Das beste Kinect-Spiel auf der ganzen Welt: Eine Auflistung

Das beste beste Kinectspiel auf der ganzen Welt (was zugegebenermaßen damning with faint praise ist) ist Dance Central, und das hat mindestens drei Gründe.

1. Es funktioniert ohne  Kinect nicht. Ich weiß, ich bin mit dieser Meinung nicht allein: Wenn ich eine Aktion per Geste oder per Knopfdruck auslösen kann, nehme ich jedesmal den Knopf. Vielleicht macht es Kindern mehr Spaß, Aktionen durch Gesten auszulösen – mir ist die hundertprozentige Akzeptanz der Eingabe wichtiger als eine etwaige gesteigerte Identifikation mit meiner Spielfigur durch das Imitieren ihrer Bewegungen. Hingegen ist es schlichtweg nicht vorstellbar, DC mit irgendwas außer Kinect (oder vielleicht fünf Move-Controllern, von denen drei an die Füße/den Arsch getaped werden) zu spielen.

2. Es bringt dich dazu, dich zu bewegen, wie du dich nie bewegt hast. Ihr werdet eure Hüfte nie wieder mit den gleichen Augen betrachten. Während man bei der Konkurrenz unmotiviert mit der ausgestreckten Hand hin und her wischt, schüttelst du hier alles was du hast in nicht enden wollenden Variationen, und da man sich dabei nicht siehst, kommt man sich dabei entgegen aller Wahrscheinlichkeit sogar ziemlich cool vor. Zugegebenermaßen sollte man jedwede Tough-Guy-Attitüde vor dem Spiel ablegen, ansonsten stellt man spätestens bei Dip It Low (Hula!) oder Move Your Body (Teapot!) seine sexuelle Identität in Frage.

3. Dir beim Spielen zuzuschauen ist verdammt witzig und/oder merkwürdig interessant erotisch für eventuelle Mitbewohner/Lebenspartner/Spanner.

4. Für den vierten Punkt hole ich etwas weiter aus: Es gibt meiner Erfahrung nach drei Phasen im Spielen eines Prügelspiels. In der ersten Phase lernst du die Tastenbelegung und die Grundmoves, Schläge, Tritte, Würfe, wenn du schlau bist Block. Du probierst ein paar Figuren aus und nimmst dann die, die am Coolsten aussieht oder die einfachsten Special Moves hat. In Phase zwei schaust du etwas genauer in die Movelisten, lernst Combos, dir wird klar, dass es Tiers gibt, du verstehst Counter und weißt, wie du die diversen Leisten zu deinem Vorteil nutzen kannst. Du spielst mit fast allen Figuren gut. Über Phase drei kann ich nur in der Theorie sprechen, weil ich selbst diese nie erreicht habe: Hier dreht sich alles um Cancels, Cheese, Frames, Teamzusammenstellung, Metagame und welcher Kämpfer gegen welchen gut ist. Du entwickelst selber Combos und spielst nur noch mit einer Figur. Und  online, weil deine Freunde keine Lust mehr haben, gegen dich zu verlieren. Phase 4 ist irgendwas mit Ameisen.

In jede Phase nimmst du die vorher gelernten Elemente mit, ja, die Beherrschung ihrer ist die Grundvoraussetzung für den Aufstieg. Und genauso sind die Schwierigkeitsgrade in Dance Central zu sehen: Du spielst einen Song auf Leicht, tanzt deine Choreographie, lernst die Schritte. Spielst du dann auf Medium, wird dir klar: Du machst immer noch die gleichen Schritte, aber plötzlich kommen ein Haufen neuer Moves dazu, andere werden variiert. Das funktioniert natürlich nur, weil die Choreos trotzdem auf jedem Schwierigkeitsgrad funktionieren: Im Gegensatz zu Rock Band oder Guitar Hero hast du auf Leicht nie das Gefühl, dass du nur jede zweite Note spielst/tanzst. Hättest du gleich auf Schwer begonnen, nähme dir die schiere Menge an verschiedenen Moves jegliche Motivation – wenn du dich aber die Leiter hocharbeitest, kannst du jeweils die Hälfte schon, und du erkennst, dass alles, was du bisher kanntest, nur Teil von etwas viel Größerem ist. Voll die religiöse Grenzerfahrung, wenn man auf sowas steht.

