Natur: Viva Piñata

Sollte ich aufgrund des Niedergangs der BRAVO als essentieller Teil einer jeden Adoleszenz jemals in der prekären Lage sein, einem eventuellen Nachkommen die Geschichte der Biologie mit all ihren Schattenseiten erklären zu müssen, werde ich ihn/sie/es einfach mit Viva Piñata konfrontieren, und das nicht nur, weil da haufenweise Bienchen und Blümchen drin vorkommen.

Denn all jene, die aufgrund von Ersteindrücken der Ansicht waren, dabei handele es sich um eine knuffige Gartensimulation mit Pokemonappeal, irrten. Viva Piñata ist hart wie das Leben, ein Mahnmal Darwins “Survival of the Fittest”-These, eine kindgerechte Abbildung der grausamen Wirklichkeit.

Sind die Rowdies etwa kein Sinnbild für den rücksichtslosen Mensch, der alles verdreckt, kaputtmacht und vergiftet? Ist Professor Pester nicht die Personifikation der Grausamkeit unserer Spezies, die scheinbar wahllos friedliche Viecherchen aus dem Diesseits knüppelt? Und zeigt das Spiel nicht auch, dass es zwar traurig ist, wenn ein süßer Hase oder ein putziges Hühnchen getötet wird, aber dafür was ganz Leckeres dabei herauskommt?

Der Tod ist ist eh ein steter Begleiter der Piñatas. Das Fuchsäquivalent wird sich erst in deinem Garten ansiedeln, wenn das Fasanpiñata sein Leben lässt, die Schildkrötenversionen werden erst fortpflanzungswillig, wenn sie Fakefroscheier gefuttert haben; Elton Johns Circle of Life in seiner ungeschönten, aber kunterbunten Realität. Welche Spiele erlauben es einem sonst, sich dabei zu ertappen, Massentierhaltung zu betreiben und bestimmte Tierarten nur zu züchten, um sie als Nahrungsquelle zu missbrauchen? Serious Gaming, Alter.

Okay, so ganz supernah dran an der Realität ist Viva Piñata dann doch nicht immer. Klar, Tiere haben Techtelmechtel, und Paarungstänze gibts tatsächlich in der Natur, aber durch ein Labyrinth kriechen müssen, bevor man Kinder zeugen kann? Das müssen in echt doch nur Enten.

Viva Piñata bietet aber noch mehr. Unfangreiches Gärtnern für Menschen mit kleinem Botanikum, inklusive Düngen. Soviel unnötigen Krams zum in den Garten stellen, dass die Schamesröte deiner Gartenzwerge mit ihren Zipfelmützchen konkurriert. Die beachtlichste Masse an Portmanteaus aus Tier- und Süßspeisennamen, die je erdacht wurde. Und die kindliche Freude, seinen Viechern hässliche Gebisse in die Fresse zu pressen.

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5 responses to “Natur: Viva Piñata

  1. Schöne Wahl für das Natur-Thema. Ich bin damals leider nicht so ganz mit Viva Pinata warm geworden, aber ich glaube, ich habe dem Spiel auch einfach nicht lange genug eine Chance gegeben, da ich zu dem Zeitpunkt gerade einen neuen PC hatte und dann doch irgendwie andere Spiele in den Fokus rückten. Sollte ich vielleicht mal wieder installieren.

  2. Haha, ein toller Beitrag. Ich hab mich gut amüsiert. Und tatsächlich noch nie so ernsthaft über Viva Piñata nachgedacht. Good job!

  3. Missingno.

    Welche Spiele erlauben es einem sonst, sich dabei zu ertappen, Massentierhaltung zu betreiben und bestimmte Tierarten nur zu züchten, um sie als Nahrungsquelle zu missbrauchen?

    So etwas wie Wiggles? Minecraft? Die Siedler?

  4. Ertappt. Denken wir uns gemeinsam den Satz so um, dass er “für andere Tiere” nach “Nahrungsquelle” beinhaltet.

  5. Pingback: [52 Games] Thema 04: Minimalismus » 52 Games » Zockwork Orange

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