Best of 2017

Hey, es ist ein ganz normaler Jahresrückblick, ich guck nur weiter als die anderen. Meine Lieblingsspiele 2017, in ungewichteter Reihenfolge!


Cuphead ist der hübscheste Tritt ins Gesicht, den ich je bekam. Spiele, die allein aufgrund ihres Schwierigkeitsgrads punkten wollen, reizen mich nicht – Cuphead bietet darüber hinaus optische und musikalische Leckerbissen, die so noch nicht gesehen (oder gehört) wurden, abwechslungsreiche Bosskämpfe und diese tiefe Befriedigung, die leichte Spiele einfach nicht bieten können. Dass sich viele Spieler etwas anderes erhofften, ist ja nicht die Schuld des Spiels.


Getting Over It with Bennett Foddy
Ich möchte mich korrigieren: Spiele, die allein aufgrund ihres Schwierigkeitsgrads punkten wollen, reizen mich nur, wenn Bennett Foddy sie kommentiert und ab und an alte Bluessongs übers Scheitern spielt. Ich werds nie durchschaffen, und das ist okay.


Die Formulierung “Das Dark Souls des …” bei der Beschreibung eines moderat schweren Spiels nicht zu benutzen, ist das Dark Souls des Reviewschreibens. Und auch ich komme nicht umhin, dieses tote Pferd für die Beschreibung Hollow Knights herbeizuzitieren, finden sich doch in letzterem viele Elemente, die ich an Dark Souls liebte und weit über die bloße Schwierigkeit hinausgehen. Die Erforschung der fremden, feindseligen Welt, die düstere Grundstimmung, das Experimentieren mit Mechaniken, von denen ich einige bis zum Schluss nicht verstand, das über alle Zweifel erhabene Kampfsystem, der riesige Umfang, die Story, die man sich, so gewünscht, selber zusammenpuzzlen muss, der stete, aber steinige Weg zur Macht, die höchsten Höhen, die man erklimmt, wenn man die größten Steine im Weg überwindet, das Belohnen von Neugier, ohne in jede Sackgasse eine Schatztruhe zu packen, und eine Handvoll pointierter emotionaler Szenen: Hollow Knight ist Dark Souls als Metroidvania, nur besser.


Ich hab Night in the Woods noch nicht mal durchgespielt, aber kann jetzt schon aus vollem Herzen sagen, dass es das beste Spiel über eine Katze Anfang 20 ist, die die Uni abbricht, um ohne Plan in ihre Heimatkleinstadt zurückzukehren und ihre Freunde von früher wiedertrifft, deren Leben einen anderen Verlauf nahm. Was soll ich sagen: Mit dem Thema Freundschaft kriegt man mich immer, und ein paar der Szenen und Dialoge in diesem Spiel, dessen Genre ich nicht wirklich benennen kann, sind zum An-die-Wand-nageln-und-immer-wieder-ansehen-gut. Es ist lustig und traurig und beides nicht zu sehr, es ist schön und dreckig und beides genau richtig, mit den schönsten Minigedichten und dem tollsten Tagebuch des Jahres. Vielleicht endet es ganz doof dramatisch und ich werde hassen, es weitergespielt zu haben, wie ich es immer hasse, wenn die Figuren, die ich mag, kein glückliches Ende kriegen. Aber das macht ja die guten Szenen nicht weniger wertvoll.


Ich finds immer schwierig, Titel, die ich stets nur mit jemandem gespielt habe, richtig einzuschätzen, weil ich nie weiß, ob ich ob des Spiels oder ob des Mitmenschen so viel Spaß habe. Deswegen geht dieser Platz entweder an Nidhogg 2 oder an Marcus. Hatten wir den Vorgänger schon mehr gespielt als sonstwas, brachte die zusätzliche Tiefe der verschiedenen Waffen, Angriffs- und Verteidigungsmöglichkeiten dieses Teils ein derartiges Brett an guter Laune, dass ich vermutlich bei keinem anderen Spiel so viel gelacht habe, so sehr ging es hin und her, so abstrus waren die aus der Luft getretenen Pfeile, so beknackt die unabsichtlichen Freitode nach hart erkämpften Vorteilen. Vielleicht hätte ich weniger Spaß, wenn Marcus besser wäre, aber so ist es mein Lieblingsmultiplayerspiel des Jahres.