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7 responses to “Das beste Kinect-Spiel auf der ganzen Welt: Eine Auflistung

  1. Missingno.

    Soll die Bonus 4 (gleich doppelt) ein Running Gag sein?

    1. Es funktioniert ohne Kinect nicht.

    Naja, natürlich würde es auch ohne Kinect funktionieren, das zeigt ja z.B. Just Dance. Klar, dabei kann man auch nur auf der Couch sitzen und mit der Wiimote fuchteln, was aber im Sinne von 2., 3. und dem Spiel langweilig ist. (Zugegebenermaßen aber manchmal besser funktioniert als das tatsächliche Choreografieren.)

    Wie ordnest du eigentlich die fehlende Rückmeldung ein? Man hat ja angeblich keine Kontrolle darüber, was man jetzt warum wie falsch gemacht hat.

  2. “Soll die Bonus 4 (gleich doppelt) ein Running Gag sein?”

    Nein, bei der ersten Aufzählung steht ja mindestens, und bei der zweiten ists ein Filmgag.

    “Naja, natürlich würde es auch ohne Kinect funktionieren, das zeigt ja z.B. Just Dance. Klar, dabei kann man auch nur auf der Couch sitzen und mit der Wiimote fuchteln”

    Und das nennst du funktionieren? Nein Mann. Wenn ein Spiel mir sagt, ich wäre erfolgreich, obwohl ich was ganz anderes mache, dann ist das vielleicht was für die lustige Teenieparty, aber nichts für mich. Deswegen war die Samba de Amigo-Variante für den Wii auch schlichtweg miserabel, weil die Wiimote im Gegensatz zu den Dreamcastrasseln schlichtweg keine Ahnung hatte, wo sie jetzt gerade gehalten wird. Wenn ich schon dusselig durch die Wohnung turne, dann auch bitte so wie erwünscht.

    “Wie ordnest du eigentlich die fehlende Rückmeldung ein? Man hat ja angeblich keine Kontrolle darüber, was man jetzt warum wie falsch gemacht hat.”

    Stimmt nicht, am Vortänzer wird das von dir falsch bewegte Körperteil rot markiert – man vergisst gerne mal, bei komplizierteren Schrittfolgen drauf zu achten, was die eigenen Arme machen, zum Beispie. Es gab ein paar Moves, die ich auch in Zeitlupe und Dauerschleife nicht richtig hingekriegt habe, aber ich bin noch nicht gut genug um zu behaupten, dass dies am Spiel läge. Die Erkennung soll im zweiten Teil nochmal ein Stück besser sein, aber den hab ich bisher noch zuwenig gespielt, um das selber beurteilen zu können.

  3. Missingno.

    Dann “funktioniert” Guitar Hero / Dance Dance Revolution ebenso nicht, weil ich das mit einem Standard-Controller daddeln kann (und nicht, weil es durch den Controller nur Vereinfacht abgebildet wird)?
    Wenn ich bei Just Dance durch die Wohnung turne, funktioniert es ja. Ich muss es nur nicht wie bei Dance Central und Kinect.

