Als ich noch reviewte: Das Geheimnis der Druiden

“Das Geheimnis der Druiden” ist das Erstlingswerk des deutschen Programmiererteams House of Tales und präsentiert sich als klassisches Point & Click-Adventure. In der Rolle des für dieses Genre fast schon typischen Antihelden, hier in Gestalt des Trenchcoat-tragenden Scotland Yard-Detectives Brent Halligan, liegt es an ihnen, das Geheimnis der merkwürdigen Morde zu lüften, welche London in Angst und Schrecken versetzen.

Doch schon bald wird klar, daß hinter diesen Morden mehr steckt, und Brent und die Anthropologin Melanie Turner geraten in die Fänge einer uralten Verschwörung, welche die Weltherrschaft zum Ziel hat. Nur durch eine Zeitreise in die Vergangenheit kann die Menschheit noch gerettet werden…

Das Story klingt vielleicht ein wenig abstrus, hat aber durchaus B-Movie-Charme. Das Spiel ist in 2,5 D aufgebaut – die Personen und Möbel etc. sind komplett dreidimensional, der Hintergrund ist jedoch flach, wenn auch schmuck gezeichnet. Die Steuerung ist simpel, der Mauszeiger verformt sich über manipulierbaren Objekten, ein Linksklick führt dann zur sinnigsten Aktion (Personen werden angesprochen, Gegenstände mitgenommen oder benutzt etc.), während ein Rechtsklick eine Beschreibung des Objektes liefert (zumindest meistens – einige wichtige Objekte werden nicht beschrieben, unwichtige und klar erkennbare Bäume oder Steine jedoch schon).

Gespräche laufen im Multiple Choice Mode ab, gesammelte Gegenstände werden im unbegrenzten Inventar verstaut, welches man bei Bedarf am unteren Bildschirmrand findet. Brent und Melanie bewegen sich von Bildschirm zu Bildschirm, Scrolling gibt es nicht. Allerdings laufen die Protagonisten bei einem Doppelklick gleich doppelt so schnell, was die Nerven etwas schont.

Technisch gesehen ist “Das Geheimnis der Druiden” eher schwächlich. Die Cut-scenes flimmern teilweise, die Charaktere sind, trotz 3D, grafisch nicht sonderlich hübsch gelungen, und wirken beim Rennen unfreiwillig lächerlich. Selbst das deutlich ältere Gabriel Knight 3 sah in diesem Bereich besser aus.

Richtig übel ist jedoch, daß das Spiel für ältere Grafikkarten programmiert wurde, so daß mit neueren Karten massive Grafikfehler auftreten können. Zitat aus dem FAQ “Verwendet die Grafikkarte ein proprietäres Z-Buffer-Prinzip, kann keine Kompatibilität zu Stande kommen”. Alle Besitzer einer aktuellen 3D-Karte sollten deshalb lieber den Softwarerenderer verwenden, auch wenn die Packung einen 3D-Beschleuniger empfiehlt.

Die Musik ist hübsch, jedoch nicht immer zur momentanen Spielsituation passend, da wird dann schonmal ein ruhiges Stück in einem actionlastigen Moment gespielt und umgekehrt, was die Wirkung dieser Szenen doch arg mindert. Mit den Synchronstimmen von Nicole Kidman und (dem frühen) Tom Cruise hatte man erfahrene Sprecher zur Verfügung, die immerhin fünf Stunden Sprachausgabe zu bewältigen hatten. Jedoch klingen die Stimmen mehr nach Hörspiel als nach einem Film: Die Sprecher klingen größtenteils emotionslos, fast gelangweilt.

Dies könnte jedoch an den Dialogen liegen: Ich hatte bei DGDD das erste Mal in meinem Spielerdasein das Gefühl, daß ich keinen der möglichen Sätze sagen wollte, weil sie alle schlicht uninteressant waren. Dazu kommt, daß man sich eine Menge Dialogzeilen öfter anhören muß, um in einem Gespräch alle Optionen auszunutzen (auch ein wenig unrealistisch, wenn ich meinen Gesprächspartner innerhalb einer Minute dreimal begrüßen muß).

Die Rätsel, der wichtigste Punkt eines Adventures, sind leider auch kein Glanzpunkt dieses Spiels. Da das Spiel recht linear aufgebaut ist, und auch die verschiedenen Verben anderer Adventures nicht gegeben sind, mußten sich die Programmierer halt eine andere Methode ausdenken, um den Spieler das Fortschreiten nicht allzu leicht zu machen. Dummerweise entschieden sie sich für unlogische Rätsel, Pixelabsuchorgien, nerviges Herumgerenne und als Krönung des “Uns fällt nichts mehr ein”: Ein Labyrinth!

Manchmal fühlte ich mich an die Parser alter Textadventures erinnert, wenn das Spiel bestimmte logisch ebenfalls richtige Aktionen nicht zuließ, ohne jedoch dem Spieler zu sagen, warum nicht. Warum kann ich nicht auch mit der Schere das Bild aus dem Rahmen entfernen, warum nur mit dem Nagel? Warum muß ich die Gläser erst putzen, bevor ich mein Gegenüber auf sie ansprechen kann? In Zukunft werde ich Vorsicht walten lassen mit Spielen, die gut zehn verschiedene Phrasen für “Das funktioniert so nicht” geben…

Aber gut, vielleicht war ich auch einfach zu doof für die Rätsel, und vielleicht ist Grafik auch nicht so wichtig bei einem Adventure. Aber daß man ein Rätsel mit Hilfe eines Dialogs lösen muß, den man leicht verpassen und zum Zeitpunkt des Rätsels nicht mehr nachholen kann, ist ein echter Designfehler. Wer denkt denn in einem solchen Moment daran, zu laden, falls er etwas im vorherigen Spiel verpaßt hat? Und daß ich mich mit der Telefonistin von Scotland Yard über das Gespräch mit einem Mann unterhalten kann, von dem ich noch nichtmal gehört habe, muß ja auch nicht sein.

Ich hätte auch damit leben können, daß man bei Minimierung des Spiels nur eine Fehlermeldung kriegt und das Spiel danach abschmiert. Und es hätte mich auch nicht weiter gestört, daß die einzige (von mir gefundene) Todesszene von einem gut getimten Klick abhängt, welcher bei Mißerfolg zu einer etwa zwei Minuten langen, nicht abbrechbaren Cutszene führt.

Und VIELLEICHT hätte ich es geschafft, zu tolerieren, daß man bei Programmstart immer die Installations-CD einlegen muß, um dann nach fünf Sekunden Kopierschutzabfrage die Gegenwarts- oder Vergangenheits-CD in den CD-Schacht zu packen (ich meine, wie teuer und umständlich kann es denn sein, den Kopierschutz auf die Spiel-CDs zu packen ?). Ja, ich hätte all dies akzeptiert – wenn das Spiel Spaß gemacht hätte.

Doch das hat es nicht, in keinster Weise. Nach der ersten Stunde sank das Spaßbarometer langsam aber stetig gen einen bisher unerreichten Tiefpunkt beim Spielen eines PC-Spieles. Der einzige Moment während des Spiels, bei dem ich lachen mußte, war während der ersten Cutszene in der Vergangenheit – aber das war es nicht wert, wirklich nicht.

Die Gruselatmosphäre will auch nicht aufkommen, zu eindimensional sind die Charaktere, zu harmlos der Plot. Das wahre Geheimnis der Druiden ist wohl, warum man es spielen sollte – und es bleibt ungelöst.

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