Ein dummer März

Ich zweifel gerad etwas am Sinn und Zweck nicht nur dieser, sondern aller meiner Videospieltexte. Was genau hilft es euch, zu wissen, was ich spiele und wie es mir gefällt? Ich stecke nicht so tief in der Materie, dass ich euch Neues erzählen könnte, ich kenne keine Entwickler persönlich, ich stecke in keinem Genre so tief drin, um Vergleiche mit Hand und Fuß zu ziehen, und bin zu faul, um viel herumzurecherchieren. Was bleibt, sind leidlich unterhaltsame “Ich hab X gespielt und fands gut”-Texte, wie man sie in jedem Laberpodcast finden kann. Und ich find so vieles blöd, was ihr gut findet, dass Empfehlungen meinerseits euer Interesse auch nicht wecken sollten, zumal ich dieses Jahr ja eh kaum Neues spielen werde, und keine Sau interessiert sich noch für rein emotional geprägte Reaktionen auf Spiele von anno dazumal, von 2018 oder so.

Die einzige Antwort war immer, dass die Rezeption eines Texts stets zweitrangig für mich war, aber wenn ich mir gegenüber ehrlich bin, schlägt der Spaß am Schreiben, oder, noch intensiver, dieses Gefühl, etwas schreiben zu müssen, bei weitem nicht mehr so hohe Wellen wie einst. Wie wenn man zu lange in dörfliche Sternenhimmel guckt oder sich die Maße und Entfernung des geknippsten schwarzen Loches vorzustellen versucht, ist mir die eigene Insignifikanz inzwischen zu bewusst, als das ich mir noch vorstelle, irgendwas hiermit erreichen zu können, was auch immer. Vorbei die Zeiten, in denen es mir wichtig war, dass ihr Spiele, die ich toll finde, auch toll findet. Lange bevor ich zu einem aktuellen Thema was schreibe, ist schon alles zu oft gesagt, und manches davon ist schlauer als alles, was ich je produzieren könnte. Und ich muss mich nicht positionieren, weil es mir keine Genugtuung gibt, in vier Jahren zu tweeten, dass ich ja diesen Punkt schon vor vier Jahren gebracht hätte.

Na gut, doch. Leider. Aber hoffentlich in vier Jahren nicht mehr.

Ich kenn mich zu gut, um all das obige in Stein zu meißeln. Vielleicht zieht es mich nur gerad runter, dass das Ende meiner vom letzten Jahr gebunkerten Topspiele naht, und ich zu stur bin, diesen blöden Vorsatz zu brechen. Aber ich bin mir gerade sicher, dass es gut für mich wäre, wenn mein Output Abstand von Videospielen nähme. Es gäbe so viel Blödsinn, den ich ansonsten machen könnte und gerne wollte. Vielleicht reicht es nach 20 Jahren auch mal.

Spiel des Monats: Red Dead Redemption 2

Ich hab einen großen Fehler gemacht. So gut ich darin bin, keinerlei Texte über Spiele zu lesen, solange ich sie noch nicht durch habe, sehe ich mich nun gezwungen, diese Regel zu erweitern: Lese keine Texte über Spiele, über die du schreiben willst, denn vielleicht liest du einen Text, der so viel eloquenter und umfassender ausdrückt, was du fühlst, dass alle deine Versuche danach ähnlich aussagekräftig wirken wie die Din-A4-Seiten voller kleiner Schreibschrift-Ls, die du in der Grundschule fülltest. Ich red von dem hier, und ich unterschreibe alles davon:

Red Dead Redemption 2 and the love song of J. Arthur Morgan

Ich hätte gesagt, dass Red Dead Redemption 2 die für mich schönste Open World hat, und nicht nur ob der Grafikqualität, die beste Geschichte, die ich lange erleben durfte, denn keine Geschichte nahm sich je soviel Zeit, und Langsamkeit ist mein Jam. Außerdem rettet man nicht die Welt. Ich liebe, dass es kein Rollenspiel ist, und dass sich niemand gezwungen fühlen muss, Nebenaufgaben zu machen, weil man schlicht nichts Geiles dafür kriegt. Ich hab trotzdem alles gemacht, weil Charakterentwicklung seit Deadly Premonition den Protagonisten erst von allen Seiten zeigt, und Arthur Morgan ist mit so großem Abstand der für mich interessanteste Videospielcharakter, dass es schon nicht mehr witzig ist. Mag halt auch am Alter liegen, alles. Aber es ist für so einen alten Sack wie mich halt auch mal schön, das Gefühl zu haben, dass ein Spiel für mich gemacht wurde. Ich hatte vor langer Zeit festgestellt, dass meine Lieblingsstellen in Spielen meistens die sind, wo die Gruppe ums Lagerfeuer sitzt, und RDR2 killt alles, was in dem Bereich je irgendwo existierte. Die Van-der-Linde-Gang nach einem gelungenen Überfall feiernd, wenn Javier die Gitarre auspackt und alle gemeinsam singen? Mein Herz geht allein bei der Erinnerung daran über vor Freude. So sehr, dass ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiterspielen wollte, weil ich wusste, dass es der Spannungsbogen nicht erlauben würde, dass es ewig so weitergeht.

Ging es nicht. Ich litt.

Ich erspare euch in Zukunft die Auflistung der Titel, die ich außerdem gespielt habe, soweit ich dazu nichts Interessantes zu sagen habe, okay? Aber ich würde euch gerne Cragne Manor ans Herz legen, so ihr eins habt, dass für Interactive Fiction oder interessante Experimente schlägt. Über 80 Menschen schrieben jeweils eine Location, ohne zu wissen, was bei den anderen geschieht, alles im weitesten Sinne angesiedelt im Bereich Cosmic Horror, super weird und vermutlich die spielerischste Version eines Quilts, die es je geben wird.

3 responses to “Ein dummer März

  1. Ich bin nur hier für Hot Celebrity Gossip!

  2. Deiner letzter Beitrag ist nun von Mai- scheinbar hast du es also geschafft, Abstand von Videospielen zu nehmen?
    Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass ich Texte über Videospiele auf (vergleichsweise kleineren) Blogs wie deinem gerne lese, weil sie aus Leidenschaft geschrieben werden und nicht weil sie gesponsored sind o.ä. Natürlich muss sich das nicht ausschließen, aber authentischer finde ich Spieleeinschätzungen von langjährigen Gamern. Und Sätze wie “Mein Herz geht allein bei der Erinnerung daran über vor Freude. So sehr, dass ich ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiterspielen wollte, weil ich wusste, dass es der Spannungsbogen nicht erlauben würde, dass es ewig so weitergeht.” liest man in Spielemagazinen und Co eher selten.

  3. Aww, danke für dieses schöne Lob! Nein, ich spiele weiterhin viel, nur hab ich es geschafft, Abstand vom Vollenden der noch ausstehenden Monatstexte zu nehmen. Aber ich arbeite daran.

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