Monthly Archives: May 2019

Ein April

Ich bin nicht gut da drin, mit etwas abzuschließen. In meinem Kopf bin ich noch immer mit Menschen befreundet, von denen ich seit fünfzehn Jahren nichts mehr gehört habe, ich sortiere Texte unter der Kategorie “Angefangen” ein, die ich zum Ende der Schulzeit angedacht habe, und ich lese seit fast fünf Jahren an der Gesamtausgabe von Conan the Barbarian. Bei Spielen ist das nicht anders: Solange ich sie nicht durchgespielt oder anderweitig mit ihnen abgeschlossen habe, pausiere ich nur. Irgendwann spiel ich Metroid Prime weiter. Und Viewtiful Jack. Der Gag ist: Ich tue das manchmal wirklich. Ni No Kuni lag ein Jahr halb durchgespielt auf der Festplatte rum, bis ich die andere Hälfte mit Genuss spielte. Mein gutes Gedächtnis für Stories und Spielmechaniken hilft in diesem Fall enorm.

Darkest Dungeon, einst nach 80 Stunden abgebrochen, fing ich dennoch erneut an, weil ich mich der einzigen noch existierenden Hürde, dem namensgebenden Verlies, nicht ohne tiefes Verständnis meiner Charaktere und Ausrüstung stellen wollte. Weitere 80 Stunden später, nach immerhin zwei erfolgreichen Ausflügen in den dunklen Kerker und nur noch zwei fehlenden zum endgültigen Durch-spielen, glitt das Spiel in der “Most Recent”-Auflistung meiner Steambibliothek klammheimlich immer weiter nach unten. Ob es am Permadeath-Stress lag, oder an zuviel Düsterheit, weil ich parallel Bloodborne spielte, weiß ich nicht. Irgendwann spiel ichs weiter. Genau wie Paradigm, was ich mir aufgrund eines Screenshots, der ein Faultier mit Trumpfrisur zeigte, schenken ließ (Danke, AntediluvianArk!), was aber, wie sich schnell herausstellte, ein “lustiges” Adventure ist (was ja auf meiner hier nachzuschlagenden Antigenreliste steht). Genau wie Baba is You (Danke, Nille!), was supercool, aber mir ab einem gewissen Punkt viel zu schwer ist. Ich werd die alle weiterspielen. Irgendwann. Bestimmt.

Worin ich übrigens auch gut bin, ist Spiele oder Serien (leider funktioniert das nicht bei anderen Medien) binnen kürzester Zeit als “nicht für mich” zu begreifen und für immer zu vergessen. Portal Knights (Danke, PS+!), der Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2017? Ich habs nichtmal durchs Tutorial geschafft, bevor ich deinstallierte. Burly Men at Sea ist ein mir zu simples Choose Your Own Adventure, dessen Geschichten aber so abgegriffen wirken, dass die hübsch reduzierte Optik das nicht rausreißen kann. Bis ich das nach anderthalb Stunden ad acta legte, hatte ich es allerdings schon dreimal durchgespielt. Alle anderen Spiele, in die ich im April kurz reinguckte, hab ich schon wieder vergessen. Ich sollte diese monatlichen Texte echt zeitnäher schreiben. Ich bin so ein anderer Mensch als der, der ich noch im April war!

Spiel des Monats: Bloodborne

Soulsborne ist wie ein alter Schulfreund: Ich freu mich immer, ihn zu sehen, und verbringe gern Zeit mit ihm, aber jedesmal, wenn wir uns wieder treffen, merke ich, dass wir uns stetig auseinanderverändern. Und sollte der Punkt erreicht werden, an dem das einzige, was wir gemeinsam haben, die zusammen erlebte Vergangenheit ist, werde selbst ich Beendeunfähiger die Flagge streichen. Soweit ist es gottlob noch nicht, und wenn ich ehrlich bin, bin ich das Problem: Ich bin es, der sich nicht weiterentwickeln mag, ich bin es, der mit den ganzen neuen Interessen von Soulsborne nichts anfangen kann, ich bin es, der nicht mit der Zeit gehen will. Und anstatt mich darüber zu freuen, wie sehr sich das alte Kellerkind entwickelt hat, denk ich nostalgisch verklärt zurück an die tolle Zeit, als ich mit Leuchtsteinen den unsichtbaren Weg über den Abgrund markierte.

