Monthly Archives: May 2018

Best of 2016 Remix

Mit großem Dank an Freund Nille.

Advertisements

CRPG was my first love, and it will be my last

Tygus Horx. Liest sich jetzt erstmal so, als wäre der Kater über die Tastatur gelaufen, ist aber tatsächlich das erste Computerrollenspiel, welches ich je gespielt habe. Ein Bard’s-Tale-Klon, gefunden auf der Diskettenbeilage einer 64er-Sonderausgabe. Ich und Ulli und Kai saßen stundenlang gemeinsam vor dem Rechner, führten Party um Party in den Tod, weil wir keine Ahnung hatten, was wir taten, und das einzige, was mir darüber hinaus in Erinnerung blieb, ist, dass Kai seinen ersten Kämpfer Terror nannte und alle darauffolgenden Terror II, Terror III, etc.

The Secret of the Silver Blades, ebenfalls für den C64, den ich noch lange bespielte, als alle anderen schon mit Amiga und Atari ST protzten, war mein erstes gekauftes Rollenspiel, mit goldener Box und Anleitung und allem drum und dran. Ich wusste nicht, dass es der dritte Teil einer Serie war, und mein Englisch war grad gut genug, um mich zurechtzufinden, aber nicht gut genug, um das im Spiel Geschriebene auch korrekt auszusprechen (Bei mir reimte sich “Cure Light Wounds” auf “Störzeit Maunz”). Stunden um Stunden verbrachte ich damit, komplett lineare Dungeons zu kartographieren, weil ich gehört hatte, dass man das so macht, um am Ende den Lich Tyranthraxus zu besiegen und somit auch mein erstes Rollenspiel durchzuspielen. Gut, mit Charakteren, denen man zu Beginn den Höchstwert in allen Eigenschaften gegeben hat (ein Feature, ursprünglich eingebaut, um das korrekte Übertragen eurer PnP-Charaktere zu ermöglichen), aber ich war ja noch jung.

Dungeon Master, bei Ulli auf seinem vom Konfirmationsgeld gekauften 386er, ausgeliehen aus dem PC-Spiel-Ausleihladen, die schon damals wie auf Sand gebaut anmuteten, die Mumie unter das Fallgitter locken und jahrelang nicht weiterkommen als bis dorthin, wo die Würmer lauern.

Champions of Krynn, bei Jan und David zu Hause, die den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen durften, und deren Mutter uns grünen und roten Wackelpudding brachte, den wir Baazschleim und Bozakhirn nannten.

Und später dann: Der eigene PC. Dungeon Master – durch. Alle Gold-Box-Titel von SSI, durchgespielt und die Party stets von Spiel zu Spiel transferiert. Dasselbe, Jahre später, mit Baldur’s Gate 1 und 2. Planescape: Torment, die letzten 20 Stunden am Stück am Rechner meines Mitbewohners, dann, inzwischen morgens um acht, zum Briefkasten gehen und sehen, dass meine Studienplatzbewerbung abgesagt wurde. Zu euphorisiert, um traurig zu sein. Wizardry 8, Anachronox, die Fallouts: Alles fantastisch. Aber auch alles allein.

Wenn ihr auch auf eine Reise durch eure persönliche Computerrollen-spielgeschichte gehen wollt, die hoffentlich erbaulicher endet als meine oben beschriebene, kann ich euch wämstens “The CRPG Book Project” empfehlen, das seinen furchtbar generischen Titel durch Kostenlosigkeit und sehr viel Liebe zur Thematik ausgleicht. Auf über 500 Seiten führen euch mehr als 100 Autoren durch 40 Jahre Rollenspiel am Computer, konkret anhand von chronologisch sortierten Reviews. Natürgemäß wird solch ein Werk gen Ende hin immer uninteressanter, weil man halt irgendwann den Punkt erreicht, wo man die meisten beschriebenen Titel selbst gespielt hat, und die Qualität der Texte selbst ist arg schwankend (und ich frage mich, ob sie nicht doch irgendwo jemanden hätten finden können, der Fallout 4 mochte), aber ihr seid ja normale Menschen, die so ein Nachschlagewerk nicht wie so ein Dussel von vorne bis hinten durchliest wie icke, und dann kann man ja dementsprechendes einfach überblättern. So man mit dem Genre auch nur ein bißchen was anfangen kann und sich nicht daran stört, dass MMOs komplett ausgeklammert werden (dafür aber einige Titel Erwähnung finden, die ich nicht zum Genre zählen würde), kriegt man mit TCRPGBP nicht nur eine Reise in die eigene Spielvergangenheit präsentiert, sondern findet auch genug interessantes Unbekanntes, um die Steamwunschliste noch mehr zu füllen.

Und hätte ich mit dem Text nicht so lange gewartet, bis ich ihn endlich schreib, hättet ihr das PDF tatsächlich runterladen können. Jetzt gehts grad nicht, weil sie die Hardcoververöffentlichung vorbereiten. Aber vielleicht bald, und wenn nicht, dann hoffe ich, dass ich euch nicht allzuviel Appetit drauf gemacht hab.