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Stadt: Crackdown

Pacific City. Ich kenne diese Stadt.

Es gibt viele Arten, eine Stadt kennenzulernen. Man kann Stadtführer buchen. Stadtführer lesen. Man kann in irgendeinen Bus steigen und an irgendeiner Station aussteigen und in irgendeine Richtung gehen.

Aber man kann auch auf die höchsten Gebäude klettern und von ihnen herunterblicken. Man kann sich irgendein Auto schnappen, fahren, bis es kaputtgeht, und sich ein anderes nehmen, weiter, immer weiter, vorbei an Brücken, Windkraftwerken, Bohrinseln, Villen, Tiefgaragen und Wolkenkratzern.

Aber um sich an alle Einzelheiten zu erinnern, reicht es nicht, einfach nur vorbeizufahren. Es hilft, wenn man überall Menschen tötet. Dadurch prägt sich alles viel besser ein.

Ich erinnere mich an den Vergnügungspark, weil ich vor seinen Toren einen Truck in eine Horde Gangmitglieder fuhr. Ich kann jedes Stockwerk eines bestimmten Hochhauses aus der Erinnerung nachzeichnen, und das nicht zuletzt wegen der heftigen Gegenwehr, die sich mir vergeblich entgegenwarf.

Aber selbst der lustigste Mord hilft nicht, sich nondeskriptive Strandabschnitte einzubleuen, zudem gibt es nicht an jeder Ecke bewaffnete Menschen, deren baldiges Ableben ich rückwirkend auf präventive Notwehr schieben kann. Und so sehr ich virtuelle Gewalt auch liebe, hätte sie mich nicht allein dazu gebracht, Pacific City wieder und wieder zu besuchen.

Das machten die Orbs.

800 Orbs in einer gigantischen Stadt. Auf Türmen, Dächern und Schiffen, in Irrenanstalten, Höhlen und Villen, unter Brücken, Windkrafträdern und Balkons. Und die, die man nicht schon von weitab sah, konnte man hören. Alle außer die letzten drei.

Nun, man hört sie natürlich auch. Sie sind auch sicherlich ebenso offensichtlich platziert wie die anderen 797. Und weil ich mir dem sicher war, striff ich immer und immer wieder durch Busbahnhöfe, Werftgebiete, unbebaute Berglandschaften, Clubs und Meilen über Meilen von Highway. Oft gemeinsam mit Spielereins, mit aufgedrehtem Ton, von Dach zu Dach springend oder auf Straßenebene, aber stets zu Fuß. So hörte man besser. Nie zuvor spielte ich so auf Gehör, Ohren möglichst nah an den aufgedrehten Boxen (ja nichts sprengen!), ständig stehenbleibend, war da was? Das wilde dreidimensionale Umposititionieren, wenn man vergeblich zu zweit versuchte, die Geräuschquelle zu triangulieren. Die ernüchternde Erkenntnis, dass die Wahrscheinlichkeit, dass uns die gleichen letzten Orbs fehlten, gen Null ging. Ich genoss dies ungemein.

Hach, Pacific City. Mein Handrücken erscheint mir fremd im Vergleich zu dir, und ich HABE nicht einmal eine Westentasche. Ich glaube, ich besuch dich bald wieder.