Category Archives: Spiele

JuniJuliAugustSeptemberOktoberNovemberDezember

Nun.

Nachdem ich mir eben die ursprünglichen Idee noch einmal durchgelesen habe, muss ich berichten, dass von meinen Hoffnungen nicht wirklich viel in Erfüllung ging, von den ersten Monaten vielleicht einmal abgesehen, in denen ich das Ganze ja auch noch protokollierte. Im Juni kaufte ich dann, von einer Cerealienpackung angefixt, ein Jahr Gamepass, und das, kombiniert mit der geschenkten Switch, machte das Vorhaben dann irgendwie zunichte.

Ich mein, ich habs trotzdem durchgezogen, weil ich gut im Durchziehen bin, und weil die zwei Spiele, die ich am Allerallerliebsten haben wollte, mir von guten Freunden geschenkt wurden. Aber was ich mir von der ganzen Chose erhoffte, ist nicht wirklich passiert. Ich hab nicht ein Gratis-itch.io-Spiel installiert, nicht eins der inzwischen – oh fuck, 78?! Epicstoregeschenke gespielt, obwohl ich einige davon schon ganz schön gut fand, so von fern, von Twitch Prime und PS+ ganz zu schweigen. Nicht ein PS2-Spiel nochmal rausgeholt, kein neues Genre für mich entdeckt, die Motivation zum monatlichen Schreiben hielt auch nicht recht lang und trotz recht hohem Spielkonsum ist der Backlog nurmehr größer geworden.

Natürlich ist all das vollkommen okay, nach dem doch arg depressiven letzten Text im Mai gings mir recht schnell dann doch wieder gut (40 sein ist bei weitem nicht so schlimm wie 40 werden), und die Welt hat gerade eh größere Probleme. Aber irgendwie abschließen wollte ich die Artikelserie dann doch (Next Up: Teil 3 und 4 hiervon) , so sehr mich ihre Erstellung auch quälte. Der “DU MUSST DEN JUNITEXT FERTIGMACHEN”-Gedanke verhinderte über weite Strecken jedwedes Erstellen anderer, potentiell interessanterer Texte (seht ihr, wie positiv ich inzwischen wieder denken kann?), und verleidete mir gar so sehr das Schreiben, dass ich nicht einmal den “Best of 2017”-Artikel pünktlich zu Silvester fertigstellen konnte Schrägstrich wollte. Dass der Befreiungsschlag dann ausgerechnet in der Form von Mensch-ärgere-dich-nicht kommen würde, hat mich auch überrascht, aber das Leben schreibt halt die beklopptesten Geschichten.

Fazit: Ein Jahr auf Spielekaufen verzichten kann man machen, bringt aber nix.

Mensch ärgere dich nicht AAR

Dieser After Action Report behandelt eine Vierspielerpartie Mensch Ärgere Dich Nicht, ein nunmehr 113 Jahre altes Brettspiel, dessen Titel meines Erachtens nach viel zu wenig gefeiert wird. So die strategischen Möglichkeiten doch recht begrenzt sind und der Zufallsfaktor MÄDN für viele ernsthafte Brettspieler disqualifiziert, eignet es sich aufgrund ebendieser Faktoren, komibiniert mit einer jederzeit sehr guten Lesbarkeit der Spielsituation schon durch einen flüchtigen Blick aufs Brett, hervorragend für die abschließende Aufbereitung einer Partie, womit ich den Begriff After Action Report en passant erklärt hätte, als wäre es nichts.

Da meiner Version keine Anleitung beiliegt, halte ich diese Partie mit den Regeln ab, die mir aus meiner Kindheit in Erinnerung geblieben sind: Dreimal würfeln, wenn man keine Figur im Spiel hat, der Spawnpoint muss geräumt werden, so noch Figuren im Haus sind, und höchste Zahl fängt an. Auf Schlagzwang verzichte ich, um wenigstens ein Fünkchen Strategie zu ermöglichen. Folgende Variante sei hier noch kurz vorgestellt: Sobald eine Figur geschlagen wird, wird sie komplett aus dem Spiel entfernt. Diese Variante heißt Iron MÄDN. Ha ha.

Ich spiele alle vier Parteien (in Folge Rot, Schwarz, Gelb und Grün genannt), stets bemüht, die jeweils schlaueste Option zu wählen, jedoch gebe ich offen zu, bei weiten kein geübter oder guter Spieler zu sein – mir wäre es sicher niemals gelungen, meinen Titel als deutschen Meister zu verteidigen, wie es die Chiquitas 2010 schafften.

