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SpielerDreis drei Spiele: Schlechte Wortspiele

(Wäre das nicht toll, wenn ich genug schriebe, dass ich mir so regelmäßige Kolumnen erlauben könnte, gerade wenn sie so schmissige Titel trügen? Fänd ich auch.)

Hallo, geschätzte Leserschaft, zu “SpielerDreis drei Spiele”, bei dem Ihnen der werte Gastgeber drei Spiele, die ihm am Herzen liegen, zu einem bestimmten Thema, das ihm am Herzen liegt, präsentiert! Vielleicht sind ihm manche Themen nicht so wichtig und manches Spiel ist nur dabei, um die Drei vollzukriegen (und was ist er in diesem Zusammenhang froh, sich nicht SpielerZwölf genannt zu haben!), aber das werden Sie nie erfahren! Und selbst wenn es so wäre, wäre es heute nicht so, denn das Thema ist ja nichts Geringeres als eines der zwei Tischbeine, die dieses Blog tragen, und der Ursprung für Sieben Achtel der Gastgebertweets (@spielerdrei, bitte folgt mir, ich bin komisch. Zumindest in einer der Definitionen)!

Ja, richtig geraten und/oder in der Überschrift gelesen: Es sind die schlechten Wortspiele, ein Pleonasmus, wenn ich je einen sah. Oder eine Tautologie, aber wenn, dann wird mich sicherlich jemand in den Kommentaren darauf aufmerksam machen, denn inhaltliche Fehler sind immer noch die beste Art, Kommentare zu ergattern. Anyway, Wortspiele: Can’t live with them, can’t live without them. Die furchtbare Wahrheit meiner Existenz ist ja, dass ich Wortspiele eigentlich nicht mag und tagtäglich darunter leide, dass meine Generation jetzt Entscheidungsträger in Werbeagenturen ist und diese niedrigste Form des Witzes inzwischen so allgegenwärtig scheint wie URLs. Aber ach, wenn dies nun mein einziges Talent ist, wäre es ja auch irgendwie schade, es zu vergeuden. Jetzt muss ich mir nur noch irgendwie glaubhaft zurechtbiegen, inwiefern auf dieser Seite und auf Twitter Blödsinn zu schreiben keine Vergeudung ist. Und jetzt hab ich schon zwei Absätze mit Geblödelpreambel verschwendet und nicht ein einziges Wortspiel gemacht. Way to miss the topic, dude!

Dies sind drei Spiele, die ich mag, die Wortspiele beinhalten, die ich mag.

3. Viva Piñata (2006/2008)
Eigentlich sollte mein erster Polyneuxartikel von Viva Piñata handeln, und nur deswegen kaufte ich extra ein Gartenmagazin, um mir das entsprechende Vokabular anzueignen. Das war das erste und letzte Mal, dass ich in sowas wie Recherche investierte. Der Text kam nie zustande, aber wenigstens kann ich hier und jetzt dem Spiel endlich meine Liebe gestehen. Viva Piñata war mein erstes Spiel für die Xbox 360, und der Umfang, das unverbrauchte Setting sowie die immer noch wunderhübsche Grafik verklären meinen Geist immer noch so sehr, dass ich fast “zaubern ein Lächeln auf mein Gesicht” geschrieben hätte.
Die bunten, putzigen Viecher in dem Spiel tragen Namen, die alle nach dem groben Muster “Tier bzw. was das Tier macht” + “Was zum Naschen” geportmanteaud wurden. Eine kleine Auswahl folgt, um dich, den Leser, zu erfreuen (und eventuell deinen Appetit anzuregen):
Profitamole
Flutterscotch
Taffly
Syrupent
Sweetle
Sparrowmint
S’morepion
Lemmoning
Mousemallow
Fudgehog
Flapyak
Eaglair
Swanana
Buzzlegum
Cinnamonkey

Und so geht das weiter und weiter, über achtzig mal. Man möchte Spucken vor Freude.