Persona 5 ist, wie wenn der Breakfast Club Superkräfte gekriegt hätte. Ein Haufen zusammengewürfelter Schüler verbessert mit Spielzeugwaffen die Welt, irgendwo zwischen Death Note und Inception, und merkt dabei, dass nicht alles gut wird, nur weil man Gutes will. Ein Spiel für die Generation Bingewatcher, und eins für mich, weil es – wie in allen Personateilen – abseits des Hauptplots stets von Freundschaft handelt, und wie gesagt, mit Freundschaft kriegt man mich immer. Superjapanisch im Guten wie im Schlechten, mit famosem Interfacedesign und mein weißer Wal, über den ich so viel hätte schreiben wollen, damals, als ich so einen ewiglangen ABC-Artikel plante, der alle Facetten des Spiels beleuchtet, namentlich Alltag, Battle, Confidants, Dungeons, Essen, Freizeitangebote, Gemeinschaft, Hilflosigkeit, Inkonsequenz, Japan, Kampfsystem, Leid, Mythologie, Nostalgie, Offtopic, Popkultur, Quests, Religion, Style, Thematik, Unterbewusstsein (gemeinsames), Vörgänger, Widerstand, X, O, Dreieck und Quadrat, Young Adult Storytelling und Zelda.


Apropos: Ich wusste, dass ich zuviel The Legend of Zelda: Breath of the Wild gespielt hatte, als ich um 3:40 mit dem letzten Blick ins Wohnzimmer das diffuse Leuchten der Lampe im Fenster des Nachbarhauses als noch unentdeckten Schrein deutete. BOTW ist noch mehr als seine Vorgänger die Story von Zelda, nicht von Link, und ihre Entwicklung von “Prinzessin Machtlos” zu der Person, die all das, was man selbst spielt, erst ermöglicht, stimmt mich auch jetzt noch, anderthalb Jahre nachdem ich es durchgespielt habe, wehmütig und fremdstolz. Dass das eine komische Kombination ist, ist mir bewusst, ich wunder mich selbst grad. Darüber hinaus natürlich beste Open World und viel zu Entdecken und Wetter und Physik und Nintendodetails und naja, ihr wisst ja selbst.


West of Loathing ist das lustigste Spiel auf der ganzen Welt (außer Nidhogg 2 mit Marcus). Zuzüglich dieses zugegebenermaßen sehr subjektiven Lobes erlebt man hier ein tieferes Rollenspielerlebnis, als man ob der Optik je erwarten würde. Der Name leitet sich von dem langjährigen Online”rollenspiel” Kingdom of Loathing ab, dem einzigem, dem ich je meine Zeit schenkte. Das war nämlich auch schon brüllend komisch, wenn man denn einen Sinn für Beknacktheit hat.


Prey war die größte Überraschung 2017 und zog mich unaufhaltsam in seinen Bann. Die vielfältigen Möglichkeiten, die offene Welt, das Setting und die Atmosphäre begeisterten mich, der First-Person-Action eigentlich meidet, so sehr, dass nicht mal das für mich nicht nachvollziehbare Ende mir die Freude vermiesen konnte. Dass zudem meine Skillauswahl zur Mitte des Spiels die Schwierigkeitskurve in eine Bodenwelle verwandelte, ist ja nicht Preys Schuld.


Tacoma ist Prey, nur ohne Action, viel kleiner und besser geschrieben. Hüben wie drüben hangle ich mich durch eine Raumstation und versuche anhand von Kameraaufzeichnungen, visuellem Storytelling und Emails das Schicksal der Crew zu ergründen. Mit dem Unterschied, dass ich bei Prey ein Häkchen hinter den Namen im Crewverzeichnis machen kann, wenn ich die entsprechende Leiche gefunden habe, und Tacoma mir diese paar Menschen so nahebringt, dass ich nur will, dass sie ihr Glück finden.

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One response to “Best of 2017

  1. Ich hab’s gelesen :-) und bis auf Zelda (noch) nichts davon gespielt – und BotW auch noch längst nicht durch. Müsste mal selbst überlegen, was mich dieses Jahr besonders überzeugte …

    PS: “das Dark Souls des Reviewschreibens” :-D

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