 Jahren kein echtes Magic gespielt, ich hab keine Ahnung, was in der Zwischenzeit in Sachen Combos, Deckzusammenstellung, Strategien und Metagame passiert ist.

  7. Ich mag solche Texte am liebsten, wenn einem die Leute an ihren Gedanken teilhaben lassen und man merkt es geht doch allen gleich. Auch wenn ich nur selten kommentiere, ich lese hier gern, mach einfach so weiter.

  8. Missingno.

    Gut, dann schaue ich mir mal die Demo an. Leider habe ich weder eine Goldmitgliedschaft noch Freunde, was Coop-Coaching quasi unmöglich macht. ;)

    Ich habe für mein not-so-smartphone einen Magic-Klon (Wagic – The Homebrew), allerdings gibt es da überhaupt kein Tutorial und die Steuerung ist auf Gamepad ausgelegt. Ich habe es immerhin geschafft Permanents (also Länder) zu spielen und irgendwelches Mana zu ernten. Aber damit kommt man auf Dauer nicht weit. :D

  9. balkantoni

    Hattest du nicht mal empörelnd die Augenbrauen wegen einer meiner zweijährigen Best-of-Shodanistan-Listen gehoben? Haha, serves you right, sucka!

    Schreibblockade? Mach’ viel mehr Sport.

    (Joggen ist kein Sport. Du weißt genau, was Sport ist, Longa.)

  10. balkantoni

    So was von nicht.

    (Auch kein “Jumpstyle” oder “Melbourne Shuffle”, oder was du so magst!)

  11. I’m a lover, not a fighter, dude.

    Außerdem hab ich von dir angesprochenen Kommentar noch mal begutachtet, und empört geht anders, schließlich hatte ich damals schon mein verwandtes Verhalten angesprochen. Also.

Gratiskaramell?

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