Eine kurze Anmerkung: Um das Format nicht zu sprengen und die Geduld des Durchschnittslesers nicht zu sehr zu strapazieren, beschränke ich das Bildmaterial auf jede fünfte Runde und belasse es dabei, die interessanteren Spielsituationen zu schildern. Um die Spannung während des Lesens noch zu erhöhen, empfiehlt es sich, möglichst früh eine Farbe als Favoriten zu wählen.

Die Startsituation – alle Parteien bekamen ihren eigenen Würfel, um das Festhalten der Ergebnisse zu erleichtern. Die angezeigte Würfelpunktzahl bestimmte Gelb als Startspieler. Und los gehts.


Während Schwarz und Rot bereits in der ersten Runde Figuren aufs Feld schicken konnten, mussten Grün und Gelb bis zur dritten bzw. gar vierten Runde warten, bevor sie tatsächlich teilnehmen durften – so schnell kann der unbestreitbare Vorteil, Erster zu sein, verpuffen. Kurz vor Aufnahme dieses Bilds schlug die führende rote Figur (in Folge Rot 1 genannt, gleiches Format für die anderen Farben) Schwarz 1 und war schon halb rum, während Gelb und Grün ihren eigenen Startbereich noch nicht verlassen hatten. Grün entging dem gleichen Schicksal, indem es mit der gewürfelten 1 nicht auf den roten Spawnpunkt zog, sondern Grün 2 bewegte. Schon in dieser frühen Phase wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, mehrere Figuren auf dem Feld zu haben,um ebensolche Entscheidungen treffen zu können.


Wow, was für eine Runde 9! Rot hätte fast seine führende Figur verloren, was nur dadurch verhindert wurde, dass ich mich im letzten Moment noch erinnerte, dass die nach der 6 gewürfelte 2 ja genutzt werden muss, um den Spawnpunkt freizumachen. Grün hatte weniger Glück: Gelb, Rot und nochmal Rot in Runde 10 stellten alle seine drei Figuren zurück ins Häuschen. Was für ein Rückschlag nach einem ohnehin schon verhaltenen Beginn! Schwarz stand zu diesem Zeitpunkt recht gut, musste aber hoffen, dass Rot 1 vorbeizieht. Ein solch aufregender Auftakt ließ auf eine spannende Partie hoffen.


Oh, wie schnell sich das Blatt wendete. Rot wähnte sich in Sicherheit, nachdem am Ende von Runde 10 (siehe oben) Schwarz an seiner führenden Figur vorbeigezogen war, rechnete aber nicht mit der 6,5 von Gelb, die das ganze Spiel wieder öffnete. Schwarz brachte als erster alle Figuren aufs Feld, was den großen Vorteil gibt, gewürfelte Sechsen für die führende Figur zu nutzen, Gelb 1 stand prekär, aber kurz vor dem Haus, und auch Grün war wieder im Spiel. So spannend kann Mensch Ärgere Dich Nicht sein!


Ich weiß, was ihr jetzt denkt: Oh mein Gott, was ist denn nur Schwarz passiert? Nun, Gelb ist passiert. In Runde 16, 17 und 18 warf Gelb jeweils eine schwarze Figur raus, für den ersten Killstreak des Abends. Die Freude währte jedoch nur kurz, wurde Gelb 1 doch seinerseits Opfer von Grün, nur zwei Felder vom eigenen Haus entfernt. Grün beendete diesen für ihn exzellenten 5-Runden-Turnus mit dem Schlagen des letzten verbliebenden Schwarzen. Zu allem Unglück brauchte Schwarz vier Versuche, um wieder ins Spiel zu kommen, und verlor wertvolle Zeit. Rot hingegen nutzte die Möglichkeit, um sich klammheimlich wieder ins Spiel zu bringen.


In Runde 23 schaffte es Rot nach zwischenzeitlichem Führungsverlust, doch noch als erster ins Haus zu ziehen, dicht gefolgt von Grün nur zwei Runden später. Schwarz hattw Probleme, wieder ins Spiel zu finden, aber noch war ja alles offen. Viele Männchen auf dem Feld sorgen stets für aufregende Spielsituationen – würde es auch diesmal so sein? Lest weiter und erfahrt es!


