Far Drei, ähm, 3

Mitte Dezember kam ich viel zu spät bei Freund Nille an, um mit ihm das Abenteuer AAA zu starten, im Fokus: Far Cry 3. Ob er seine Sicht der Geschehnisse äußern wird, soll die Zukunft zeigen.

Ich mochte den Anfang von Far Cry 3, aber währenddessen dachte ich, dass er viel Toller wäre, als er es schlussendlich war. Kurz zusammengefasst besteht das Intro aus einem Zusammenschnitt diverser Videoschnipsel, in denen gutaussehende Menschen vor prächtiger Kulisse gutaussehenden Spaß haben, doch ach!, der süße Müßiggang wurde abrupt beendet durch die Entführung und Gefangennahme all jener im Auftrag des bösartigen Menschenhändlers Vass Montenegro. Schon aufgrund der Liebe zum Details in seinem Design war ich der festen Überzeugung, dass es sich hier nur um den Protagonisten handeln könnte. Ich war gleichzeitig beeindruckt vom Mut der Entwickler, den Spieler einen so verkommenen Charakter spielen zu lassen, sowie ob des geschickten Winkelzugs, den Spieler während des Tutorials so in die Irre zu führen, ihn im Glauben zu lassen, eins von Vass’ Opfern zu spielen, nur um dann am Ende der Einführung von eben selbigem erschossen zu werden – Perspektivwechsel in Egoperspektive, wer traut sich denn sowas? Ich war begeistert, doch gleichzeitig betrübt, dass das Marketing diesem geschickten Winkelzug einen Strich durch die Rechnung gemacht hatte, indem es Vass’ Antlitz so in den Fokus von Werbekampagne und Spielecover stellte.

Mit jeder verstrichenen Minute des Tutorials wuchs meine Begeisterung, so überrascht war ich, wie lange sie diese Illusion aufrecht hielten. Mein Bruder wurde erschossen, und ich dachte: “Geil, und jetzt werde ich auf der Flucht erschossen.” Und ich lief, und lief, und stürzte ins Wasser, und dachte “Wie, jetzt ertrinke ich einfach? Antiklimax.” Doch dann erwachte ich in der Hütte von dem Perversen, der Halbtote ausm Wasser fischt und ihnen den Arm ohne ihre Einwilligung tätowiert, und erst dann wurde mir klar, dass meine Theorie für den Arsch, die Tutorialsequenz nicht halb so cool war wie gedacht und die Marketingabteilung für keinerlei Twistspoiler verantwortlich war. Vass ist also in Wirklichkeit der Antagonist, und das funktioniert für mich auch, schon alleine weil er meine tiefverwurzelte Angst vor Bam Margera triggert.

Open-World-Spieleentwickler fiel es lange äußerst schwer, Inhalte in die gigantische Welt zu integrieren, die nicht dem “Drive it. Shoot it. Explode it. Collect it.”-Paradigma des modernen Actionspiels entsprachen – denn je größer die Welten wurden, desto eintöniger wurde dies. Red Dead Redemption fand seine Lösungsvariante im MMORPG und gab uns einen Grund, niedliche Tierchen zu töten und Blümchen zu pflücken. Far Cry 3 greift ebenfalls auf MMOs zurück, addiert aber zum Jagen noch das Crafting hinzu und macht im Gegensatz zu RD beides zwingend erforderlich, so man nicht die gesamte Spieldauer mit minimaler Munitionsmenge, Waffenanzahl und Gadgets verbringen möchte. Das ist natürlich alles vollkommen willkürlich (“Nein, mein Patronengürtel muss aus Tigerleder sein, nicht aus Schwein!”) und erinnert teils an sehr traditionsbehaftete Spieleserien (“Sorry, aber in mein jetziges Portemonnaie passen nur 1000 Rupien, äh Dollar!”), aber hey, Inhalte!. Zusätzlich gibt es natürlich noch Aberhunderte von Challenges, Rennen, Collectables, Waffen, mapaufdeckende Türme, Skills und Ausrüstungsgegenstände zu entdecken, und auf die Übersicht, wieviele Relikte, Schätze, Quests etc. wir bereits gefunden hatten, fasste ich einen Beschluss: Ich werde diese Übersichten nicht mehr als To-Do-Liste sehen. Ich nehme mit, worüber ich stolpere, aber ich scheiß Auf Completion, ich scheiß auf Achievements, und will in Zukunft nur noch das in Open-World-Spielen machen, was mir Spaß macht.

