Monthly Archives: March 2013

Kokeln

Das Drittschönste an Little Inferno ist das Feuer. Als Kind hab ich in meinem Zimmer mit einem Feuerzeug das orangene Schild von Two Bad geschwärzt, und meine Mutter roch dies. Anstatt zu schimpfen oder mir zu erklären, warum schmelzendes Plastik in unbelüftenden Räumen und ein sich noch entwickelndes Gehirn eine schlechte Kombination ist, machte sie etwas für sie völlig Untypisches: Sie dankte Gott, dass mir nichts passiert war. Das wiederum schockte mich derart, dass ich nie wieder kokeln wollte – wir waren nie ein sonderlich religiöser Haushalt, also wenn schon Gott dazugeholt wird, so meine kindliche Logik, dann muss es echt ernst gewesen sein. Acht Jahre später schmolz ich Plastikstreifen über einer Kerze in einer Dorfdisco, bis einer von ihnen Feuer fing und sich napalmgleich und viel schneller als erwartet in meine Finger einbrannte, was eine beistehende Dame so lustig fand, dass sie meine erste Freundin wurde. Wo da jetzt der Zusammenhang liegt, weiß ich auch nicht.

Jedenfalls ist das Verbrennen der zahlreichen Gegenstände äußerst hübsch umgesetzt, stillt das Verlangen, die Welt brennen zu sehen und erzeugt die Behaglichkeit einer Kaminfeuer-DVD. Gleichzeitig.

Das Zweitschönste an Little Inferno ist, wieviel es mich über Spiele nachdenken lässt. Wie sehr ich Spiele mag, die nur eine einzige Spielmechanik haben. Wieviel Einfluss Soundeffekte auf das Spielempfinden haben. Ob es tatsächlich sinnvoll ist, zwischen Spiel und Spielzeug zu unterscheiden. Wie spannend es ist, das man auch mit anscheinend inkompatiblen Spielgenres eine Geschichte erzählen kann. Dass WIE erzählt wird mir wichtiger ist als WAS erzählt wird (und das WIE ist hier äußerst putzig). Dass Spiele auch komplett ohne Belohnungen, ohne Leaderboards, ohne irgendwas Externes funktionieren, immer noch.

Das Schönste an Little Inferno aber ist, dass man seine Spielsachen gar nicht verbrennen muss, sondern auch schlicht mit ihnen spielen kann. Ganz vorsichtig, damit sie nicht kaputtgehen. So muss sich ein Kind mit Superkräften fühlen. Und auf iOS sogar mit Multitouch. Brrruummm statt BUUUUURN!

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