Ich hab nicht zuviel versprochen, und ich fühle mich leicht überfordert, die Action der letzten Runde zu vermitteln, aber here goes: Unmittelbar in Runde 26, direkt nach der Aufnahme des vorherigen Fotos, schlug Grün 2 Rot 4 an dessen Spawnpoint, was immer riskant ist. So auch hier: Rot 4 kam stante pede zurück ins Spiel und schickte Grün 2 zurück in seine Ecke – Revenge Kill! Dann, in Runde 27, kams Schlag auf Schlag: Grün 2 schlug Rot 3, in der gleichen Runde schlug Schwarz 2 Rot 2 (verstehste, Schlag auf Schlag? Ha Ha), und der neue Rot 2 warf nur eine Runde später wiederum Grün 2 raus, fiel aber selber zwei Runden später durch Schwarz 2. Was für ein Gemetzel! Gelb war in diesem Fall der lachende Vierte und wanderte mit seiner ersten Figur in Runde 30 ins Häuschen.


Was für eine Aufholjagd von Schwarz! Nicht nur schlug er in 5 Runden vier Gegner (davon dreimal Rot – bahnte sich da eine Rivalität an?), nein, er machte das Ganze auch noch mit Style und einem Double Kill in Runde 34. Das Einziehen ins eigene Häuschen ist da nur noch das Sahnehäubchen. Alles war wieder offen. Für alle anderen liefs jetzt nicht so gut, aber immerhin konnten Gelb und Grün ihre Häuschenfiguren ganz nach oben setzen – ein Zug, der meines Erachtens immer so früh wie möglich gemacht werden sollte, da nichts ärgerlicher ist, als kurz vorm eigenen Ziel geschlagen zu werden, nur weil der vor einem nicht aufrückt. Wir sind hier schließlich bei Mensch Ärgere Dich Nicht, nicht in öffentlichen Verkehrsmitteln!


Vergleicht die beiden obigen Fotos, und ihr seht, dass es für Rot nicht vorwärts ging. Nach der bisherigen Action waren dies eher geruhsame 5 Runden, in denen alle Beteiligten die Zeit nutzten, um mal etwas Luft zu schnappen. Wenig gefallene Sechsen sorgten dafür, dass wenige Figuren auf dem Spielfeld waren, was weniger Konfrontationen zur Folge hat. Hoffen wir mal, dass das Spiel nach dem furiosen Auftakt nicht in konfliktfreies Im-Kreis-Laufen ausartet.


Wenig Spannendes in diesem Zeitabschnitt. Erwähnenswert war lediglich Gelb 2s Durchmarsch zum eigenen Hauseingang, dem in Runde 42 Grün 2 und in Runde 44 Schwarz 3 zum Opfer fielen. Gelb war am Zug und hoffte natürlich inständig auf eine 1-3, denn Schwarz 2 lauerte.


Gelb 2 zog verdient und sicher in Runde 46 ins Haus ein und stand nun, nach der 50. Runde, ziemlich gut da. Ansonsten passierte reichlich wenig, und selbt das Geschlagenwerden von Schwarz 2 durch Rot 2 in Runde 49 brachte kaum Stimmung in die Bude. Sollte das wirklich so weitergehen?


Gelb schlug Rot, Schwarz schlug Gelb, Gelb schlug Schwarz, Grün schlug Gelb und Rot schlug Gelb. Wie in einem richtigen Vierspielerspiel hauten alle auf den Führenden ein, bis er das nicht mehr war. Es ist nicht nur einsam an der Spitze, es kann auch echt frustrierend sein und dazu führen, dass alle versuchen, bis kurz vor Schluss der Zweitbeste zu sein. Doch zurück zur Action auf dem Brett: Rot nutzte die Möglichkeit um an der Spitze auszugleichen, Grün stand kurz davor, Schwarz bekam einfach keinen Fuß auf den Boden. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil für Rot in dieser Phase des Spiels: Alle Figuren auf dem Feld.


Gelb schaffte es in Runde 56 endlich wieder aufs Feld, nur um von Grün 2 auf dem Weg ins eigene Heim umgehend zurückgeschickt zu werden. Wer hätte je gedacht, dass ein Spiel, das fast nur auf Zufall basiert, nach 60 Runden so ausgeglichen sein könnte?? Rot weiterhin in der Favoritenrolle.


Gelb gab nochmal alles und schickte in den Runden 62 und 63 die dritten Roten und Grünen zum Start zurück. Schwarz nutzte das gelichtete Feld, um mit seiner zweiten Figur dem Haus nahezukommen. So interessant die Figurenballung rund ums schwarze Haus in dieser Phase auch war, bleibt es doch ein Faktum, dass der Spannungsfaktor von Mensch Ärgere Dich Nicht gen Ende stetig abnimmt. Aber im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsspielklassikern wie Monopoly, Risiko, Malefiz und Trivial Pursuit zieht sich das Endgame seltener. Hoffen wir, dass dies auch diesmal der Fall war.


