Category Archives: Spiele

Eine vermutlich sehr dumme Idee

Hallo, SpielerDrei hier mit einem Luxusproblem: Zu viele Spiele. Das liegt gar nicht so sehr an einem etwaigen Kaufdrang kombiniert mit Geldüberschuss, hab ich doch lediglich 12 Spiele in ebensovielen Monaten dieses Jahres erstanden, was weit entfernt ist von der Zeit vor etwa 14 Jahren, wo ich teils mehr für Spiele im Monat ausgab als für Miete (zumal das damals auch noch fast alles Vollpreisspiele waren, davon hatte ich dieses Jahr genau eins). Ich würde gerne Reife als Grund dafür angeben, aber es ist schlicht Übersättigung. Über die Jahre haben sich im Regal, auf den Konsolen und in der Steambibliothek derartige Massen an Spielen angehäuft, dass mir das ein bißchen peinlich ist – nicht ob des Besitzes, sondern weil ich so viel nicht einmal ansatzweise gespielt habe. Wisst ihr, wer kauft, aber nicht benutzt? Sammler. Iiiiehh!

Jetzt wäre der logische Schritt natürlich, einfach nichts Neues mehr zu kaufen, wenn mich das so belastet. Aber so einfach ist das nicht, schließlich wird man von allen Seiten ständig gratis mit neuen Spielen beworfen, sei es per Games with Gold, PS+, Twitch Prime, Humble Monthly und jetzt noch zusätzlich vom Epic Store. Ganz zu schweigen von itch.io, wo es zum jetzigen Zeitpunkt über 134000 Gratisspiele gibt, oder Gamejams, die in einem Tempo Spielbares produzieren, dass selbst der Mensch mit der größten Hingabe, den ich kenne, nicht hinterherkommt. Damit kommt ihr vielleicht gut klar, aber ich bin prädestiniert, dazu, mich von meinen Mediengenießmöglichkeiten eingeschränkt zu fühlen, schaue ich doch seit geraumer Zeit nicht mehr die Filme, auf die ich gerade Lust habe, sondern die von meiner Watchlist, die in den nächsten 30 Tagen bei Amazon aus dem Programm genommen werden. Ein Elend, sag ich euch.

Also will ich ein Experiment wagen. Ab dem 1. Januar 2019, bis zum 31. Dezember des selben Jahres, werde ich mir kein einziges Spiel kaufen, unabhängig von Plattform, Preis und Pferlangen. Soweit ich weiß kommt nächstes Jahr nichts raus, was ich als Musthave auf dem Schirm habe, und selbst wenn, macht das 2020 auch noch Spaß. Ich werd auch das nächste Jahr ohne Switch überleben, selbst wenn das neue Fire Emblem erscheint (ich hab ja schon die letzten 4(?) Teile auf dem 3DS nicht gespielt (halt alle nach Awakening), meine krankhafte Abhängigkeit scheint geheilt), und kein Trailer von E3, GC oder VGA erzeugte bei mir Kribbeln im Bauch.

Daher werde ich es nun ein Jahr mit Spielen so halten, wie es die meisten Überdreißigjährigen mit Musik tun, und den Blick nurmehr nach hinten werfen. Backlog bespielen, “Das klang interessant und war billig”-Titel tatsächlich mal angucken, vielleicht sogar, und ich weiß, das muss für euch total verrückt klingen, irgendwas Durchgespieltes noch einmal von vorn beginnen?! Ansonsten widme ich mich den Krumen, die mir PS+ und Twitch Prime monatlich zuwerfen, und traue mich dadurch vielleicht gar an Genres, die ich sonst links liegen lasse. Und wenn mich all das binnen kürzester Zeit langweilt, dann les ich halt ein schönes Buch. Oder abonniere Game Pass bzw. Playstation Now. Das gilt, ich mach die Regeln!

Idealerweise werde ich gen Ende jeden Monats von meinen spannenden Erlebnissen mit diesem selbstauferlegten Kreuz berichten, aber wir wissen ja, wie das mit mir und regelmäßigem Schreiben so ist. Ich kann mir ehrlich gesagt auch nicht wirklich vorstellen, dass das in irgendeiner Art und Weise lesenswert für euch wäre, aber wann hat mich das je abgeschreckt? Also begleitet mich in dieses Jahr der Entbehrungen, und schaut (aus sicherer Entfernung), was es mit mir macht. Who will survive and what will be left of them? Aber vorher kauf ich noch Below und das neue Earth Defense Force, mit dem noch ungespielt hier liegenden Bloodborne sind die ersten drei Monate damit eigentlich schon im Sack.