  4. Der Vergleich hinkt. Bei Guitar Hero/DDR sind die Spezialcontroller ja auch nur anders angeordnete Knöpfe (auch wenn man sich jeden imho jeden Spielspaß nimmt, wenn man die Dinger mit Controller spielt). Aber Dance Central guckt ja eben nicht nur, ob du dich gerade nach links oder rechts bewegst, sondern eben, was jedes deiner Körperteile macht, wie sich dein Kopf und deine Hüften bewegen – und zwar alles analog, will sagen nicht nur ob, sondern auch wie weit, wie schnell etc. Das ist mit nem Controller eben nicht machbar. Und klar, man könnte das System vereinfachen und all die Bewegungen weitestgehend optional machen, wie es Just Dance macht – aber stell dir mal vor, wenn es bei Guitar Hero egal wäre, welche Knöpfe man drückt, solange man drückt – wäre das noch Spaß? Ich zuumindest will auch die Herausforderung, wenn ich einfach so rumhüpfen will, kann ich auch tatsächlich ausgehen.

  5. Missingno.

    Also wir können uns gerne darauf einigen, dass es mit Kinect (oder einem ähnlichen System – fünf Leuchtdildos) besser bzw. in Betracht auf die verfügbaren Eingabemethoden am besten funktioniert. Wenn ich mich und das Spiel bescheißen will, fallen mir auch bei Kinect Möglichkeiten ein. Z.B. eine Marionette vor der Kamera tanzen lassen. Das macht es _mir_ nicht einfacher aber es würde schon mal von der Couch aus gehen. Deswegen kann das meiner Meinung nach kein Kriterium sein.

    aber stell dir mal vor, wenn es bei Guitar Hero egal wäre, welche Knöpfe man drückt, solange man drückt – wäre das noch Spaß?

    Du meinst wie bei LEGO Rock Bands Super Easy? ;) Mir würde es keinen Spaß machen. Aber daraus kann man ja keine allgemeingültige Aussage machen. Es soll auch Leute geben, die mit Aimbot & Wallhack Spaß in Ego-Shootern haben, obwohl man dann nur noch planlos durch die Map laufen muss.

    Mit “funktioniert” hatte ich eben die Aussage verbunden:
    – man legt das Spiel ein
    – man gibt $Person den Controller / stellt sie vor Kinect
    – $Person macht lustige Sachen vor dem TV (und wird dafür bewertet)
    Unabhängig davon, wie einfach oder unmöglich ist, den “Spaß” zu umgehen. Wenn ich jemanden da habe, der überhaupt keine Lust zum Tanzen hat, dann wird der auch mit Dance Central und Kinect auf der Couch sitzen/liegen bleiben, eventuell bisschen mit dem Arm rudern und sagen “tolles Spiel, lass uns etwas anderes machen”.

  6. Ja. Äh? Das ist doch auch so. Ich hege den Verdacht, dass ich nicht verstehe, worauf du hinaus willst. Ich mache hier ja keine allgemeingültigen Aussagen, sondern spreche nur für mich selber. Mit funktionieren meinte ich hauptsächlich, dass man eben nicht wie bei vielen Kinectspielen das Gefühl hat, dass das Kinect mehr Hindernis ist als Hilfe ist. Ob Kinect jetzt beschummelbar ist – bestimmt, aber ich sehe keinen Sinn darin.

  7. Genau so etwas wollte ich hören bevor ich mir ein Kinect zu lege. Für mich hat z.B. das Prügelspiel des ersten EyeToy nicht funktioniert, weil man auch einfach ohne Hinzusehen die Arme kreisen lassen konnte. Dem Spiel ist völlig wurscht was und in welche Richtung bewegt wird.
    Darum habe ich bisher immer noch Dancing Stage auf der PS2 vorgezogen. Da wird der Knopp gedrückt/gestampft oder eben nicht (ebenso bei GH, RB usw.). Man muss das schon richtig machen, wenn man es richtig machen will – und dieses Gefühl hatte ich noch nie bei den Kamera-Bewegungsspielen (auch nicht bei der Wii).
    Ums Beschummeln geht’s mir da auch nicht so sehr, sondern darum, dass ein Spiel auch wirklich das leisten/messen kann, was es vorgibt zu können.

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