Ich hab das Gefühl, ich spiele Bloodborne falsch, weil ich die ganzen coolen Möglichkeiten, die es mir bietet, nicht nutze. Die meisten Tränke verotteten im Inventar, ich spielte 95% des Spiels mit der ersten Waffe, die ich in die Hand gedrückt bekam, und Multiplayer sowie die zufällig erstellten Bonusdungeons ließen mich nur die Stirn runzeln. Klar gibt Bloodborne mir immer noch Teile davon, was ich an Dark Souls und Demon’s Souls liebte, aber der Fokus scheint woanders zu liegen. Und irgendwann, müde, betrunken und schlecht gelaunt, werd ich Soulsborne vielleicht erzählen müssen, dass mich seine Geschichten, so sehr ich auch zu schätzen weiß, wie hinterrücks er sie erzählt, einfach nicht interessieren, weil es Fantasyquark ist von Helden und Monstern und Verrat und Versuchung, und ich hab das alles schon zu oft gehört. Ich will doch nur Monster töten und Level erkunden. Oder wenigstens Teil der Geschichte sein, ohne vorher Wikis zu wälzen. Ich hätte auch gern die zwei Areale gesehen, die ich komplett verpasst habe, aber vor dem Durchspielen les ich halt keine Guides und nach dem Durchspielen bin ich im New Game + und müsste das halbe Spiel noch einmal spielen, bevor ich die mir neuen Gebiete erreiche. So weit geht die Neugier dann doch nicht. Darüber hinaus fand ich Bloodborne, und ich weiß, das klingt kontrovers nach euren Sekirodebatten, irgendwie zu leicht? Ich mein, ich bin dauernd gestorben und hab manche Endgegner ewig nicht geschafft, aber das erwarte ich auch von From Software. Aber Bloodborne ist nicht mehr gemein. Mein Freund Soulsborne ist netter geworden. Das mag ich nicht.

Ich hatte natürlich trotzdem großen Spaß, aber jeder Fan kommt irgendwann an den Punkt, wo er sich eingestehen muss, dass es von dem, was er liebt, inzwischen soviele Teile gibt, dass die, die er wirklich vergöttert, in der Minderheit sind. Star Wars. Simpsons. Silent Hill. Soulsborne.

Orwell: Ignorance is Strength hab ich übrigens auch falsch gespielt, gefühlt. Als braver Regimestalker tat ich den Job, für den ich angestellt wurde, und fühlte mich in keiner Sekunde dazu berufen, die Tatsachen zugunsten der Regierungsgegner zu verdrehen. Ich ekele mich ein bißchen vor mir selbst, offenbar keinen renitenten Knochen im Leib zu haben, aber schiebe das dann doch auf die uninteressanteren Charaktere und die lahmere Story im Vergleich zum Vorgänger.

Ansonsten ist der usprüngliche Auslöser dieser Textreihe zur Normalität verkommen. Ich hab bisher nicht das Gefühl, irgendwas Großes verpasst zu haben, und wenn doch, hab ich das zu meinem eigenen seelischen Schutz verdrängt. Ich nehm immer noch jedes Gratisspiel mit, was aus Steam, Origin, Gog, Humble oder sonstwo rausfällt, aber mehr aus Gewohnheit als aus Interesse. Ich würde diesen Text jetzt gern mit einer Vorschau auf den Mai beenden, aber da ich ihn erst Ende Mai schreibe, wäre das bemühte Augenwischerei, und euch hinters Licht zu führen liegt nicht in meinem Interesse.

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