Salt in the Wound

Um eindrücklich auszudrücken, wie sehr mich Magic: The Gathering auch in seiner XBLA-Fassung in den Bann zieht, lasst mich nur erwähnen, dass ich, seit ich vom dritten Addon erfuhr, vielleicht fünf Songs in Rock Band 3 gespielt habe. Wie ein Juggernaut muss ich immer vorwärts, immer weiter, bis die letzte Challenge gelöst, die Kampagne sowohl solo als auch Coop (mit mir an zwei Controllern) durch- und jede Karte in jedem verdammten Deck freigespielt wurde. Macht summa summarum, nur für dieses Addon wohlgemerkt, 92 Siege, erkauft durch eine nicht unbeträchtliche, aber wohlweislich ungezählte Anzahl von Niederlagen, Ragequits und Spielneustarts aufgrund von Landmangel selbst nach dem Mulligan.

Und dann gab es natürlich wieder Achievements zu erhaschen. Mit jedem Addon haben sich die Entwickler dankenswerterweise weiter vom Standard-Spielfortschritt-und-Multiplayer-Achievement entfernt. Das diesen Text betitelnde Achievement gab mir allerdings ein Rätsel auf – aber gut, so soll es ja auch sein. Ich zitiere: “An opponent’s last permanent left the battlefield”. Jeder, der sich irgendwann mal mit Magic im Allgemeinen und der XBLA-Version im Besonderen beschäftigt hat, wird jetzt ins Grübeln kommen: Zwar gibt es reihenweise Karten, die Kreaturen oder Artefakte vom Tableu… Tablau… Tisch fegen, aber an Land Destruction hapert es ganz gewaltig – was ich begrüßenswert finde, macht nämlich wenig Spaß, ohne Mana spielen zu müssen. Nach anfänglicher Skepsis entdeckte ich dann des Rätsels Lösung im Deck des Addon-Endgegners: Gigantische Kreaturen für 10 und 11 Mana mit einer mir neuen Fähigkeit: Annihilator.

Annihilator X bedeutet, dass die Kreatur, sobald sie angreift, den Verteidiger dazu zwingt, X permanents zu opfern. Die Diskussion über power creep bei M:TG können wir gerne später führen, für mich zählte zu diesem Zeitpunkt nur eins: Da das eineVieh Annihilator 4 hatte, brauchte ich nicht groß rechnen, um zu erkennen, dass drei, vier Angriffe wohl auch das letzte permanent vernichten und mir das Achievement bescheren würde. Also nahm ich mir das blaue Deck, schmiss alles Mögliche raus, was nicht dafür sorgte, dass ich zur rechten Zeit den Control-Zauber in der Hand haben würde, und machte mich ans Werk.

Ich überspringe jetzt einfach mal all die Versuche, in denen ich plattgemacht wurde, er das Vieh nie zog oder ich die verdammte Karte nicht bekam. Schlußendlich hatte ich Kontrolle über das 12/12-Ungetüm erlangt, ihn gar zweimal erfolgreich angegriffen, so dass er nurmehr 7 Länder und einen Verteidiger hatte. Awesome, dachte ich. Als Blau-Spieler fühlt man sich im späteren Spielverlauf ja relativ sicher (auch wenn es jetzt uncounterbare Schadenszauber gibt – wer macht denn sowas?), daher machte ich mir keine großen Sorgen. Ich griff also ein drittes Mal an, und der KI-Spieler auf dem höchsten Schwierigkeitsgrad opferte drei Länder und seinen einzigen Blocker, nahm dadurch vollen Schaden und starb mit 4 Ländern und der Gewissheit, mir im Tod nochmal richtig einen verpuhrt zu haben.

Wäre ich nicht gerade wegen Mädchenblutdruck krankgeschrieben, hätte sicherlich ein Schwall Fluchwörter meinen Lippen durchkreuzt, aber so seufzte ich nur verdrießlich-resigniert und machte mich an den nächsten Versuch, wohlwissend, dass der genausogut wieder so enden konnte. Also, ich fang an, spiel ‘ne Insel, Gegner spielt ‘nen Berg, ich spiel noch ne Insel und boomerang ihm sein Land wieder auf die Hand, um seinen Manaaufbau etwas zu bremsen, ein Kumpel mit dem Namen Salt in the Wound geht online, er spielt wieder seinen Berg, ich spiel… äh, Moment. Um weiter aufzuzeigen, wie strunzdumm mein Gehirn ist, hier meine darauffolgenden Gedanken, in chronologischer Reihenfolge:

1. Das ist ein Bug.

2. Der weiß schon, dass ich das diesmal schaffe, und gibt mir das Achievement schon jetzt.

Und erst bei 3. habe ich den Zusammenhang begriffen, dass in der ersten Runde auch das Erste das Letzte sein kann und so. Wer weiß, wie lange ich da noch erfolglos rumgeeiert wäre, wenn ich nicht angefangen, wenn ich kein Boomerang auf der Hand gehabt hätte. Mehr Glück als Verstand. Wie immer.

Advertisements

9 responses to “Salt in the Wound

  1. made my day, schön geschrieben.

