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Kälte: Kagero – Deception 2

Eine Geschichte, die schon oft erzählt wurde: Eine mysteriöse Gruppe entführt ein Kind und verwandelt es in eine gefühls- und gnadenlose Killermaschine. Um ihre Fähigkeiten zu testen, wird sie in eine Burg gesperrt, wo sie solange verirrte Wanderer meuchelt, bis sich eine mutige Heldentruppe aufmacht, um dem Treiben ein Ende zu setzen.

In Kagero: Deception 2 ist die Killermaschine eine stumme, junge, unbewaffnete Frau; die mutige Heldentruppe endet zermust, zerhackt und gerebelt, und das Morden geht weiter.

Hauptsächlich, weil man selber die Killermaschine spielt.

Dank einer Spielmechanik, die viele Jahre später Orcs Must Die für sich entdeckte, werden Wände, Böden und Decken mit Fallen gespickt, seien es indianajoneseske rollende Steine und Pfeilschussanlagen,  Sprungfederböden, ölgefüllte Vasen oder Bärenfallen. Für den maximalen Profit werden die Opfer Teil einer perversen Kettenreaktion und enden als mit Öl übergossene, von Brandpfeilen entzündete Katapultgeschosse im poeschen Pendel.

Der Eindruck der emotionalen Kälte der Hauptfigur wird durch die Menschlichkeit ihrer Opfer noch offensichtlicher: In Zwischensequenzen sehen wir die Sorge der Ehefrau um ihren verschwundenen Mann, in den Charakterbeschreibungen lesen wir von der aufkeimenden Liebe zweier Abenteurer, die alsbald als Haschee enden werden, und oftmals ergreifen die Gegner auch die Flucht – so man sie entkommen lässt.

Es ist nicht selten, dass man in einem Spiel den Schurken verkörpert, aber selten wird das Böse so zelebriert, so wenig mit Humor gebrochen. In Kagero: Deception spielt man keinen Antihelden, der bösen Menschen Böses antut, es gibt keine nachvollziehbare Motivation für all die Gewalt, und im Gegensatz zu diversen Open-World-Spielen wird man für das Niedermetzeln Unschuldiger sogar belohnt. Andere Spiele mögen Splatter sein; das hier ist Torture Porn.

Aber großartig.