Mein erster Sex*

“Also, was haben wir?”

“Drei Tote in der Penthouse Suite des Regency. Todeszeitpunkt ungefähr
16:15. Täter, Tatwaffe und Motiv noch unbekannt.”

“Wer waren die Opfer?”

“David Crane und zwei seiner Leibwächter. Wir gehen davon aus, dass Crane
das eigentliche Ziel war.”

“David Crane… war das nicht der, der was mit der Schauspielerin hatte? Die
aus dem Dings. Ach, ich komm nicht drauf.”

“Nee. Crane war der Rockstar, der letztens in dieser Talkshow den Affen
gemacht hat. Meine Sohn ist ein großer Fan.”

“Crane, hmm. Nee, keine Ahnung. Todesursache?”

“Bei ihm und dem einen Bodyguard Explosionsmunition, da bleibt nicht viel
über. Tatwaffe noch unbekannt.”

“Hmm, und der andere?”

“Axt im Bauch.”

“Autsch. Alleine gegen zwei Profis? Unser Täter war entweder eiskalt oder
völlig verrückt. Weitere Einschusslöcher?”

“Eins im Fahrstuhl, die Kugel passt zu der Waffe des einen Bodyguards.
Ansonsten nichts. Der Killer war gut.”

“Sonstige Spuren? Fingerabdrücke, sowas?”

“Soweit nichts. Aber die Zeugenaussagen sprechen eine eindeutige Sprache.”

“Zeugen? Wer?”

“Eine völlig verstörte und bis oben zugedröhnte Schülerin namens Mandy
Nichols, 17. Sie war bei Crane, als es geschah. Sie saß wohl gerade auf ihm,
als der Täter den Raum betrat, und flüchtete unters Bett.”

“Haha, ernsthaft? Oh mann, da hat wohl jemand die ehrwürdigen Gesetze des
Rock’n’Rolls hochgehalten.”

Sex mit Minderjährigen, denen Drogen verabreicht wurden?”

“Ähem. Meinst du, dass ein Zusammenhang besteht? Mit dem Mädchen, oder den Drogen?”

“Unwahrscheinlich. Wäre es einer der Drogenmafia gewesen, hätten sie niemals
das Mädchen lebengelassen. Und wäre es ihr Vater oder Bruder oder sowas,
hätte sie eine bessere Geschichte erzählt, als dass er sich schlichtweg in
Luft aufgelöst hat.”

“Was?”

“Das ist ihre Story. Wie gesagt, sie war high wie ein Raubfisch und panisch
vor Angst. Sie sagte, sie wäre zu schnell unter das Bett gekrochen, als dass
sie ihn groß hätte beschreiben können, aber er trug wohl eine Lederjacke und
eine Sonnenbrille.”

“Der Terminator?”

“Unter dem Bett konnte sie lediglich seine Füße sehen, und sie beschrieb
eindringlich, wie merkwürdig es ihr vorkam, dass er viel zu große Schuhe zu
tragen schien. Und dann verschwand er einfach.”

“Wie, er ging? Einfach so?”

“Nein. Er verschwand. Löste sich in Luft auf. Puff.”

“Das hat sie gesagt?”

“Yep.”

“Klingt wie ein Terminator, der seine Mission erfüllt hat.”

“Klingt wie eine Antidrogenkampagne. Aber jetzt kommts. Die Dame an der
Rezeption hat die Aussage von Miss Nichols bestätigt, was den ominösen Mann
mit Sonnenbrille und Lederjacke angeht. Und ihrer Aussage nach hat er das
Gebäude nicht verlassen, bis die Polizei kam.”

“Und sicherlich wurden alle Zimmer durchsucht?”

“Natürlich. Riesenschererei. Dann noch der Promifaktor – der Bürgermeister
wird unseren Arsch fordern, wenn wir nicht schnellstens den Täter finden.”

“Irgendwelche Anhaltspunkte?”

“Zumindest eine Spur. Unser Täter mietete ein Zimmer unter Cranes und
bezahlte mit Kreditkarte. Die Karte läuft über einen gewissen Ryan Morley.
Ich hab ihn überprüft, Barkeeper, unauffällig. Keine Vorstrafen.”

“Niemand wäre dumm genug, mit seiner eigenen Karte ein Zimmer zu mieten,
wenn er einen Mord planen würde, oder?”

“Unwahrscheinlich. Sowieso ein merkwürdiger Fall. Selbst wenn der Täter sich
nicht sprichwörtlich in Luft aufgelöst hat – wie ist er aus dem Regency
entflohen? Die Notfalltüren wurden nicht geöffnet, den Fahrstuhl hatte er
lahmgelegt, selbst die Fenster waren geschlossen.”

“Ich halte an meiner Theorie fest, dass der Sohn von David Crane und Mandy
Nichols die Menschen in ihrem Kampf gegen die Maschinen angeführt hätte.”

“Witzig. Ich schicke eine Streife zu Morleys Wohnung, um zumindest seine
Aussage aufzunehmen und eine Gegenüberstellung zu arrangieren, aber ich
glaube nicht, dass dabei was rauskommen wird.”

“Irgendetwas stinkt ganz gewaltig. Hoffen wir, dass es sich um eine
Einzeltat handelte. Ach guck mal, da im Fernsehen, ist das die Show, die du
vorhin meintest? Das ist doch eiOHHHHH! FUCK! FUCK! SCHEISSE!”

*im Videospiel. Sie war weder schön noch rücksichtsvoll, sondern grob und
kalt. Sie hieß Dreamweb.

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3 responses to “Mein erster Sex*

  1. stachelbeere

    Ich habe damals nur dieses beigelegte Buch gelesen, welches auch schon recht verstörend war – “Diary of a madman” oder so. Leider wollte das Spiel nie auf meinem System laufen.
    … und ich habe es trotzdem in Deinem Text erkannt. Das spricht entweder für Dich oder für mich.

  2. Ha! Dreamweb!! Pixelbrüste aus der Vogelperspektive. Ziemlich harte Szene in einem ziemlich harten Spiel, für damalige Verhältnisse. Ich hatte das auch erst im Kopf, kurz vor Abgabefrist fiel mir aber noch was wesentlich älteres ein ;-)

  3. Pingback: [52 Games] Thema 08: Stadt » 52 Games » Zockwork Orange

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