Und das ist nicht unbedingt Schießen. Mehrmals wurden Nille und ich beim lustigen Über-die-Insel-Tapern von wild um sich schießenden Vass-Vasallen gestört, was vieles offenbarte. Zum einen, dass Nille mal so gar nicht mit nem Pad zielen kann, dafür aber prima Tiger per geduldigem Steinewerfen in feindliche Basen lockt. Oder auch, dass einen hier kein guter Kumpel wie in Far Cry 2 den Arsch rettet, wenn mal wieder allerlei Blei in Nieren, Leber, Magen brennt. Aber die beiden Spiele haben eh nicht viel mehr als den Namen gemein – ließ einen FC2 oftmals so komplett allein, dass die Richtungslosigkeit auf die meisten Spieler, mich eingeschlossen, äußerst demotivierend wirkte, lässt dich FC3 nie, aber wirklich nie, in Ruhe. Dir wird andauernd der Standort der nächsten Hauptmission angezeigt, man kriegt sang- und klanglos ein Game Over in die Fresse, wenn man sich außerhalb eines unsichtbaren festgelegten Missionareals bewegt, ständig poppen Tutorialbotschaften auf, Hinweise, dass ein neuer Eintrag in die Enzyklopädie getätigt wurde, ob das Blümchen noch in dein Täschchen passt – all dies auf eine derart penetrante Art und Weise, dass ich mich vergass, ein zwischenmenschliches No-No begang und Nille in den Controller griff, weil er mir die Pop-Ups nicht schnell genug wegdrückte. Far Cry 3 weckt das Arschloch in dir? So gesehen macht die Ochsenknechtkampagne ja richtig Sinn.

So negativ das alles aber auch klingt: Wir hatten schon Spaß. Oft streng reglementierten, gesteuerten, für jeden Spieler identischen Spaß, aber immerhin. Und manchmal, wenn man von der Leine gelassen wird, ist es eine Freude, die famos schöne Insel mit dem Hang-Glider von oben zu sehen, Bösewichte mit dem Jeep zu überfahren, von Laufvögeln totgepickt zu werden und mit Granaten zu werfen. Nach grob einem Drittel oder Viertel der Storymissionen und vielen Fahrten ins Grüne waren wir beide zufrieden genug mit dem Spiel, um einen weiteren Abend damit zu verbringen. Aber oh, wir hatten Vaas’ Bosheit unterschätzt:

farcry3
Oh, well. Ich hab meine Ingame-Freunde eh nie gemocht.
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2 responses to “Far Drei, ähm, 3

  1. Ich will nie wieder auf USB-Sticks abspeichern. Ich will nie wieder auf USB-Sticks abspeichern. Ich will nie wieder auf USB-Sticks abspeichern. Ich will nie wieder auf USB-Sticks abspeichern.

    Dafür habe ich aber jetzt schon wieder bis da hin (und mehr) gespielt.

    Mein MEGA-Test folgt.

    Ich bitte drum (Gratiskaramell).

  2. Ähm…eigentlich heisst der ja Vaas und was die Ingame Freunde betrifft hats der Lead writer in nem Interview ganz nett formuliert:
    ” It’s about the player experiencing this Never-Neverland island and deciding if they want to be there or go and save Jason’s friends. And I think that question is really interesting, because they’re Jason’s friends, they’re not the player’s friends.”

Gratiskaramell?

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