Runde 66 hatte es in sich und machte die gelegentlichen Längen dieser Partie mehr als wett (zum besseren Verständnis bitte obiges Spielbrett zu Runde 65 betrachten): Gelb 3 zog zwei Felder vor und schlug Rot 3, und Rot reagierte mit dem Play of the Game: 6, 6, 4. Was heißt das? Der gerade geschlagene Rote kam zurück ins Spiel als Rot 4, die nächste 6 bedeutete umgehende Rache an Gelb 3, und die 4 sorgt dafür, dass Schwarz, der sich eigentlich sicher fühlte, nachdem Grün 3 vorbeizog, vor dem eigenen Haus geschlagen wurde. Die restlichen Runden gehörten Grün allein, als er in den Runden 67, 68 und 70 die führenden Figuren von Rot, Gelb und Schwarz herauswarf. Plötzlich wurde es wieder spannend.


Grün 3 zog als Erster Dritter in Runde 74 ins Haus ein (mit einer Würfelreihe, die schlichtweg unverschämt war: 4, 5, 5, 6, 6, 4, 5) und kegelte auf dem Weg nochmal Schwarz 2 raus, weil jeder gern auf den Letzten einhaut. Ganz bitter: Gelb schaffte es ab Runde 6 vier Runden lang nicht, seine Ecke zu verlassen, und verlor jede Hoffnung auf einen Sieg. Schwarz schien der Einzige zu sei, der den letzten Grünen noch aufhalten kann. Ob seine zwei Figuren vor und hinter Grün 4 es schaffen würden? Verzeiht bitte, dass ich in den letzten beiden Fotos den Rundenmarker nicht photographisch festhielt – es war einfach zu aufregend!


Nein. Schwarz ließ sich austänzeln und schlagen, und auch der frischgespawnte Gelb 4 konnte Grün 4 nicht daran hindern, die oft schwere Punktlandung auf dem letzten Hausplatz im zweiten Versuch zu meistern. Ein verdienter Sieg, bedenkt man, dass ab Runde 67 niemand außer Grün geschlagen hat. Rot stand gut für einen zweiten Platz, aber den auszuspielen fehlte mir die Geduld und das Interesse. Eine Partie mit Höhen und Tiefen, aber interessantem Verlauf. Dies war meine erste Partie Mensch Ärgere Dich nicht in vielleicht zwanzig Jahren, und sicherlich gewann das Spiel dadurch, dass ich nicht nur eine Partei spielte. Aber ich genoss die kurzen Momente des Abwägens, ob es schlauer wäre, die führende Figur zu setzen oder die Chance auf das Rausschmeißen einer weiter hinten stehenden Figur zu verringern. Das Abwartespiel, hintere Figuren zu ziehen, um die Chance auf das Rauswerfen einer nur wenige Felder vor einem stehenden Figur nicht zu verlieren oder gar selber von ihr rausgeworfen zu werden, erzeugten zumindesteinen Hauch von interessantem Gameplay. Aber diese Momente sind selten und nur selten nicht eindeutig, und so lange man nur eine Figur auf dem Feld hat, ist MÄDS zu willkürlich.

Folgend noch ein paar Statistiken:

Man mag es kaum glauben, aber Verlierer Schwarz lief tatsächlich im Lauf des Spiels die meisten Felder, 275 in 80 Runden. Das ergibt einen Schnitt von 3,4375 Feldern pro Runde, was zwar nah am Würfeldurchschnitt von 3,5 liegt, aber man muss bedenken, dass die Sechsen zum Rauskommen nicht dazugezählt wurden. Absteigend folgten Gelb (265, 3,3125), Rot (257, 3,2125) und kurioserweise auf dem letzten Platz Sieger Grün (253, 3,1625). Die Werte sind naturgemäß sehr eng beieinander, aber aufgrund des reziproken Verhältnis zum Endergebnis beachtenswert.

