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From FASB to FTL

Die stetige FTL-Beschallung in diversen von mir konsumierten spielebezogenen Medien erinnerte mich an einen Teil des unbestreitbaren Mittelpunkts meiner Post-He-Man-Kindheit. Übt bitte Nachsicht mit mir, wenn ich mich nun auf eine Reise in eine Welt begebe, in der ich zum Glücklichsein weder Maus noch Controller brauchte, sondern lediglich zwei Würfel und Lesekompetenz.

Vor langer Zeit schrieben der Präsident von Eidos, der Mitbegründer der Lionhead Studios, die Gründer von Games Workshop und der Munchkin-, GURPS- und OGRE-Erfinder (Ian Livingstone, Steve Jackson und, ja, Steve Jackson) Bücher, die den griffigen Titel Fighting Fantasy trugen und im Deutschen unter dem weitaus weniger griffigen Titel FantasyAbenteuerSpielBücher geführt wurden. Nicht nur kombinierten diese das beste aus Pen&Paper-Rollenspielen und Flowcharts, sondern waren auch meine erste und erschreckend einflußreiche Begegnung mit dem Thema Fantasy. Befassten sich die meisten der in Deutschland erschienen Ausgaben mit ebendieser Thematik in seiner klassischsten, schwertschwingenden und zauberschleudernden Form, gab es doch ein paar Ausflüge in andere Genres, namentlich in die Welten der Piraterie, der Samurai, des klassischen Horrors und, um zum eigentlichen Punkt dieses Texts zu kommen, der Science Fiction.

Gleich Band vier, im Deutschen unter dem teils redundantem Titel “Das Universum der Unendlichkeit” veröffentlicht, war gleichzeitig die erste Abkehr vom bisher vorherrschenden Genre und eine der ambitioniertesten Ausgaben überhaupt. Spielte man gemeinhin einen einzelnen Kämpfer, der mit Schwert und diversen magischen Gegenständen Abenteuer bestand, kontrollierte man hier die ganze (relevante) Crew eines Raumschiffs (Captain, Wissenschaftler, Ärztin, Ingenieur, Sicherheitsoffizier sowie zwei Wachtposten), jeder mit eigenen Werten. Und statt den bisherigen Kampfregeln Mann gegen Monster gab es Regeln für Gruppennahkampf, Lasergefechten (tödlich oder lähmend) sowie Schiffsschlachten. Die Parallelen zu Star Trek sind offensichtlich, und zwölf Jahre später wurde die exakte Prämisse dieses Buches (Oh Graus, wir sind plötzlich ganz woanders, wie kommen wir wieder zurück?) als Star Trek: Voyager verseriet. Ich mein, das Raumschiff hier heißt “Traveller”. Traveller. Voyager. I rest my case.

Wie auch in FTL kann und wird man hier oft und grandios versagen und vielleicht nie das Ende sehen, wenn man nicht gerade schummelt. Man verliert Crewmitglieder, bizarre Aliens beamen sich an Bord, Raumschlachten, Permadeath, Handel, Zufallsgenerator, Defekte, und wenn man am Anfang Pech hat, kann man auch gleich aufgeben. Aber wie in FTL lernt man auch aus jedem Durchgang, und selbst Verlieren ist meist spektakulär.

Sorry, irgendwie hab ich keinen letzten Absatz mehr für euch.

(SuperDennis hat hier einen ähnlichen Ansatz gewählt und tatsächlichen Content. Aber ich schwör, den Kram da oben hatte ich schon vorher im Kopf. Ich brauch halt nur immer solange. Und nein, das Superlevelverlinken folgt keinen niederen Absichten.)