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Best of 2016 Remix

Mit großem Dank an Freund Nille.

CRPG was my first love, and it will be my last

Tygus Horx. Liest sich jetzt erstmal so, als wäre der Kater über die Tastatur gelaufen, ist aber tatsächlich das erste Computerrollenspiel, welches ich je gespielt habe. Ein Bard’s-Tale-Klon, gefunden auf der Diskettenbeilage einer 64er-Sonderausgabe. Ich und Ulli und Kai saßen stundenlang gemeinsam vor dem Rechner, führten Party um Party in den Tod, weil wir keine Ahnung hatten, was wir taten, und das einzige, was mir darüber hinaus in Erinnerung blieb, ist, dass Kai seinen ersten Kämpfer Terror nannte und alle darauffolgenden Terror II, Terror III, etc.

The Secret of the Silver Blades, ebenfalls für den C64, den ich noch lange bespielte, als alle anderen schon mit Amiga und Atari ST protzten, war mein erstes gekauftes Rollenspiel, mit goldener Box und Anleitung und allem drum und dran. Ich wusste nicht, dass es der dritte Teil einer Serie war, und mein Englisch war grad gut genug, um mich zurechtzufinden, aber nicht gut genug, um das im Spiel Geschriebene auch korrekt auszusprechen (Bei mir reimte sich “Cure Light Wounds” auf “Störzeit Maunz”). Stunden um Stunden verbrachte ich damit, komplett lineare Dungeons zu kartographieren, weil ich gehört hatte, dass man das so macht, um am Ende den Lich Tyranthraxus zu besiegen und somit auch mein erstes Rollenspiel durchzuspielen. Gut, mit Charakteren, denen man zu Beginn den Höchstwert in allen Eigenschaften gegeben hat (ein Feature, ursprünglich eingebaut, um das korrekte Übertragen eurer PnP-Charaktere zu ermöglichen), aber ich war ja noch jung.

Dungeon Master, bei Ulli auf seinem vom Konfirmationsgeld gekauften 386er, ausgeliehen aus dem PC-Spiel-Ausleihladen, die schon damals wie auf Sand gebaut anmuteten, die Mumie unter das Fallgitter locken und jahrelang nicht weiterkommen als bis dorthin, wo die Würmer lauern.

Champions of Krynn, bei Jan und David zu Hause, die den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen durften, und deren Mutter uns grünen und roten Wackelpudding brachte, den wir Baazschleim und Bozakhirn nannten.

Und später dann: Der eigene PC. Dungeon Master – durch. Alle Gold-Box-Titel von SSI, durchgespielt und die Party stets von Spiel zu Spiel transferiert. Dasselbe, Jahre später, mit Baldur’s Gate 1 und 2. Planescape: Torment, die letzten 20 Stunden am Stück am Rechner meines Mitbewohners, dann, inzwischen morgens um acht, zum Briefkasten gehen und sehen, dass meine Studienplatzbewerbung abgesagt wurde. Zu euphorisiert, um traurig zu sein. Wizardry 8, Anachronox, die Fallouts: Alles fantastisch. Aber auch alles allein.

Wenn ihr auch auf eine Reise durch eure persönliche Computerrollen-spielgeschichte gehen wollt, die hoffentlich erbaulicher endet als meine oben beschriebene, kann ich euch wämstens “The CRPG Book Project” empfehlen, das seinen furchtbar generischen Titel durch Kostenlosigkeit und sehr viel Liebe zur Thematik ausgleicht. Auf über 500 Seiten führen euch mehr als 100 Autoren durch 40 Jahre Rollenspiel am Computer, konkret anhand von chronologisch sortierten Reviews. Natürgemäß wird solch ein Werk gen Ende hin immer uninteressanter, weil man halt irgendwann den Punkt erreicht, wo man die meisten beschriebenen Titel selbst gespielt hat, und die Qualität der Texte selbst ist arg schwankend (und ich frage mich, ob sie nicht doch irgendwo jemanden hätten finden können, der Fallout 4 mochte), aber ihr seid ja normale Menschen, die so ein Nachschlagewerk nicht wie so ein Dussel von vorne bis hinten durchliest wie icke, und dann kann man ja dementsprechendes einfach überblättern. So man mit dem Genre auch nur ein bißchen was anfangen kann und sich nicht daran stört, dass MMOs komplett ausgeklammert werden (dafür aber einige Titel Erwähnung finden, die ich nicht zum Genre zählen würde), kriegt man mit TCRPGBP nicht nur eine Reise in die eigene Spielvergangenheit präsentiert, sondern findet auch genug interessantes Unbekanntes, um die Steamwunschliste noch mehr zu füllen.