Deutlich relevanter bezüglich der Siegchancen scheint das Schlagen zu sein. Sieger Grün schlug insgesamt 14 andere Figuren, dicht gefolgt von Gelb und Rot mit je 13. Schlusslicht Schwarz kann dagegen nur 8 aufweisen. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen, und so führt Schwarz zu seinem Leidwesen die Liste der am häufigsten Geschlagenen mit 16 an, gefolgt von Rot (13) und Gelb (11). Sieger Grün wurde lediglich achtmal geschlagen, davon dreimal in der 9./10. Runde, also sehr früh im Spiel. Es wundert nicht, dass das Vermeiden des Geschlagenwerdens der wichtigste Aspekt des Siegs ist – interessanter ist die Varianz in einem so zufälligen System, aber ich bin ja auch kein Statistiker.

Der schlimmste Mai, den es je gab

Es wäre ziemlich cool, wenn ich eine Überleitung zu einem der weiter unten beschriebenen Spiele mit “Augenwischerei” oder “hinters Licht führen” machen könnte, weil dann sähe das so aus, als ob ich einen eleganten Übergang vom Apriltext zu diesem hier von vornherein geplant hätte. Andererseits ist jetzt ja schon Mitte September und niemand erinnert sich mehr an irgendwas.

Ich hab Anfang Mai Gamepass für drei Monate geholt, weil es da ein Superangebot gab, mir die Festplatte mit Spielen vollgehauen und dann fast bis zum Ende des Monats rein gar nichts davon gespielt, weil ich tieftief

Spiel des Monats: Yakuza 0

(danke, PS+!) verfallen war. Ich kannte die Serie bis dato nur vom Hörensagen und was ich sagen hörte klang jetzt nicht so verführerisch, halt irgendwas von Shenmue plus Bekloppt plus Minispiele. Ich hätte nie geahnt, dass es von diesen Zutaten schlussendlich nicht die Beknacktheit sein wird, die mich an die Konsole fesseln würde, sondern eine der besterzählten Geschichten, die ich seit langem erleben durfte.

Ich mein, die Beklopptheit Yakuza Zeros ist weithin dokumentiert und ich will eure wertvolle Lesezeit nicht mit Beispielen verschwenden (jedoch gerate ich immer noch in Verzückung, wenn ich daran denke, wie die -gonisten sich ihrer Oberkörperbekleidung entledigen), aber niemand warnte mich, dass nebenher ein japanisches Rachedrama/Thriller/Gangsterfilm läuft, mit einem Haufen interessanter Charakteren, die alle energisches Japanisch sprechen (ich weiß nicht, ob man das umstellen kann, das fühlte sich so richtig an), fantastischer Gesichtsgrafik (NASENPOREN), und echten Emotionen, die mich eiskalt erwischten, zumal das hier ja ein Prequel ist, dass daher natürlich noch besser funktioniert, wenn man die Charaktere und ihr zukünftiges Schicksal schon kennt. Dass Sega es schafft, zwischen all dem und dem Irrwitz drumherum die Balance zu halten, ist wundersam. Das ist doch ein schönes Schlusswort, breiten wir also den Mantel des Schweigens über dieses Thema, bevor ich zugeben muss, wieviele Stunden ich spielte, um der beste Carrerafahrer der Stadt zu werden.
40 werden ist ungleich härter als 40 sein. Einerseits war ich mir bewusst, dass ich jeden Tag älter werde und einem 365,25-Turnus, geschweige denn dem zehnfachen davon, keine Bedeutung zukommt. Andererseits litt ich wie ein Hund und verbrachte große Teile des Mais damit, mich in Videospiele zu flüchten.

Graveyard Keeper (danke, Xbox Gamepass!) war wie gemacht dafür, und ich bingete das hart. Ich erwartete ein Harvest Moon mit Friedhof und bekam die spielerische Version von “Ein Loch ist im Eimer”.

Wenn du beispielsweise ein richtig gutes Gebet craften möchtest, damit die Besucher deiner Kirche möglichst viel spenden und dir viel Glauben schenken, brauchst du ein richtig gutes Buch, etwas Glauben und einen Schreibtisch. Für das gute Buch brauchst du einen guten Festeinband und ein gutes Kapitel Geschichten. Für den guten Festeinband brauchst du einen mittelguten Festeinband und Goldverzierungen. Für die Goldverzierungen brauchst du einen Goldbarren, Stahlteile und etwas Glauben (ja, das ist sowas wie ne Universalwährung für “Mühe” oder so). Für Stahlteile braucht man einen Barren Stahl, zwei Keramikschüsseln und Brennstoff, um die Schmelze anzuheizen. Für die Keramikschüsseln braucht man Ton, Wasser und eine Töpferscheibe. Für die Töpferscheibe braucht man Holzbretter, Steine und Nägel. Für die Nägel braucht man einen Eisenbarren und einen Amboss. Den Eisenbarren kann man sich ganz einfach aus einem Stück Eisenerz herstellen, wenn man eine Schmelze hat. Und das Eisenerz kann man in der Mine abbauen, mit der Spitzhacke, die man sich am Holzamboss aus einem Stock, einfachen Eisenteilen und einem Eisenbarren selber schmieden kann. Also alles ganz einfach!