2. Spellcasting 101: Sorcerers Get All The Girls (1990)
Es ist leicht, die Spellcasting-Reihe als pubertär und unreif abzukanzeln, weil sie sich nicht zu fein ist, Sexualität in eher derberen Tönen zu thematisieren. Oder es wäre leicht, wenn sich noch jemand an sie erinnerte. Als ein inzwischen komplett weggestorbenes Mittelding zwischen Grafikadventure und Interactive Fiction waren sie aber, so porkyesk das Setting auch war, gleichzeitig verdammt clevere und witzige Spiele, was aber aufgrund der Thematik gern vergessen wurde (ein Schicksal, dem auch die alten Leisure-Suit-Larry-Spiele anheim fielen). Die Prämisse, für die jüngeren Leser als “Harry Potter” meets “Monster U” meets “American Pie” zusammengefasst, war zumindest unverbraucht, und für zart Besaitete gab es stets die Möglichkeit, in den “Nice”-Modus zu wechseln, der Bilder und Texte jugendfrei machte, und dann gabs beispielsweise mit der Göttin der Schönheit Kreuzworträtsel statt Hanky-Panky.

Im Verlauf seines Abenteuers landet der Protagonist auf der “Island of Lost Soles”, einer Insel, auf der 80 Menschen in Tiere, Objekte und weniger greifbare Konzepte verwandelt wurden, die ihren Namen entsprechen. Und es liegt an ihm, und damit dir, sie alle zu befreien. Hier zeigt sich die Stärke des Texteingabesystems, denn anstatt wahllos “Benutze Zauber mit…” zu klicken, gilt es, den Namen des Verwandelten zu erraten. Ein simples Beispiel: “The slight sprain of an extremity with five digits” wäre zum Beispiel ich. Versucht doch mal, die fünf Personen in diesem Bild zu finden (einer davon ist aber echt schwer!), die ersten richtigen Antworten werden wie stets für immer auf dieser Seite verewigt.

spellcasting-101-sorcerers-get-all-the-girls_2

1. Callahan’s Crosstime Saloon (1997)
Ein weiteres Spiel der Spellcastingentwickler Legend, die offensichtlich wie kein anderes Studio ein Herz für Wortspiele hatten. CCS dürfte das unbekannteste der drei Spiele hier sein, aber ich bin nicht so sehr Hipster, es nur deswegen auf Platz 1 zu packen. Eigentlich ist die Reihenfolge willkürlich, aber wenn man eine Liste mit was anfängt, was keiner kennt, liest doch kein Mensch weiter, und ich brauch doch eure Page Impressions!

CCS ist ein Grafikadventure, welches auf Spider Robinsons Romanen um den titelgebenden Saloon basiert, einem Ort, an dem jeder sein Herz ausschütten kann, egal ob Mensch, Außerirdischer, Zeitreisender oder sprechender Hund. Was jetzt total bemüht wacky klingt, ist in echt eine Sammlung von sehr herzlichen, idealistischen und warmen Geschichten, unterminiert von einer Anzahl der übelsten Wortspiele, die ich jemals lesen durfte.

Man mag es für eine äußerst zweifelhafte Entscheidung halten, den Spieler gleich zu Beginn des Spiels mit einem ganzen Haufen Worträtsel einer ähnlichen Machart zu konfrontieren, wie sich auch auf dieser Seite manchmal zu finden waren (ich möchte an dieser Stelle offen zugeben, dass ich das komplett aus den Büchern abgeguckt habe): Es gilt, die umschriebenen Begriffe zu erraten, die in ihrer Gesamtheit dann die Lösung ergeben. Noch zweifelhafter ist es allerdings, das Lösen jedes einzelnen Rätsels als Bedingung für das Weiterkommen zu erfordern – die Wortspielversion der Driver-Tiefgarage, quasi.

Ich möchte euch gerne das Rätsel, so wie es ist, präsentieren, und hey, vielleicht könnt ihr ja eins, zwei ODER VIELLEICHT ALLE?? lösen. Scheut euch nicht, euch gegeneinander in den Kommentaren zu helfen. Oder scheut euch. Eure Wahl.

callahan

Die Regeln:
1. Die Lösung jedes Rätsels ist der Name von irgendwas.
2. Alle Antworten entspringen der gleichen Thematik. Wie zum Beispiel beim “Monsterschweren Worträtsel”, wo die Thematik halt “Monster” war.
3. Mit Schreibweise oder Betonung sollte man es nicht so genau nehmen.
4. Begriffe googeln ist okay, einen Walkthrough zu googlen ist lame, und du bist nicht lame.

Das Rätsel ist für unsereins übrigens ziemlich hart, da wir a.) gemeinhin keine Muttersprachler sind und b.) will ich euch nicht verraten. Aber ich glaube an euch!

2. fleet + wood + Mac = Fleetwood Mac (gelöst von MissingNo!)
4. Arrows + Myth = Aerosmith (gelöst von MissingNo!)
7. led + zip + Helen = Led Zeppelin (gelöst von MissingNo!)

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