Und hätte ich mit dem Text nicht so lange gewartet, bis ich ihn endlich schreib, hättet ihr das PDF tatsächlich runterladen können. Jetzt gehts grad nicht, weil sie die Hardcoververöffentlichung vorbereiten. Aber vielleicht bald, und wenn nicht, dann hoffe ich, dass ich euch nicht allzuviel Appetit drauf gemacht hab.

The Return of “Der Rapbattle des Schreckens!”

Manche von euch mögen sich erinnern, dass ich vor Urzeiten mal ein nicht nur technisch furchtbares Bröckchen Interactive Fiction veröffentlichte. Als ich mir das neulich noch mal angucken wollte, stellte ich fest, dass die ganze Seite dahinter gar nicht mehr existiert. Unwillens, in einer Welt zu leben, in der “Der Rapbattle des Schreckens!” nicht von den Massen gespielt werden kann, nutze ich meine videospielfreie Zeit bis State of Decay 2, um ein bißchen Ink zu lernen und das Ganze zumindest technisch wesentlich weniger furchtbar erneut zu veröffentlichen. Jetzt sogar auf itch.io, wie so ein echter Entwickler. Viel Spaß mit “Der Rapbattle des Schreckens!” (und ja, ich weiß, was für ein blöder Name das ist)!

Nantucket: Moby Dünn

In Nantucket besegelst du als Ishmael, dem Protagonisten und einzigem Überlebenden (“ey, Spoiler!”) von Herman Melvilles Meisterwerk Moby Dick die sieben Weltmeere, um dem weißen Wal (und nem Haufen anderen Meerestieren) endgültig den Garaus zu machen, heuerst fähige Crewmitglieder an, baust dein Schiff aus und kämpfst gegen Eingeborene, Piraten oder die Strömung.

Was auch stimmt: In Nantucket klickst du dich durch die ewiggleichen Bildschirme, arbeitest die gleiche Handvoll Standardmissionen wieder und wieder ab, um dir irgendwann ein größeres Schiff leisten zu können, schlachtest Meeressäugetiere en masse auf die denkbar unspektakulärste Weise ab und folgst dabei einer Story, welche die Nähe zu Weltliteratur WIRKLICH nicht suchen sollte und zudem in eine merkwürdig esoterische Ecke abdriftet. Wenn Moby Dick Der weiße Hai wäre, wär Nantuckets Geschichte Jaws: The Revenge.

So auch die meisten von euch nie von Nantucket gehört haben werden, freute ich mich schon geraume Zeit drauf, trifft das Setting doch genau meinen Geschmack. Ich hab Horatio Hornblower und Moby Dick gelesen, den Phantom Atlas verschlungen, ich hab sogar als Vorbereitung In The Heart of the Sea gesehen, und der war nicht gut. Die ganzen Segelfachbegriffe rauschen zwar immer noch an mir vorbei wie medizinische Fachbegriffe in einer typischen Folge Dr. House, und ich kann eine Rah nicht von einem Klüverbaum unterscheiden, aber mich reizt halt diese Idee vom Ozean als unbarmherzige Kraft, die Idee, dass sich ein Haufen Männer für viele Monate in ein Holzschiff setzten und nur ihre Fähigkeiten und das Glück entschied, ob sie je lebendig nach Hause kommen würden, geschweige denn als reiche Männer. Mit Seemannsgarn statt Satellitenbildern waren die Meere so fremd und wundersam, wie es für Science-Fiction-Autoren später der Weltraum sein würde, und jede unerforschte Insel bot das Potential für wundersame Tiere, gigantische Goldschätze und unbekannte Kulturen. Das, mit Fokus auf Walfang, erwartete ich mir von Nantucket. Selber schuld.

