Dead Rising: Watchtower puts the “okay” in “Zombie Apokaylypse”!

Crackle ist nicht nur einer von drei ehemaligen Cerealienmaskottchen, sondern auch ein Gratisfilmanguckdienst in den USA. Als ich erfuhr, dass sie einen Dead-Rising-Film produzierten, hielt mich nichts mehr und ich verbriet all mein Gespartes und meinen Jahresurlaub, um auf der anderen Seite des Atlantiks diesen Film schauen zu können. Oder so.

Dead Rising: Watchtower ist kein guter Film. Das sollte niemanden überraschen, schließlich sind Videospielverfilmungen etwa auf einer Stufe mit “Das Buch zum Film” anzusiedeln: Maximal interessant für Fans des Ursprungsmediums, und in den meisten Fällen selbst für die enttäuschend. Aber vielleicht sollte man einfach einen anderen Maßstab anlegen, Videospielverfilmungen nicht für ihre Herkunft verteufeln und sich stattdessen freuen, wenn sie sich wenigstens anstrengen. Auch in der Kreisliga gibts spannende Spiele.

Dead Rising: Watchtower ist nicht spannend. Oder gruselig. Oder sonderlich dramatisch. Alles ja Attribute, die man gemeinhin von Zombiefilmen erwarten würde, vor allem, wenn man nicht so oft Zombiefilme guckt. Aber dafür hat dieser Film eine Qualität, die ihn von den meisten Videospielverfilmungen abhebt, und ihn zumindest für mich, einen großen Verehrer der ersten beiden Dead Rising-Teile, zu einem recht spaßigen Erlebnis macht: Er fängt die Stimmung des Spiels ziemlich gut ein. Das heißt auch: Ja zu Gore, nein zu Cat Scares (und davon können sich viele schäbige Horrorfilmer mal eine Scheibe abschneiden).

Doch erstmal kurz zum Inhalt: Watchtower spielt zwischen Dead Rising 2 und 3, erzählt eine eigenständige Geschichte und macht allein damit schon vieles besser als die meisten Spielverfilmungen. Da auch die Spiele stets eine neue Location sowie einen anderen Hauptcharakter präsentieren, fügt sich Watchtowers Chase Carter, gespielt von Jessie Metcalfe, euch vielleicht bekannt als sexy Gärtner aus Desperate Housewives, der als Onlinejournalist in einen Zombietisausbruch gerät, problemlos ein. Statt einem Einkaufszentrum bzw. einem Casinofunpark ist es diesmal ein abgeriegeltes Stück Kleinstadt, dass als Setting herhalten muss.

Und danach passiert ein Haufen Krams, der halt so in Zombiefilmen passiert: Panik, Tote, Gore, Rockerplünderer, angeführt von einem Till-Lindemann-alike. Während Chase mit zwei anderen Überlebenden (Meghan Ohry, Virginia Madsen) versucht, das abgesperrte Gebiet zu verlassen, ist seine Kamerafrau (Keegan Connor Tracy) einer heißen Story auf der Spur. Fernab der Gefahr kommentieren eine genervte Journalistin (Carrie Genzel) und Frank West (Rob Riggle), Protagonist des ersten Teils, das Geschehen. Und wenn ihr die ganzen Darsteller auch nicht kennt, lasst euch sagen, dass das durchgehend Fernsehschauspieler sind. Was jetzt nicht negativ auffällt.

Filmisch ist das Ganze nicht so dolle umgesetzt, viele Einstellungen wirken bemüht crazy, wie man es des Öfteren bei “jungen, wilden” Regisseuren findet. Der von Watchtower hat vorher hauptsächlich Fernsehen und einen Teil der offensichtlich unsterblichen Leprechaun-C-Horror-Reihe gedreht, aber ich möchte ihm zugute halten, dass eine Szene rund um einen Bus nicht nur recht schick gefilmt ist, sondern der Film auch nie näher an den Spielen ist wie in diesem Moment. Andererseits: Die Dialoge sind oftmals öde und in der zweiten Hälfte des Films gibt es arge Längen – man hätte sicherlich mindestens 20 Minuten rausschneiden können, ohne was Wichtiges zu verlieren. Wiederum andererseits: Es gibt einen fantastisch unangebrachten visuellen Gag mit jemandem oder etwas namens Björn – das sollte unspoilerig genug sein.

Was ich außerdem mag, ist dass Watchtower den Zuschauern, abgesehen von den Frank-West-Einspielern, nicht ständig zuzwinkert, um “LOL, GENRE FICTION, RIGHT?” zu sagen. Wie alle Fans Leslie Nielsens wissen, funktioniert Komik so viel besser, wenn der Protagonist dabei ernst bleibt, und umso mehr Aufhebens um einen Gag gemacht wird, desto weniger zündet er. YMMV. Und so kann Chase im Lagerraum eines Leihhauses, nachdem er aufgefordert wurde, sich eine Waffe zu bauen, entrüstet “Weapons? All of this is just junk!” antworten, während hinter ihm im Regal Macheten und Kettensägen liegen.

Überhaupt: Das Waffenbauen, ein Element der Serie, dem von Spiel zu Spiel mehr Aufmerksamkeit geschenkt wurde, steht auch hier an vorderster Front. A-Team-Sequenzen sind ja in den meisten B-Filmen gern gesehene Gäste, aber hier können sie wenigstens das Quellmaterial dafür verantwortlich machen. Zwar arten die Konstruktionen nicht gar so wahnwitzig aus wie in den Spielen, aber dafür führt oben erwähnter Rockerchef am Ende eine dermaßen bekloppte Waffencombo, dass diese die vorherigen, nüchterneren mehr als ausgleicht.

Generell würde ich Watchtower nur Menschen wie mir empfehlen, die mindestens zwei Dead-Rising richtig, richtig gut fanden und entsprechend lang spielten, denn für eben dieses Klientel haben die Setdesigner viel Spaßiges in den Kulissen versteckt. Ein selling point der Spiele ist ja, dass sie Unmengen an Gedöns beinhalten, mit denen man sich selbst verschönern bzw. Zombies bekämpfen kann, sei die dementsprechende Nutzung nun sinnvoll oder nicht, und eben dieses mannigfaltige Material findet sich in vielen Hintergründen wieder, ohne zu platziert oder aufmerksamkeitsheischend zu wirken. Zudem gibt es neben dem bereits erwähnten Frank West zusätzlich noch Bezüge auf Dead Rising 2 und 3, und Zombrex, das In-Universe-Zombie-Gegenmittel, spielt ebenfalls eine große Rolle. Fanservice im entsexualisierten Sinne.

Ihr könnt Dead Rising: Watchtower hier gratis gucken, wenn ihr in Amerika wohnt. Ich krieg kein Geld hierfür von Crackle, aber schön wärs gewesen.

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