Eigentlich gibt mir Craften nicht viel, aber Graveyard Keeper setzt dich nie unter Druck. Zwar hat man eine Ausdauerleiste, die man mit Speisen, Tränken oder Schlaf wieder auffüllen muss, um weiterzuarbeiten, aber es gibt keinerlei Malus, wenn man Arbeiten unbeendet zurücklässt, keine regelmäßige Miete, die man entrichten muss, keine Spielzeitbegrenzung auf ein Jahr oder dergleichen. Zwar gibt es ein Spielziel und eine Story, aber wieviel Zeit man sich damit lässt, bleibt einem selbst überlassen. Und weil es so verdammt viel zu tun gibt, ist es furchtbar einfach, sich konstant ablenken zu lassen von dem, was man eigentlich tun wollte, weil man im Vorbeigehen irgendwas sieht, was grad spannender ist. Graveyard Keeper ist das einzige Spiel, das ich je spielte, bei dem ich nach dem Laden des Spielstands ins Inventar gucke, um herauszufinden, was ich eigentlich gerade machen wollte. Ach so, ich hab die Steine und das Marmor und den Meißel, ich wollt Grabsteine bauen! Wer ob des Titels dachte, es drehe sich alles um den Friedhof, irrt enorm: Weiterhin kümmert man sich um die bereits genannte Kirche, weidet die gelieferten Leichen aus und balsamiert sie ein, versucht sich an Alchemie, schreibt Geschichten, kloppt sich durch einen Dungeon, wird Großhändler, bewirtschaftet ein Feld, pflanzt Bäume, repariert Brücken und Straßen, angelt, dekoriert und baut Gerätschaften, an denen ihr Dinge herstellt, mit denen ihr all das genannte machen könnt.

Andererseits hat das Spiel einen etwas merkwürdigen Humor und war für ein paar Tage um meinen Geburtstag rum komplett unspielbar, weil durch ein Update ein paar üble Bugs ins Spiel krochen, wovon die Schlimmsten inzwischen aber wieder behoben wurden und der eine, der mir noch auffiel, umgehbar war. Und nachdem ich durch war, hatte ich auch keinerlei Verlangen, das je wieder anzufassen. Aber für die schlimme Phase direkt vor dem 40. war das echt ein Geschenk.

Der Geburtstag selber war durchaus erinnerungswürdig. Ich musste arbeiten, war die Tage vorher ob der großen 4 sehr bedrückt und wollte nur, dass der Tag irgendwie kommt und geht. Am Morgen war ich dann zum Glück entspannter, bekam Geschenke und Anrufe, aß Kuchen unter einer cheesy Kindergirlande, freute mich und ging zur Arbeit. Was ich nicht wusste: Meine Frau hatte meine Mutter und ihren Mann (also den von meiner Mutter) eingeladen, um mich abends zu überraschen, und als ich dann abends in die Wohnung kam, saßen sie stillschweigend in der Ecke des Wohnzimmers. Da ich spät nach Hause komme, steig ich gemeinhin nach dem Nachhausekommen erstmal aus der Arbeitskleidung und schlüpfe in die Schlafsachen. Just in dem Moment fiel ein Ende der Girlande von der Wand, und unser Kater ging hin, um interessiert daran zu schnüffeln. Auf meinem Weg ins Schlafzimmer sah ich, wie er an etwas roch, was ich nicht erkannte, und während meine Frau versuchte, mich ohne alles zu verraten zu überzeugen, dass ich mich vielleicht umziehen sollte, BEVOR ich ins Wohnzimmer gehe, nahm ich Jogginghose und T-Shirt lediglich in die Hand und ging direkt zum Kater – Beschützerinstinkt, ich kann nichts dafür. Als ich – nun nur noch in Unterbuchsen – erkannte, dass das nur die Girlande war, versuchte ich, die Jogginghose anzuziehen, blieb mit dem Fuss im Hosenbein stecken, wackelte halb umfallend hin und her, Plautze durch den Raum wabbelnd, während meine Frau hinter mir panische Blicke abwechselnd auf mich und meine Mutter und deren Mann warf, und in dem Moment sah ich die dann auch, sie, die bei der ganzen Show nicht einen Laut von sich gegeben hatten und dann erst ob meines panischen Gesichtsausdruckes in Lachen ausbrachen, während mein innerer Monolog ausdikutierte, ob ich wegrennen soll oder irgendwie versuchen, die Situation zu retten. Hab im Endeffekt beides nicht gemacht und dann auch (irgendwann) mitgelacht, aber meine Herren, sowas wünsch ich niemandem.