{Eventuell kürzen. Interessiert doch keine Sau.}

Das größte Problem an Nantucket ist, dass das Auffinden, Jagen, und Zerteilen der Wale, eine Thematik, der Melville gut die Hälfte der Moby-Dick-Kapitel widmete, ebenso episch und majestätisch präsentiert wird wie das Erschlagen von drei Orks in jedem x-beliebigen Fantasyrollenspiel, nämlich gar nicht so sehr. Der einzige Unterschied ist, dass am Ende Blubber statt Gold herausfällt. Ich mein, mir ist klar, dass ein kleines Dreipersonenteam Walfang grafisch nicht so abfeiern kann wie Assassin’s Creed: Black Flag, aber mal ehrlich:

Das vermittelt so viel Dramatik wie Canasta. Darüber hinaus bin ich auch mit dem Kampfsystem recht unzufrieden, sogar abgesehen davon, dass es sehr träge ist und nach einem Fast-Forward-Knopf schreit: Wie oben ersichtlich (für die Leser, die früher gerne mit Pappe gebastelt haben), hat jedes Crewmitglied einen Würfel, der pro Runde geworfen wird. So ein Symbol oben liegt, kann man pro Ruderboot eins nutzen, um anzugreifen/heilen/etc. ; dazu gibts ein zufälliges Ereignis pro Runde, die wetterabhängig schwerwiegende Auswirkungen auf den Kampf haben. Dies kombiniert mit Gegnern, die dich lähmen, verbluten oder vom Boot fallen lassen (und selber stets erfolgreich angreifen), kann mit etwas Pech schnell frustrierend werden, wenn man hilflos dabei zuschauen muss, wie die liebevoll hochgezüchteten Schiffsjungen Davy Jones’ Permadeath erliegen. Und wenn der Endkampf nur gewonnen werden kann, wenn ein bestimmter Matrose innerhalb von etwa 12 Runden quasi zweimal eine 6 werfen muss (aber nicht hintereinander, sondern mit einigen Runden Abstand), ist das zwar statistisch realistisch, aber schlechtes Design. Zumal die Attacken der Gegner auch keinem ersichtlichen Muster folgen und demnach besagter Matrose schon in den ersten Runden sterben könnte. Oder hey, wie wärs mit der ersten Hauptquest, deren Kampf komplett anders abläuft als jeder andere im Spiel und demnach eine gänzlich andere Crew erfordert?

Das wäre alles nicht so wild, wenn das Spiel nicht offenkundig voraussetzen würde, dass man es im Iron-Man-Modus spielt, da man nur in diesem Achievements freischalten kann. Ich weiß, scheiß auf die, aber ich wüsste nicht, wie man das anders lesen sollte. Darüber hinaus: Von jedem Risiko befreit, ist das Spiel in wenigen spannungsfreien Stunden durchgespielt, weil jeder Sturm, jeder Piratenüberfall, jede abgeguckte schlechte Angewohnheit weggeladen werden kann. Was bleibt, ist Wale campen, aufpassen, dass die Ressourcen nicht ausgehen und das gemächliche Aufleveln von Schiff und Mannschaft. Spannend ist anders.

Paradoxerweise ist das Spiel aber für Iron Man meines Erachtens nach eher ungeeignet, nicht nur wegen des oben geschilderten Kampfsystems. Alle Fanggründe, Haupt- und Nebenmissionen und sind stets an den gleichen Stellen auf der Weltkarte zu finden, was schnell jedwede Entdeckungslust verfliegen lässt. Wie bei Opa, der die Ostereier immer exakt unter den gleichen Büschen versteckte. Zudem kann man aus den Questkämpfen nicht fliehen und hat keine Möglichkeit, vorher herauszufinden, ob man der Herausforderung gewachsen ist – ich bin ein geduldiger Spieler, aber wiederholt eine zweistündige Partie an die Wand zu fahren, weil ich schlecht würfel oder unzureichende Informationen hatte? Dann lieber Brettspiel, da freut sich wenigstens mein Gegner. Zumal auch nichts für zukünftige Partien freigeschaltet werden kann: Ich hoffte 10 Stunden , dass ich irgendwann das Bild meines Captains ändern oder mein Anfangsschiff neu benennen könnte. Vergeblich.

Klingt jetzt alles nicht so, aber ich hatte trotzdem gut 15 Stunden Spaß mit Nantucket (und drei Stunden keinen), eben weil ich die Thematik mochte, die Begrenzungen noch nicht erkannte und generell beim Spielen selbst recht unkritisch bin. Außerdem setzen unregelmäßig Shanties ein, und die passen – wie auch die restliche musikalische Untermalung – wie die Faust aufs Bullauge. Jetzt noch kurz was meckern: Es ist toll, wenn man sieben Städte besuchen kann, von Schottland nach Hawaii: Aber wenn jede Stadt aus exakt demselben Screen besteht, kann man auch gleich zu Hause bleiben. Oder, besser: Sunless Sea spielen. Das hat interessantere Crewmitglieder, verblüffend unterschiedliche Häfen, eine in jedem Durchlauf andere Weltkarte, ein flotteres Kampfsystem und ist um Klassen besser geschrieben.