    Magic ist einfach eines der großartigsten Spielkonzepte, die je entwickelt wurden. War auch froh, dass die XBLA-Version einen nicht wieder so arg in den Sammel- und Deckbuild-Sumpf zieht, sondern man einfach nur eine gepflegte Runde spielen kann. Die Challenges mag ich übrigens auch sehr, da könnten die ruhig ein paar mehr raushauen.

    Hast du ‘ne Gold-Mitgliedschaft, so dass wir mal ne Runde spielen können?

  2. Ich werde mit dem XBLA-MTG nicht ganz warm. Magic war für mich immer der Deckbau, das optimieren und ausprobieren neuer Strategien, das geht mit der XBLA-Version einfach nicht.

  3. @Ben: Klar fehlt das, aber das war auch einer der Gründe, warum ich Magic aufgehört habe zu spielen: Der Zeitfaktor. Was ich allerdings seit dem stets vermisst habe, war das Spiel an sich. Um mir allerdings fertige Decks zu kaufen, da war ich mir zu fein für. Habe mir mal ein Starterset nachgekauft für 2 Spieler so zum direkt Spielen, aber da waren nur langweilige Standardkarten dabei, das war auch doof. (Daher gefällt mir ja auch Dominion so, weil man direkt losspielen kann und sein Deck quasi beim Spielen baut)

    Das schöne an der Magic-Version auf xbla ist ja genau das, man kann mit guten Decks spielen ohne zig Stunden Deckbauen zu müssen. Wenn man das möchte, dann wirklich lieber mit echten Karten (oder mit der PC-Online-Version, wobei kein Geld für virtuelle Boosterpacks ausgeben will)

  4. Ich hab noch 30 Tage Gold. Vielleicht finden sich da noch zwei weitere (Yemeth & ?) für Two-Headed Giant oder so?

  5. Kampfhirn

    Wer auf Deck-Bau steht, dem wird – sehr wahrscheinlich – ‘Etherlords II’ auf dem PC gefallen. Jeder besiegt Gegner läßt ne neue Karte fallen, die man dann verwenden kann. Die Regeln sind natürlich etwas anders als bei Magic, als Schwierigkeitsgrad sollte man in den jeweils ersten 2 oder 3 Runden höchstens mittel wählen, dann kann man ruhig auf schwer stellen.

    Kennt sonst noch wer Spiele mit Deckbau auf dem PC, die Ähnlichkeit mit Magic haben? (Mal abgesehn von Heroes of Might and Magic, das zieht sich zu lange hin).

  6. Ich hab Etherlords 1 damals gespielt, und obwohl mir die Grundmechanik gut gefallen hat, hatte es halt das klassische Killerstackproblem, will sagen, dass sich alles nur darum dreht, wer das eine stärkste Deck hat, und im Gegensatz zu Heroes und Co gab es keine Möglichkeit, den entsprechenden Stack durch Angreife mehrerer schwächerer Einheiten zu schwächen.
    Neben diversen Yu-Gi-Oh-Spielen, die bestimmt gar nicht so schlecht sind, zu denen ich aber keinen Zugang finde, fällt mir spontan lediglich Six Gun Saga ein, aber das ist ja noch lange nicht draußen.

  7. Kampfhirn

    Ich bin nicht sicher ob ich das mit dem “Killerstackproblem” richtig verstanden hab. In Etherlords II hat man ja nur einen Helden pro Kampange, und das ist es halt einfach “nur” Aufgabe, für jeden neuen Gegner das richtige Deck zusammezustellen. Der Lösungsmöglichkeiten gibt da manchmal mehrere. Etherlords 1 ist wie gesagt langwieriger und schwieriger, hab ich nicht lang gespielt.

  8. Mit Killerstackproblem meine ich das vorherrschende Problem vieler HOMM-Spiele, dass es sinnvoller ist, einen möglichst starken Stack (Helden+Armee) durch die Gegend zu ziehen, möglichst mit diesem alle Monster zu töten, um Erfahrung zu sammeln, um noch stärker zu werden, um auch ja den Killerstack des Gegners schlagen zu können.
    Um deine ursprüngliche Frage weiter zu beantworten:
    http://www.magicthegatheringtactics.com/ kommt am 18.01. für PC (Ps3 später) raus, gratis mit Micropaymentoption.

  9. Kampfhirn

    Ah, jetzt versteh ichs. Besser alle Erfahrungspunkte einem Helden zukommen zu lassen, als sie auf 2 oder 3 zu verteilen und dann nur Schwächlinge zu haben.
    Bei Etherlords II hat man sowieso nur einen Helden, dieses Problem tritt somit nicht auf.
    Einziges spielmechanisches Problem das ich sehe: da man am Anfang noch keine Karten zum Deckumbau gelootet hat, muss man mit dem Startdeck auskommen. Und in den Kampagnen 4 und 5 können daher auf dem schwersten Spielgrad die ersten Gegner fast unfair schwer sein (außer man hat Kartenglück).

HIER KANN MAN KOMMENTARE SCHREIBEN

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s