Best of 2018

Erinnert sich noch jemand an 2018? Ich mich nicht so richtig, und nach einem kurzem Blick ins Internetarchiv war das Schlimmste, was damals geschah, dass VIVA eingestellt wurde (zugegebenermaßen war das jetzt ein sehr kurzer Blick). Hätte mir jemand gesagt, dass ich nur zwei Jahre später täglich ein babyblaues Accessoire in der Fresse trüge, ich hätts angezweifelt. Kommt mit mir in diese Zeit der Unschuld, und labt euch an Erinnerungen schöner Spiele von vor den dunklen Stunden. Reihenfolge beliebig.

Into the Breach ist wahrscheinlich das beste Strategiespiel auf der ganzen Welt und ist nur 300 MB groß. Hat Schach neun unterschiedliche Spielerfraktionen? Hat Go Terrain? Sagt XCOM dir genau, was die Gegner in der nächsten Runde machen? Hat Fire Emblem haushohe Monster? Ist Civilization aufs Nötigste reduziert? Spielt sich eine Runde Crusader Kings 2 in einer Stunde? QED.

A Way Out landete wie damals Nidhogg 2 oder Samurai Gunn hauptsächlich auf dieser Liste aufgrund des Spaßes, den ich daran hatte, dass mit einem tatsächlichen Menschen vor dem gleichen Bildschirm zu spielen. Aber auch wenn die Story niemanden überraschen wird, der je einen Fernsehthriller gesehen hat, zeigen die Actionsequenzen, wie dynamisch Kameraübergänge auch in Spielen sein können, und ein paar kleine Momente absurden Humors brechen die gewohnte Ernsthaftigkeit des Genres. Das Ganze als CoOp-only zu verkaufen (einer kauft, zwei spielen, auch online) und die Spiellänge auf in einer Session schaffbar zu begrenzen ergibt mehr Sinn, als man von Spielepublishern gewohnt ist.

State of Decay 2 ist eine gelungene More-of-the-Same-Fortsetzung meines 2013er Lieblingspiels, also sollte es niemanden überraschen, dass es auch auf dieser Liste Erwähnung findet. Mehr Maps, mehr Waffen, mehr Zombies, mehr Events, mehr Basen, mehr Customisation, und hübscher siehts auch aus. Aber you can’t go home again, neu ist toller als verbessert und dass, was ich am meisten am Vorgänger liebte, dass man nie auf Menschen schießt, dass alle Überlebenden an einem Strang ziehen, findet sich in der Fortsetzung nicht wieder. Aber The Walking Dead ist wohl einfach zu präsent im Zombiekanon. Nichtsdestotrotz bleibt auch Teil 2 eins der wenigen Survivalspiele, die je meine Aufmerksamkeit halten konnten, und objektiv ist ist es natürlich besser. Aber wer ist schon objektiv?

Yoku’s Island Express wäre nur ein Tropfen im Fass der Flippermetroidvanias, aber die Tröte bringt alles zum Überlaufen und ist die Beste nichtkontextspezifische Tastenbelegung, seit Way of the Samurai 3 “Entschuldigen” auf den Controller legte. Ein für beide Genres ungewöhnlich sanfter Schwierigkeitsgrad und die drollige Präsentation helfen zugegebenermaßen auch.

Dead Cells ist halt das jährliche Roguelite, was mich für kurze Zeit wahninnig begeistert und dann irgendwann vom nächstjährigen Kandidaten abgelöst wird. Die bunte Mischung aus wahnwitzigen Waffenkombinationen, nervenaufreibenden Permadeathängsten und Geheimnissen über Geheimnissen ist schwer doch kurzweilig, wenn sie auch nie die Mörderpixelatmosphäre der allerersten Szene übertrifft.

Wo Earth Defense Force 5 draufsteht, ist Earth Defense Force drin. Aber schicker, zumindest auf der PS4 Pro unruckeliger, mit einem freundlicheren Waffenauflevelsystem und mehr Getier. Ich mag keine Shooter und ich mag kein Musou, aber EDF kriegt mich immer wieder. Super im Coop, außerdem.