Naja, jedenfalls bekam ich eine Switch mit Mario Odyssey und Yoshi’s Crafted World und Octopath Traveller sowie Spider-Man für die PS4 und son Teil hier, was summa summarum mein Vorhaben, keine Spiele zu kaufen, dadurch erschwert, dass ich jetzt tatsächlich das bald erscheinende Fire Emblem spielen könnte und natürlich der Berg an Ungespieltem um 204 erhöht wurde. Was willste machen.

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Weshalb ich nicht über meine Texte sprechen sollte, bevor ich sie veröffentlicht habe

deshalb

Ein April

Ich bin nicht gut da drin, mit etwas abzuschließen. In meinem Kopf bin ich noch immer mit Menschen befreundet, von denen ich seit fünfzehn Jahren nichts mehr gehört habe, ich sortiere Texte unter der Kategorie “Angefangen” ein, die ich zum Ende der Schulzeit angedacht habe, und ich lese seit fast fünf Jahren an der Gesamtausgabe von Conan the Barbarian. Bei Spielen ist das nicht anders: Solange ich sie nicht durchgespielt oder anderweitig mit ihnen abgeschlossen habe, pausiere ich nur. Irgendwann spiel ich Metroid Prime weiter. Und Viewtiful Jack. Der Gag ist: Ich tue das manchmal wirklich. Ni No Kuni lag ein Jahr halb durchgespielt auf der Festplatte rum, bis ich die andere Hälfte mit Genuss spielte. Mein gutes Gedächtnis für Stories und Spielmechaniken hilft in diesem Fall enorm.

Darkest Dungeon, einst nach 80 Stunden abgebrochen, fing ich dennoch erneut an, weil ich mich der einzigen noch existierenden Hürde, dem namensgebenden Verlies, nicht ohne tiefes Verständnis meiner Charaktere und Ausrüstung stellen wollte. Weitere 80 Stunden später, nach immerhin zwei erfolgreichen Ausflügen in den dunklen Kerker und nur noch zwei fehlenden zum endgültigen Durch-spielen, glitt das Spiel in der “Most Recent”-Auflistung meiner Steambibliothek klammheimlich immer weiter nach unten. Ob es am Permadeath-Stress lag, oder an zuviel Düsterheit, weil ich parallel Bloodborne spielte, weiß ich nicht. Irgendwann spiel ichs weiter. Genau wie Paradigm, was ich mir aufgrund eines Screenshots, der ein Faultier mit Trumpfrisur zeigte, schenken ließ (Danke, AntediluvianArk!), was aber, wie sich schnell herausstellte, ein “lustiges” Adventure ist (was ja auf meiner hier nachzuschlagenden Antigenreliste steht). Genau wie Baba is You (Danke, Nille!), was supercool, aber mir ab einem gewissen Punkt viel zu schwer ist. Ich werd die alle weiterspielen. Irgendwann. Bestimmt.

Worin ich übrigens auch gut bin, ist Spiele oder Serien (leider funktioniert das nicht bei anderen Medien) binnen kürzester Zeit als “nicht für mich” zu begreifen und für immer zu vergessen. Portal Knights (Danke, PS+!), der Sieger des Deutschen Computerspielpreises 2017? Ich habs nichtmal durchs Tutorial geschafft, bevor ich deinstallierte. Burly Men at Sea ist ein mir zu simples Choose Your Own Adventure, dessen Geschichten aber so abgegriffen wirken, dass die hübsch reduzierte Optik das nicht rausreißen kann. Bis ich das nach anderthalb Stunden ad acta legte, hatte ich es allerdings schon dreimal durchgespielt. Alle anderen Spiele, in die ich im April kurz reinguckte, hab ich schon wieder vergessen. Ich sollte diese monatlichen Texte echt zeitnäher schreiben. Ich bin so ein anderer Mensch als der, der ich noch im April war!

