Die drei größten Gemeinheiten in Dark Souls

Dark Souls ist ein fieses Spiel, und es weidet sich an deinem Leid. Aber diesmal schreibe ich nicht vom Schwierigkeitsgrad, von der Fülle an undokumentierten Mechaniken oder den blöden Echsen, die einen verfluchen. Nein, diesmal geht es um Metamittelfinger, deren Ersinnung  es einen ganz besonders perfiden Geists bedurfte. In Form einer Liste, weil das die Leser bringt. Warum auch immer.

3. Jump here for Treasure

Da ich ja, wie damals erwähnt, Dark Souls komplett offline spielte, blieb mir diese Gemeinheit erspart, und tatsächlich ist sie ja nicht direkt dem grausamen Geist From Softwares entsprungen, erfährt jedoch dennoch Nennung, hauptsächlich, weil ich so unmäßig lachen musste, als spielereins drauf reinfiel. Verstehste, reinfiel?

Eines der Alleinstellungsmerkmale der Soulsreihe ist die Möglichkeit, mithilfe von Satzbausteinen anderen Spielern Nachrichten in der Welt zu hinterlassen. Hat man jemals irgendwas online gespielt, wird man nicht verwundert sein, dass diese Möglichkeit nicht ausschließlich genutzt wird, um Mitspieler vor Gefahren zu warnen oder Gegnerbekämpfungsstrategien zu vermitteln. Nein, natürlich gibt es haufenweise Spam, ein “amazing chest ahead” vor einem leichtbekleideten weiblichen NPC sowie das oben genannte “jump here for treasure” vor endlosen Abgründen, in diversen Variationen. Was mangels Respawnmöglichkeiten in der realen Welt niemals funktionierte, ist hier auch deswegen so perfide, weil man als erfahrener Spieler es den Entwicklern zutraut, versteckte Schätze auf nicht einsehbaren Simsen oder unsichtbaren Plattformen zu platzieren. Also springt man ins Nichts, stürzt in den Tod und verflucht daraufhin die eigene Naivität, den Nachrichtsautoren oder gleich die ganze Welt. Oder man versuchts noch ein paarmal, vielleicht stimmte ja der Winkel einfach nicht.

2. Charaktereditor

Es gibt Spieler, denen es scheißegal ist, wie ihre Spielfigur aussieht. Generic male head 2, Glatze 3, body type muscular, fertig. Und dann wird am Leib getragen, was die meisten Boni gibt, völlig egal, ob die Schuhe farblich zur Handtasche passen. Diese Spieler wurden verschont. Andere hingegen können Stunden im Charaktereditor verbringen, bis die Frisur stimmt, die Wangenknochen die richtige Form haben, Haar- und Augenfarbe der Idealvorstellung entsprechen und die Nase die Richtige ist. Und jetzt stell man sich bitte mal so einen vor, der sich lange überlegt, welche der Standardrassen er wählen muss, um seinem teigigen Teint am nächsten zu kommen, und geraume Zeit damit verbringt, sein Spiegelbild mit der 3D-Figur im Spiel zu vergleichen, anzupassen, anzupassen, bis die Ausstülpung der Mundpartie exakt ist, die Ohren genau richtig weit abstehen und die Lippen genug wulsten. Und dann ist man endlich zufrieden, startet das Spiel – und starrt in das Gesicht einer Leiche, dort, wo man das erschaffene Antlitz erwartete, und ist bass erstaunt ob des blanken Hohns, den diese leblose Maske repräsentiert – wahrhaftig, man hat ein Monster erschaffen, quasi. Wenn man dann endlich genug Humanity gesammelt hat, das man eine zur Menschwerdung opfern mag, trägt man vermutlich eh schon Helm, Maske oder Kapuze, welche das Betrachten der eigenen Arbeit erschweren bis verhindern. Ne, danke, From Software! Gerne wieder! Penner.

1. Sif

(Dieser Punkt spoilert einen der Zwischenendgegner, aber wenn du bis hierhin gelesen hast, ist dir das wahrscheinlich eh egal)

Sif ist in diesem Fall keine Donnergottgespielin, sondern ein majestätischer weißer Riesenwolf mit gigantischem Schwert zwischen den Lefzen, was ihn selbst im Dark-Souls-Kontext zu einem der spektakuläreren Bosse macht. Fair, nicht zu schwer, totally awesome anzusehen – wieso steht Sif also an erster Stelle dieser Liste?

Weil dieser mächtige, wilde Widersacher gen Ende seines Lebensbalkens zu einem winselnden, geprügelten Hundchen wird, der sein Schwert kaum noch heben und sich nur mit Mühe auf den Beinen halten kann.  Auf einmal ist man nicht mehr der furchtlose Abenteurer, der sich mit dem mächtigsten Sproß Mutter Naturs misst, sondern ein verdammter Tierquäler. Ich hab generell kein Problem mit dem töten virtueller Tiere, hab bei Red Dead Redemption alles gehäutet und gerupft, was mir vor den Revolver lief,  gar die Bisons ausgerottet, nur um ein Achievement zu kriegen – aber Sif in diesem fast hilflosen Zustand zu töten fühlte sich an, um den Vergleich zu RDR noch etwas weiter zu bemühen, als ob man aufs eigene Pferd schieße. Also rannte ich weg, suchte nach Auswegen, anderen Möglichkeiten, während sich der verletzte Wolf hinter mir herschleppte, versuchte gar, ihn irgendwie zu heilen. Vergeblich. Und Sif ist kein optionaler Boss.

Was der krönende Abschluss eines hart umkämpften Gefechts hätte sein können, mutierte so zum größten Downer des Spiels. Da war keine Genugtuung, kein Yay! Dieses verdammte emotionale Twistending ist ist die größte Gemeinheit in Dark Souls. Und wer hat Schuld? From Software. Arschlöcher, die.

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2 responses to “Die drei größten Gemeinheiten in Dark Souls

  1. Noch schlimmer sind Gegner die tatsächlich um Vergebung flehen und sich auf die Knie werfen, dem Spieler aber gar keine andere Wahl gelassen wird. Fand ich bei Skyrim immer schlimm, insbesondere wenn humanoide Gegner keine andere Sprache als Axt im Rücken verstehen.

    Schöner Text!

  2. Also ich habe es genossen. Nach dem x-ten Anlauf diesen springenden Mistkerl endlich zu erledigen, gab mir so ein Gefühl der Genugtuung, dass kein Platz für Rührseligkeit war.
    Es ging auch kurz und schmerzlos. Wie lange hast du wohl sein Leid verlängert, indem du nach einem Ausweg gesucht hast? Eben!

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