Unavowed ist Buffy (also: Gruppe teils übernatürlich begabter guter Wesen jagt ebensolche, die Böses tun), mit dem Unterschied, dass es mir wahnsinnig gut gefällt. Frei von Teeniedrama wird Okkultes mit reellen Problem verquickt, in der Qualität, die man vom Autor der Blackwellreihe erwartet, und konfrontiert dich mit einer derartigen Vielzahl an Rätsellösungsmöglichkeiten (abhängig von vorherigen Entscheidungen und den begleitenden Gruppenmitgliedern), dass man glatt vergessen kann, wie alt das Point’n’Click-Genre eigentlich ist.

Return of the Obra Dinn ist für mich das einzige Spiel, das es geschafft hat, die Wunschvorstellung, Detektiv zu sein, über die Spielmechanik verlustfrei zu vermitteln. Während andere Titel sich in Genrekonventionen verheddern, deine Schlussfolgerungen vom Voranschreiten des Plots abhängig machen, stupides Rumprobieren belohnen oder dich mit ewiglangen Konversationen langweilen, ist man hier nicht mal ein echter Detektiv im klassischen Trenchcoat- bzw. Deerstalker-Sinn. Mehr so Leichenbeschauer trifft Tatortforensiker, wie ein Quincy, der sich zum “YEEEAAAAAA!” die Sonnenbrille aufsetzt. CSI Segelschiff. Ich schweife ab. Wie früher! Jedenfalls bestes Spiel mit Retrostandbildern, Hörspielhorror und Zeitreisen.

Red Dead Redemption 2 klingt toll, hat die besten Feiern, die wunderschönste Welt, die ich je in einem Spiel durchritt, den vielschichtigsten Protagonisten des Genres (citation needed) und weil Rockstar auf alles pfeift, was nicht Rockstar ist, ist es das vermutlich letzte große AAA-Spiel ohne Rollenspielelemente. Das haben sie schon bei GTA5 gemacht, aber ich finds so frech und damit so geil, dass optionale Nebenmissionen, Sammelquests etc. kaum bis gar keine Belohnungen als Zuckerbrot bieten.

Kein anderes Spiel nimmt sich (und damit dir) soviel Zeit (selbst Quick Travel dauert), aber ich feier das.

Spider-Man bietet den meisten Bewegungsspaß in Open World seit Prototype, hat phantastische Sprecher, meinen (medienübergreifend) Lieblings-Peter-Parker, coole Kostüme en masse und mich mit all dem so in den Bann gezogen, dass ich alle Nebenaufgaben inklusive Addons machte und meine erste Platintrophäe überhaupt holte. So richtig wird man seine alten Schwärme offenbar nicht los, und Spider-Man-Comics waren halt mein primärer Einstieg in all things Marvel, so um 1991 rum. Thwip thwip.

6 responses to “Best of 2018

  1. Aha, diese Bestenlisten mit jahrelanger Verspätung schreiben, aber dann doch aktuelle Spiele gezockt haben – wie inkonsequent! :-)

    Ich hab nicht viele davon gespielt. In INTO THE BREACH bisher nur erfolglos reingeschaut (obwohl deine Argumentation natürlich knallhart ist :-D), dafür mit dem hübschen YOKU’S ISLAND EXPRESS viel Spaß gehabt (wenn die Karte nicht nur so unzureichend wäre) und darüber gelacht, wie in A WAY OUT alles immer absurder wird! Und irgendwann schaue ich mir auch Wadjet Eyes Adventures an …

  2. Spielen fällt mir halt soviel leichter als Schreiben.

  3. “Schach 9” — Die Sequelitis greift aber echt um sich..

  4. Hmpfaberduhastrecht

  5. Missingno.

    Da ist wohl die 60 beim Schach-960 untergegangen. ;-)

    Da du von Obra Dinn schwärmst: Hast du den Shapeshifting Detective gespielt und wenn ja, wo reiht er sich als Detektiv-Spiel ein?

  6. Nein, hab ich nicht – bei FMV-Spielen bin ich sehr vorsichtig, weil das Fehlen darstellerischer Qualität mich schnell abschreckt, selbst wenn es sich nicht ernst nimmt, wie bei Roundabout zum Beispiel. Telling Lies gefiel mir diesbezüglich sehr gut, aber ansonsten trau ich mich an nur sehr wenige ran.

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