Spiel des Monats: Bloodborne

Soulsborne ist wie ein alter Schulfreund: Ich freu mich immer, ihn zu sehen, und verbringe gern Zeit mit ihm, aber jedesmal, wenn wir uns wieder treffen, merke ich, dass wir uns stetig auseinanderverändern. Und sollte der Punkt erreicht werden, an dem das einzige, was wir gemeinsam haben, die zusammen erlebte Vergangenheit ist, werde selbst ich Beendeunfähiger die Flagge streichen. Soweit ist es gottlob noch nicht, und wenn ich ehrlich bin, bin ich das Problem: Ich bin es, der sich nicht weiterentwickeln mag, ich bin es, der mit den ganzen neuen Interessen von Soulsborne nichts anfangen kann, ich bin es, der nicht mit der Zeit gehen will. Und anstatt mich darüber zu freuen, wie sehr sich das alte Kellerkind entwickelt hat, denk ich nostalgisch verklärt zurück an die tolle Zeit, als ich mit Leuchtsteinen den unsichtbaren Weg über den Abgrund markierte.

Ich hab das Gefühl, ich spiele Bloodborne falsch, weil ich die ganzen coolen Möglichkeiten, die es mir bietet, nicht nutze. Die meisten Tränke verotteten im Inventar, ich spielte 95% des Spiels mit der ersten Waffe, die ich in die Hand gedrückt bekam, und Multiplayer sowie die zufällig erstellten Bonusdungeons ließen mich nur die Stirn runzeln. Klar gibt Bloodborne mir immer noch Teile davon, was ich an Dark Souls und Demon’s Souls liebte, aber der Fokus scheint woanders zu liegen. Und irgendwann, müde, betrunken und schlecht gelaunt, werd ich Soulsborne vielleicht erzählen müssen, dass mich seine Geschichten, so sehr ich auch zu schätzen weiß, wie hinterrücks er sie erzählt, einfach nicht interessieren, weil es Fantasyquark ist von Helden und Monstern und Verrat und Versuchung, und ich hab das alles schon zu oft gehört. Ich will doch nur Monster töten und Level erkunden. Oder wenigstens Teil der Geschichte sein, ohne vorher Wikis zu wälzen. Ich hätte auch gern die zwei Areale gesehen, die ich komplett verpasst habe, aber vor dem Durchspielen les ich halt keine Guides und nach dem Durchspielen bin ich im New Game + und müsste das halbe Spiel noch einmal spielen, bevor ich die mir neuen Gebiete erreiche. So weit geht die Neugier dann doch nicht. Darüber hinaus fand ich Bloodborne, und ich weiß, das klingt kontrovers nach euren Sekirodebatten, irgendwie zu leicht? Ich mein, ich bin dauernd gestorben und hab manche Endgegner ewig nicht geschafft, aber das erwarte ich auch von From Software. Aber Bloodborne ist nicht mehr gemein. Mein Freund Soulsborne ist netter geworden. Das mag ich nicht.

Ich hatte natürlich trotzdem großen Spaß, aber jeder Fan kommt irgendwann an den Punkt, wo er sich eingestehen muss, dass es von dem, was er liebt, inzwischen soviele Teile gibt, dass die, die er wirklich vergöttert, in der Minderheit sind. Star Wars. Simpsons. Silent Hill. Soulsborne.

Orwell: Ignorance is Strength hab ich übrigens auch falsch gespielt, gefühlt. Als braver Regimestalker tat ich den Job, für den ich angestellt wurde, und fühlte mich in keiner Sekunde dazu berufen, die Tatsachen zugunsten der Regierungsgegner zu verdrehen. Ich ekele mich ein bißchen vor mir selbst, offenbar keinen renitenten Knochen im Leib zu haben, aber schiebe das dann doch auf die uninteressanteren Charaktere und die lahmere Story im Vergleich zum Vorgänger.

Ansonsten ist der usprüngliche Auslöser dieser Textreihe zur Normalität verkommen. Ich hab bisher nicht das Gefühl, irgendwas Großes verpasst zu haben, und wenn doch, hab ich das zu meinem eigenen seelischen Schutz verdrängt. Ich nehm immer noch jedes Gratisspiel mit, was aus Steam, Origin, Gog, Humble oder sonstwo rausfällt, aber mehr aus Gewohnheit als aus Interesse. Ich würde diesen Text jetzt gern mit einer Vorschau auf den Mai beenden, aber da ich ihn erst Ende Mai schreibe, wäre das bemühte Augenwischerei, und euch hinters Licht zu führen liegt nicht in meinem Interesse.